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Rede
Bayerischer Filmpreis 2010
Datum der Rede: 15.01.10 Rednerin/Redner: Ministerpräsident Horst SeehoferManuskriptfassung: Es gilt das gesprochene Wort
- Anrede -
Wenn es den Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten nicht schon gäbe, hätte man ihn für Sie erfinden müssen - denn Sie sind der „Ur-Bayer" unter den deutschen Regisseuren! In Ihrem Lebenslauf verbinden sich bayerische Wurzeln, bayerische Wirkungsstätten und bayerische Themen filmreif mit einer universellen Liebe zum Kino.
Leben in Bayern - vergangen und gegenwärtig, mit Licht und Schatten, betrachtet durch die wachen und liebenden Augen des Joseph Vilsmaier, erzählt in Bildern voller Leidenschaft - das war und ist ein Markenzeichen von Joseph Vilsmaier, unserem heutigen Ehrenpreisträger.
Hier in München, wo Sie am 24. Januar 1939 geboren wurden, lernten Sie Ihr Handwerk bei ARRI - wie man so schön sagt „von der Pieke auf"- und arbeiteten erst als Techniker, dann als Kameraassistent in den Bavaria Filmstudios in Geiselgasteig. Ab 1972 waren Sie selbst der Kameramann - und sind es geblieben, da Sie sich als Kameramann Joseph Vilsmaier scheinbar recht gut vertragen mit dem Regisseur Sepp Vilsmaier und dem Produzenten J-Punkt-Vilsmaier, die durchweg mit Ihnen einer Meinung zu sein scheinen. - Von einer solchen Konstellation kann man als Politiker heutzutage natürlich nur träumen.
1988 kam der Film in die Kinos, der Sie in der ersten Riege deutscher Regisseure etablierte: „Herbstmilch", die Lebensgeschichte der Bäuerin Anna Wimschneider, produziert von Ihrer eigenen Firma „Perathon Film". „Herbstmilch" wurde ein großartiger Publikumserfolg. Denn man spürte: hier erzählt jemand vom Bewegendsten, was ein Film darstellen kann: vom Schicksal eines Menschen. Und das in eindrucksvollen und berührenden Bildern, die die enge Verbundenheit des Erzählers zu diesem Leben und zu dieser Landschaft jederzeit erkennen lassen.
Die Hauptrolle spielte eine wunderbare Darstellerin, von Kollegen und Publikum gleichermaßen geliebt: Ihre Ehefrau Dana Vávrová.
Wie sehr ihr Tod im vergangenen Jahr Sie und Ihre Töchter betroffen hat, das vermag niemand in Worte zu fassen. Doch lassen Sie mich an genau dieser Stelle sagen, hier, wo Sie im Jahr 2006 gemeinsam mit Dana Vávrová den Spezialpreis der Jury für Ihr Werk „Der letzte Zug" entgegengenommen haben: Wir alle sind Ihnen beiden zutiefst dankbar für viele unvergessliche Filmerlebnisse und werden Ihnen immer verbunden bleiben!
Auf „Herbstmilch" folgte in den Neunzigerjahren unter Ihrer Regie eine Reihe hochkarätig besetzter und in starke Bilder umgesetzter Kinoereignisse: „Rama dama", das Zeitbild Münchens und seiner Bewohner in der „Stunde Null", der erschütternde Antikriegsfilm „Stalingrad" und darauf der heitere Familienfilm „Charlie und Louise".
Eine Oscar-Nominierung brachte Ihnen 1995 die Verfilmung von Robert Schneiders Roman „Schlafes Bruder" ein. Danach inszenierten Sie die Erinnerungen von Sigi Sommer unter dem Titel „Und keiner weint mir nach" und brachten mit enormem Erfolg die Geschichte der legendären „Comedian Harmonists" auf die Leinwand. Im Jahr 2000 folgte mit „Marlene" das opulente Porträt der Film-Ikone Marlene Dietrich und ihrer Zeit.
Auch nach dem Millennium interessierten Sie besonders Themen der Zeitgeschichte - wie in „Leo und Claire", „Der letzte Zug" und dem großen Fernsehfilm „Die Gustloff"; und immer wieder faszinierte Sie die Naturgewalt der Bergwelt, die Ihr Familienfilm „Bergkristall", die „Geschichte vom Brandner Kaspar" und ihr jüngstes Werk „Nanga Parbat" auf ganz verschiedene Weise, doch gleichermaßen beeindruckend darstellen.
Die Dreharbeiten zu „Nanga Parbat", Ihrem aktuell in den Kinos anlaufenden Film über die schicksalhafte Expedition der Messner-Brüder, waren naturgemäß auch alpinistisch eine Herausforderung. Bei den Dreharbeiten haben Sie, lieber Joseph Vilsmaier, einen Ausspruch geprägt, der Sie, wie mir scheint, sehr treffend charakterisiert:
Beim Außendreh im Hochgebirge herrscht höchste Betriebsamkeit, alles rennt und werkelt, um ein paar unwiederbringliche Bilder noch rechtzeitig in den Kasten zu bekommen. Inmitten dieses Chaos stehen Sie, freundlich und entspannt, und sagen zum Team nur: „Is des do ned schee ?!"
„Filmnarrisch, begeisternd, mitmenschlich, familiär, hilfsbereit" - so werden Sie von denen beschrieben, die das Privileg haben, Sie näher zu kennen, aus Arbeit und Privatleben. Gerade in Ihrem Geschäft ist das höchstes Lob und höchste Anerkennung.
Auch deswegen ist es mir eine große Freude, Ihnen den „Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten" verleihen zu dürfen.
Lieber Herr Vilsmaier, Sie haben mit Ihrem großen Werk Filmgeschichte geschrieben. Mögen Sie noch oft Gelegenheit haben, auch im größten Getriebe innezuhalten und zu bemerken: „Is des do ned schee!"
Meine herzliche Gratulation!