Rede

Aushändigung des Bayerischen Verdienstordens

Datum der Rede: 10.10.12 Rednerin/Redner: Ministerpräsident Horst Seehofer

Manuskriptfassung: Es gilt das gesprochene Wort.

- Anrede -

„Die größten Menschen sind jene, die anderen Hoffnung geben“. [Jean Jaurès, franz. Philosoph]

Verehrte Ordensträgerinnen und Ordensträger,

Hoffnung, Ansporn, Inspiration – all das haben Sie den Menschen in unserem Freistaat im Übermaß geschenkt. Ihre menschliche Größe beeindruckt.

Ich heiße Sie sehr herzlich willkommen hier im Antiquarium der Residenz in München. Dieser Saal ist der schönste und prächtigste Renaissance-Saal nördlich der Alpen. Für mich als Bayerischen Ministerpräsidenten ist das Antiquarium genau der richtige Ort, um Menschen wie Ihnen zu danken.

Sie alle engagieren sich seit vielen Jahren mit Herzblut und Hingabe für unser Land.

Sie sind aktiv in Wissenschaft und Kunst, in Politik, in Wirtschaft und im geistlichen Leben. Sie setzen sich ein für andere Menschen. Sie übernehmen Verantwortung.

Es ist mir eine Ehre, Ihnen für Ihre Lebensleistungen heute den Bayerischen Verdienstorden zu überreichen.

Mit dieser höchsten Auszeichnung ehrt Bayern Persönlichkeiten, die für unseren Freistaat und für das bayerische Volk Herausragendes geleistet haben. Der Orden ist ein Zeichen des Dankes und der Anerkennung für Ihren unbezahlbaren Dienst an unserer Gemeinschaft.

Ich freue mich sehr, heute 74 Persönlichkeiten mit dem Bayerischen Verdienstorden auszeichnen zu dürfen.

Die Zahl der lebenden Ordensträger ist laut Gesetz auf 2.000 beschränkt. Mit der heutigen Aushändigung werden es 1.846 Männer und Frauen sein, die diesen Orden tragen.

Wir gedenken in dieser Feierstunde auch all jener Ordensträger, die seit der Verleihung im vergangenen Jahr verstorben sind.

Ich bitte Sie, sich zum ehrenden Gedenken an die Toten von Ihren Plätzen zu erheben.

Ich danke Ihnen.

- Anrede -

Vor einer Woche haben wir hier in München die zentralen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit erlebt.

Wir haben ein fröhliches Bürgerfest gefeiert. Freude und Dankbarkeit über das große Glück der Deutschen Einheit haben die heitere Stimmung an diesen zwei Festtagen geprägt.

Die Begegnung mit Bürgern aus ganz Deutschland hat mich sehr bewegt. Menschen aus den verschiedensten Regionen haben in Bayern ein Freudenfest der Freiheit und der Einheit gefeiert.

Uns allen ist bei diesen Feierlichkeiten deutlich geworden, wie wichtig Zusammenhalt, Engagement und aktiver Bürgersinn für unsere Demokratie sind.

Unvergessen ist der große Mut der Bürgerrechtsbewegung in der DDR. Erst das offene Aufbegehren gegen das Regime der SED und der Einsatz für Freiheit und Recht haben den Weg zur Einheit geebnet.

Und ohne den gemeinsamen Willen aller Deutschen, ohne Solidarität, wäre die Erfolgsgeschichte der Deutschen Einheit nicht denkbar.

- Anrede -

Bei uns in Bayern sind Gemeinschaftsgeist und Engagement besonders stark und lebendig. Sie alle sind dafür der beste Beweis. Jeder von Ihnen hat Hervorragendes für unser Gemeinwohl bewegt.

Sie haben Ihre Talente in Sport, Kunst, Kultur und in den Medien entfaltet.

Im Radio, im Film und auf der Bühne haben Sie die Herzen von Millionen erobert – weit über die Grenzen Bayerns und Deutschlands hinaus. Mit Musik, Kultur und Literatur haben Sie die Menschen berührt und junge Talente ermutigt, ihrer Berufung zu folgen.

