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Rede
Eröffnung des 125. Bayerischen Zentral-Landwirtschaftsfestes
Datum der Rede: 22.09.12 Rednerin/Redner: Ministerpräsident Horst SeehoferManuskriptfassung: Es gilt das gesprochene Wort.
I. BAYERNS LANDWIRTE: LEISTUNG UND LEIDENSCHAFT
- Anrede -
Ein herzliches Grüß Gott zum 125. Zentral-Landwirtschaftsfest! Meinen Glückwunsch zum Jubiläum!
Wir haben vor zwei Jahren den 200. Geburtstag der Wies’n gefeiert. Vor ein paar Wochen war ich auf dem Straubinger Gäubodenfest, ebenfalls zum 200. Jubiläum. Beide, die Wies’n und das Gäubodenfest, sind von ihrem Ursprung her Kinder des ZLF. Beide gäbe es nicht, wenn es das Landwirtschaftsfest nicht gäbe!
Ich bin nicht zum ersten Mal hier. Ich weiß, wovon ich spreche, wenn ich Ihnen sage: Keine Landwirtschaftsausstellung in Europa hat eine solche Tradition und eine solche Atmosphäre wie das ZLF. Wer das ZLF kennt und erlebt, der ahnt, was die meisten Menschen bei uns in Bayern eh schon wissen: Bayern ist die irdische Vorstufe zum Paradies. Bayern ist das schönste Land der Welt. Und die bayerischen Landwirte sind maßgeblich dafür verantwortlich, meine Damen und Herren!
Woher kommt das? Warum ziehen so viele Menschen nach Bayern und warum gehen so wenige freiwillig wieder weg? Warum nicken die Leute im Ausland anerkennend, wenn man sich als Bayer zu erkennen gibt?
Drei Gründe sehe ich:
- Erstens: Die Natur, die Wälder, die Berge und die Seen – in Bayern hat sich der Herrgott wirklich ausgetobt.
- Zweitens: Brauchtum und Tradition, die in Bayern keine Schaufensterveranstaltung, sondern fester Bestandteil unseres Lebens sind.
- Mein wichtigster Grund aber sind die Menschen, die hier leben und arbeiten. Die ihre Heimat lieben, die fleißig sind und ehrgeizig und die sich mit dem zweiten Platz nicht zufrieden geben.
Deswegen steht Bayern so gut da, so gut wie noch nie in seiner Geschichte. Bayern ist ökologisch und ökonomisch erfolgreich. Bayern ist kulturell lebendig. Und Bayern ist sozial stabil, weil wir mit einer Arbeitslosigkeit von 3,7 Prozent fast Vollbeschäftigung haben. In Deutschland und erst recht in Europa sind wir eine Insel der Beschäftigung! Zu uns kommt der junge Hochschulabsolvent aus Galizien, weil er dort von den Lebenschancen in Bayern gehört hat! Zu uns kommt die junge Süditalienerin nicht mehr nur wegen der Wies’n, sondern wegen der Perspektive! Sozialer Frieden, kultureller Reichtum, ökologische Nachhaltigkeit, ökonomischer Erfolg: Dieser Zaubertrank hat uns an die Spitze in Deutschland katapultiert, an die Spitze in Europa!
Die bayerischen Landwirte sind in dieser Erfolgsgeschichte Hauptdarsteller. Gehen Sie zum Weinbauern in Franken oder zum Milchbauern im Allgäu oder zum Rinderzüchter im Rottal. Sie haben alle eines gemeinsam: Sie haben nicht nur einen Job. Sie haben die eine große Leidenschaft – Bauer zu sein.
Ich möchte mich heute bei unseren bayerischen Landwirten bedanken. Unsere Landwirte haben keinen 8-Stunden-Tag, keine 30 Tage Jahresurlaub, keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, keine garantierte Altersvorsorge. Was unsere Landwirte als Unternehmer leisten, ist Vorbild – Vorbild gerade in einer Zeit der Jagd nach dem schnellen Geld. In der Landwirtschaft gilt: Produktion statt Spekulation. Ehrliche Arbeit statt verantwortungslose Zockerei!
Unsere Land- und Forstwirte sind das Rückgrat des ländlichen Raums. Sie erhalten unsere Landschaft, unser Brauchtum und unsere Kultur. „Schützen durch Nützen“ – das ist der Königsweg der bayerischen Land- und Forstwirte. Sie engagieren sich ehrenamtlich. Sie übernehmen Verantwortung für die Generation vorher und nachher: Der Großvater pflanzt den Baum, der Sohn pflegt den Baum, der Enkel fällt den Baum und pflanzt einen neuen. Unsere Land- und Forstwirte prägen ein gesellschaftliches Klima von Eigenverantwortung und Zusammenhalt.
Und unsere Landwirte produzieren qualitativ hochwertige Nahrungsmittel für die ganze Welt. Im letzten Jahr haben bayerische Landwirte Agrarprodukte im Wert von 7,75 Milliarden Euro exportiert – so viel wie nie zuvor. Der Agrarzweig ist der viertgrößte Wirtschaftszweig im Freistaat. Ich finde, meine Damen und Herren, das ist schon einmal ein Dankeschön wert.
