Rede

Gedenkveranstaltung für die Opfer des Olympia-Attentats von 1972

Datum der Rede: 05.09.12 Rednerin/Redner: Ministerpräsident Horst Seehofer

Manuskriptfassung: Es gilt das gesprochene Wort.

- Anrede -

Auch nach vier Jahrzehnten blicken wir mit Schrecken, mit Schmerz und mit Trauer auf den barbarischen Terrorakt von damals.

Die Geiselnahme durch palästinensische Terroristen nahm im Olympiadorf ihren brutalen Anfang. Und hier, auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck, fand sie ihr tragisches Ende.

Das Leben von elf israelischen Sportlern und eines bayerischen Polizeibeamten wurde ausgelöscht.

Mit Respekt und Hochachtung erinnern wir an

David Berger,

Seew Friedmann,

Josef Gutfreund,

Elieser Halfin,

Josef Romano,

Amizur Shapira,

Kehat Shorr,

Mark Slavin,

Andre Spitzer,

Jaakow Springer,

Mosche Weinberg und

Anton Fliegerbauer.

Am heutigen Tag fühlen wir uns den Familien der Opfer besonders nahe.

Verehrte Angehörige,

wir trauern mit Ihnen. Wir teilen Ihren Schmerz. Und wir rufen Ihnen zu:

Wir halten zusammen mit Ihnen das Andenken an die Opfer in Ehren.

Der Bundespräsident Gustav Heinemann sagte damals bei der Trauerfeier: „Das Leben braucht Versöhnung. Versöhnung darf nicht dem Terror zum Opfer fallen.“ [06.09.1972]

Wir stellen uns daher jeder Form von Terror und Gewalt mit aller Entschlossenheit entgegen.

Ziel des Attentats von München war Israel. Getroffen wurden idealistische Sportler, ihre Familien, ihre Angehörigen und Freunde. Getroffen wurde die ganze demokratische Welt und getroffen wurde der olympische Geist von Frieden und Gemeinschaft.

Die Geiseln konnten nicht gerettet werden. Das bedauern wir zutiefst. Das Attentat hat die Welt verändert. Aber machen wir uns nichts vor, die Gefahr terroristischer Anschläge ist auch heute eine sehr reale Größe. Das hat der terroristische Anschlag auf Israelis in Bulgarien im Juli gezeigt [18.07.2012].

Wir müssen wachsam sein. Israelis und jüdische Einrichtungen sind nach wie vor besonders gefährdet. Dafür brauchen wir auch besondere Sicherheitsmaßnahmen hierzulande. Deshalb setzen wir uns nachdrücklich dafür ein, dass Israel in sicheren Grenzen und in Frieden leben kann.

Sehr geehrter Herr Generalkonsul,

Sie haben das Attentat von München – ich zitiere – „eine immer offene und brennende Wunde“ genannt.

Wir können diese Wunde nicht heilen. Aber wir können vielleicht dazu beitragen, den Schmerz zu lindern. Bayern will den Opfern des Olympia-Attentats von 1972 ein bleibendes Zeichen der Erinnerung und des Gedenkens widmen.

Es soll für jedermann sichtbar und zugänglich ein Gedenkraum errichtet werden, in dem die menschliche Dimension des Geschehens deutlich gemacht wird. Die Biografien der Mordopfer, ihre Lebenswirklichkeit, aus der sie so bestialisch herausgerissen wurden, sollen dabei im Mittelpunkt stehen.

Damit wird über das historische Geschehen hinaus dokumentiert, dass sich demokratische und rechtsstaatlich verfasste Gesellschaften gegen verbrecherische Angriffe auf ihre zentralen Werte dauerhaft zur Wehr setzen müssen.

Wir haben gemeinsam mit dem Generalkonsulat bereits die Eckpunkte für ein Konzept der Gedenkstätte entwickelt. Und dieses wollen wir schon bald gemeinsam mit unseren Partnern – der Landeshauptstadt München, dem Bundesinnenministerium, der Israelitischen Kultusgemeinde und dem Deutschen Olympischen Sportbund – konkretisieren.

Sehr geehrter Herr Vizepremierminister Schalom,

wir werden den Opfern von 1972 stets ein ehrendes Andenken bewahren. Und diese Botschaft will ich Ihrem Volk auch ganz persönlich übermitteln. In der nächsten Woche werde ich, im Namen der ganzen bayerischen Bevölkerung, des Attentats in München auch in Israel in besonderer Weise gedenken.

Und die große Anteilnahme heute zeigt: Die Erinnerung an den 05. September 1972 wird auch in Zukunft nicht verblassen. Der 40. Jahrestag des Attentats ist uns Mahnung und Auftrag für ein friedvolles Miteinander.

Und dieser Auftrag bleibt. Der abscheuliche und feige Angriff auf den Rabbiner Daniel Alter und seine Tochter in Berlin zeigt, dass dieser Auftrag bleibt. Ich verurteile diesen feigen Angriff aufs Schärfste. Das war ein Angriff auf uns alle, meine Damen und Herren, auf unsere gemeinsamen Werte, auf Frieden, Mitmenschlichkeit und Toleranz.

Ich versichere Ihnen, wir in Bayern werden auch in Zukunft alles dafür tun, dass antisemitischer Hass und rechtsextreme Tendenzen keinen Platz in unserer Gesellschaft haben. Lassen Sie uns alle gemeinschaftlich und entschlossen eintreten für Menschenrechte und für die Achtung des Lebens, für Frieden und Verständigung auf der ganzen Welt.

Dann, und nur dann, können wir sicher sein: Die Stimme der Opfer wird niemals verstummen.