Rede

Empfang für ehrenamtlich tätige Mitglieder in Kirchen und Religionsgemeinschaften in Bayern

Datum der Rede: 10.10.12 Rednerin/Redner: Ministerpräsident Horst Seehofer

Manuskriptfassung: Es gilt das gesprochene Wort.

- Anrede -

Vielen Dank für die schöne Einstimmung!

Ihnen allen ein herzliches Grüß Gott hier in Augsburg! Die Stadt des Religionsfriedens: Das ist der rechte Ort für den heutigen Abend! Der rechte Ort, um Ihnen allen Danke zu sagen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

aus der Kraft Ihres Glaubens heraus sind Sie tätig – für Ihre Mitmenschen, für Ihre Nächsten.

Ihr Lebensmotto heißt: sich einbringen, runter von den Zuschauerrängen, rauf auf’s Spielfeld. Dafür sind Sie Vorbild.

Sie engagieren sich in Ihrer Kirche und in Ihrer Glaubensgemeinschaft – mit Herzblut und Leidenschaft.

Sie gestalten das religiöse Leben in Ihren Gemeinden aktiv mit. In Ihrer Freizeit, nach Feierabend oder am Wochenende sind Sie für die Gemeinschaft da.

Sie kümmern sich um Pflege, Renovierung und Erhalt der Gotteshäuser in Bayern. Für unsere Kirchen und Synagogen packen Sie mit an. Sie bewahren diesen kulturellen Schatz – für Ihre Gemeinden und für unser Land. Sie opfern Freizeit, Urlaub, Familienzeit.

Sie sind für Menschen da, die Ihre Hilfe brauchen. Alten und Kranken, den Schwachen und Menschen mit Behinderung spenden Sie Rat und Trost. Sie stehen Menschen an Ihrem Lebensende bei. Das alles ist praktizierte Nächstenliebe. Ihr Einsatz für Ihre Mitmenschen ist großartig!

Sie engagieren sich in der Jugendarbeit. Viele Studien zeigen eine positive Entwicklung: Null Bock ist out, Engagement ist in. Die jungen Leute verlangen nach Sinn, nach Substanz im Leben. Aus vielen Gesprächen mit Jugendlichen weiß ich: Die jungen Menschen suchen Wege jenseits von Karriere und schnellem Geld. Die Jugendarbeit in den Gemeinden hilft den Jugendlichen, ihren Weg zu finden. Das ist ein wertvoller Beitrag für unsere Gesellschaft, für unsere Zukunft.

Der heutige Abend ist ein Dankeschön für alles, was Sie leisten. Als Bayerischer Ministerpräsident und persönlich danke ich Ihnen von Herzen. Vergelt’s Gott für Ihre Zeit, Ihre Hilfsbereitschaft und Ihre Ideen!

Sie alle sind Vorbilder für die Kinder und Jugendlichen in unserem Land!

Über Werte wird in unserer Zeit viel geredet und geschrieben. Der evangelische Theologe Friedrich Wilhelm Graf warnt sogar vor einer „Inflation auf den Moralmärkten“ durch allzu viel „Wertgerede“. [Zitate aus: Friedrich Wilhelm Graf, Loyalität für ‘nen Euro, in: SZ-Magazin 25/2008]

Sie, meine Damen und Herren, reden nicht. Sie handeln. Sie erfüllen durch Ihren Einsatz Werte mit Leben: Werte wie Verantwortungsbewusstsein, Hilfsbereitschaft und Toleranz.

Diese Werte wurzeln tief im christlich-jüdischen Menschenbild. Und diese christlich-jüdische Tradition ist auch das Fundament für den Zusammenhalt in Europa. Gerade in Zeiten der Beschleunigung, der Krise in Europa ist die Verankerung in einem festen Fundament wichtiger denn je. Europa steht für mehr als Zinssätze und Rettungsschirme. Jeder Mensch ist einmalig in seiner Würde – vom Anfang bis zum Ende seines Lebens. Menschenrechte, Gleichberechtigung von Mann und Frau, Freiheit in Verantwortung für den Nächsten und die Schöpfung. All das sind europäische Werte. Europa ist nur als Wertegemeinschaft stark – stark genug, um Krisen zu überstehen und auf Dauer die Herzen der Menschen zu gewinnen.

Vor drei Jahren habe ich den Anstoß zum Wertebündnis Bayern gegeben. Mittlerweile sind über 90 Organisationen in unserem Bündnis vereint. Die Wertebündnispartner spiegeln die große gesellschaftliche Bandbreite der bayerischen Bevölkerung wider. Auch die verschiedenen Glaubensgemeinschaften arbeiten im Wertebündnis Bayern für ein gemeinsames Ziel: Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene stark zu machen – durch konkrete Projekte.

Die 90 Partner des Wertebündnis Bayern ziehen im nächsten März Zwischenbilanz über die bisherige Arbeit. Arbeit, die nur geleistet werden konnte, durch Menschen wie Sie: Menschen, die Verantwortung übernehmen und Einsatz zeigen.

- Anrede -

Ich werde in Berlin oft gefragt: Was ist eigentlich das Besondere an Bayern? Was macht Bayern aus? Ich antworte: Das ist der Zusammenhalt der Menschen bei uns: In Bayern ist mehr als jeder Dritte ehrenamtlich engagiert.

Bei uns in Bayern gilt:

  • Jung und Alt stehen füreinander ein,
  • Stärkere helfen den Schwächeren,
  • wir in Bayern packen gemeinsam an.

In Ihren Kirchen und Glaubensgemeinschaften, in Ihren Gemeinden leben Sie alle diesen Zusammenhalt vor. Sie alle machen unsere Heimat menschlich und lebenswert. Und dieser Zusammenhalt macht das besondere bayerische Lebensgefühl aus.

Ich bitte Sie: Lassen Sie nicht nach in Ihrem Engagement! Unser Land braucht Menschen wie Sie. Sie bauen mit an einer guten Zukunft für unsere Heimat.

Ich wünsche Ihnen einen schönen, anregenden Abend und freue mich auf die Gespräche mit Ihnen.