Sie alle haben unsere bayerische und deutsche Kulturlandschaft um viele „Schätze“ bereichert.

Sie haben mit akademischen Höchstleistungen in Forschung und Entwicklung unsere Heimat als Land der Ideen und Innovationen vorangebracht. Wissenschaftliche Spitzenleistung und wirtschaftliche Schaffenskraft gemeinsam sichern den Wohlstand unserer Bürgerinnen und Bürger. Bayern geht es blendend. Das verdanken wir auch Ihrem Pioniergeist und Ihrem Mut als Unternehmer.

Sie haben als Botschafter des christlichen Glaubens den religiösen Dialog gesucht. Im Austausch und in der Begegnung haben Sie sich um den Wertediskurs verdient gemacht.

In Politik und im Ehrenamt haben Sie sich aktiv in den Dienst Ihrer Mitmenschen gestellt. Sie gestalten die Grundlagen unseres Zusammenlebens mit. Sie kümmern sich um die, die sich selbst nicht helfen können. Sie leben Nächstenliebe und Solidarität vor. Durch Menschen wie Sie hat unsere Gesellschaft ein menschliches und soziales Gesicht.

Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus der Fülle Ihres beruflichen und ehrenamtlichen Wirkens. Sie haben Bayern viel gegeben. Sie haben sich nicht abhalten lassen. Ihr Mut und Ihre Gestaltungskraft verdienen Anerkennung und Dank. Vergelt’s Gott für Ihren Einsatz für die Menschen in Bayern!

Mit Ihrem Engagement stärken Sie den Zusammenhalt in unserer Heimat. Sie leisten weit mehr als Ihre Pflicht.

Sie alle sind Vorbilder für eine lebendige Demokratie. Sie geben Impulse für Engagement und Beteiligung - gerade für unsere Jugend. Ihr Vorbild ermutigt zum Handeln.

Verantwortungsbewusstsein, Solidarität und Engagement - diese Werte leben Sie vor. Sie machen deutlich: Es kommt nicht nur auf das eigene Glück an im Leben. Sinnvolles Leben ist immer soziales Leben.

Freiwilliges Engagement ist für unsere Gesellschaft unverzichtbar. Das gilt für Bayern und Deutschland genauso wie für Europa. Der Staat kann nicht alles leisten. Zusammenhalt und Zukunft brauchen engagierte Bürgerinnen und Bürger wie Sie!

Wir in Bayern setzen auf die Beteiligung jedes Einzelnen.

Wir wissen: Die Kraft zur Zukunft liegt in den Herzen und Händen der Menschen. Bayern ist Spitze - weil wir Menschen wie Sie haben: Sie bringen sich ein, Sie engagieren sich und Sie sind erfolgreich. Wir sind stolz auf aktive Bürgerinnen und Bürger wie Sie!

Sehr geehrte Ordensträgerinnen und Ordensträger,

die Dichterin Marie von Ebner-Eschenbach hat einmal gesagt:

„Man muss das Gute tun, damit es in der Welt sei.“

Ich darf Sie bitten: Seien Sie weiterhin so kraftvoll für unsere Heimat aktiv! Geben Sie Impulse – und tun Sie weiterhin das Gute!

Ich freue mich, Ihnen im Anschluss die Auszeichnungen zu überreichen.

- Anrede -

Nur durch aktiven Bürgersinn bleibt Demokratie lebendig. Und nur in einem stabilen Rechtsstaat kann sich Bürgerengagement entfalten.

Sehr verehrter Herr Professor Kirchhof,

die Stabilität des Rechts als Garant von Schutz und Freiheit – das ist das Leitmotiv Ihres wissenschaftlichen Schaffens. Diesem Anliegen haben Sie sich mit Hingabe verschrieben.

Wir schätzen Sie als unbeirrbaren Verfechter des Rechtsstaats und der starken Bürgerrechte.

Umso mehr freuen wir uns alle auf Ihren Festvortrag „Staat und Bürger im Gespräch – von Worten, Reimen, Gesten, Orden“.