Ein herzliches Vergelt’s Gott an unsere bayerischen Landwirte!
II. REGIONALE PRODUKTE ALS ZUKUNFTSCHANCE
Meine Damen und Herren!
Niemand weiß es besser als unsere Land- und Forstwirte: Erfolg gibt es nicht im Abonnement. Jede Generation muss ihren Wohlstand neu erarbeiten. Die globale Wirtschaft verliert im Moment massiv an Fahrt. Diese Entwicklung wird auch in Deutschland ankommen. Wir müssen immer wieder fragen: Wo können wir noch besser sein? Wo sind oder werden andere besser? Welche Märkte, welche neuen Felder können wir uns erschließen? Wovon werden wir morgen leben?
Für unsere bayerischen Landwirte sehe ich zwei große Zukunftsfelder: den Trend zu regionalen Produkten und die Energiewende.
Der Trend zum Regionalen ist eine große Chance für unsere Landwirte. Immer mehr Menschen wollen wissen, wo ihre Nahrungsmittel herkommen und wie sie produziert werden. Und gleichzeitig ist der Tisch nirgends so reich und so hochwertig gedeckt wie bei uns! Die Sehnsucht der Menschen nach sauberer Ernährung und die Leistungskraft unserer bayerischen Landwirtschaft ergeben zusammen ein riesiges Potenzial!
Die Bayerische Staatsregierung fördert den Trend zum Regionalen aus Überzeugung:
- Ich nenne das Kompetenzzentrum für Ernährung. Damit wollen wir Bayern zum Vorzeigeland für gesunde Ernährung machen.
- Ich nenne das neue Bayerische Regionalsiegel. Wir wollen die Vermarktungschancen unserer heimischen Produkte stärken.
- Ich nenne das Landesprogramm „Ökolandbau“, das Landwirtschaftsminister Brunner für die neue EU-Förderperiode auflegen wird. Wir wollen die Zahl der Ökoprodukte aus Bayern bis 2020 verdoppeln.
Unsere Landwirte hat immer eines ausgezeichnet: der unbedingte Ehrgeiz zur besten Qualität. Wir geben uns nicht mit dem zweiten Platz zufrieden. Aus Bayern kommt das Beste. Bayerische Qualität hat Zukunft – daheim, in Bayern und in der Welt!
III. DIE ENERGIEWENDE ALS ZUKUNFTSCHANCE
Meine Damen und Herren!
Neue Möglichkeiten bietet auch die Energiewende. Die Energiewende findet im ländlichen Raum statt, nicht in den Ballungsräumen. Ich sage deutlich: Die Energiewende kann nur zusammen mit unseren Landwirten und Waldbesitzern gelingen!
Für das neue Energiezeitalter und für den Klimaschutz werden wir im Doppelhaushalt 2013/2014 rund 260 Millionen Euro investieren – nach gut 130 Millionen Euro in diesem Jahr. Insgesamt fließt von 2012 bis 2016 1 Milliarde Euro zusätzlich in die neuen Energien. Der Umbau der Energieversorgung ist ein gewaltiges Konjunkturprogramm für den ländlichen Raum!
Wir in Bayern wollen bis zum Jahr 2020 die Hälfte unseres Strombedarfs mit erneuerbaren Energien decken – zuverlässig und bezahlbar. Die dezentrale Energieversorgung spielt dabei eine herausragende Rolle. Wir machen Bayern zum Land der Bürgerenergie. Wir wollen, dass Projekte gemeinsam mit den Bürgern entstehen. Wir machen Betroffene zu Beteiligten!
Unsere Landwirte haben bei der Biomasse schon große Vorleistungen erbracht. Wenn wir die Potenziale optimal ausschöpfen, ist eine deutliche Steigerung der bisherigen Leistung möglich. Auch bei der Wärmenutzung gibt es noch Potenzial. Das wollen wir konsequent nutzen. Mein Ziel lautet: Energieproduktion und Wertschöpfung bleiben bei uns im Land.
Meine Damen und Herren!
Ein amerikanischer Investmentbanker [Jim Rogers: www.rohstoff-welt.de, 23.09.2011] hat prophezeit: „Die Bauern werden Lamborghini fahren, während die Aktienhändler Taxifahrer werden.“
Die Landwirtschaft und auch die Forstwirtschaft in Bayern stehen vor einer großen Zukunft. Beide haben Zukunft und beide bieten Zukunft. Die junge Generation führt mit Stolz und neuen Ideen das Erbe ihrer Väter fort.
Ich danke Ihnen, liebe Bäuerinnen, liebe Bauern, liebe Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer, für Ihre Arbeit. Das High-Tech-Land Bayern hat ein menschliches Gesicht. Und das hat sehr viel mit unserer großartigen bäuerlichen Kultur zu tun. Bayern ist und bleibt Bauernland.
Hiermit erkläre ich das 125. Zentral-Landwirtschaftsfest für eröffnet.
Gott mit dir, du Land der Bayern!
