Rede

Stipendienprogramm der Mentoren

Datum der Rede: 23.01.10 Rednerin/Redner: Ministerpräsident Horst Seehofer

Manuskriptfassung: Es gilt das gesprochene Wort

- Anrede -

Ich habe vor Kurzem einen Satz gelesen, der - wie ich meine - sehr gut zum heutigen Anlass passt:

„Tun Sie gelegentlich etwas, womit Sie weniger oder gar nichts verdienen. Es zahlt sich aus."

Dieser Aufforderung sind Sie, sehr geehrte Mentorinnen und Mentoren, nachgekommen, als Sie sich dafür entschieden haben, sich beim Stipendiaten-programm der Roland Berger Stiftung zu engagieren. Sie engagieren sich freiwillig, ohne etwas dabei zu verdienen, und bekommen doch ganz viel zurück:

• die Möglichkeit, Ihre eigenen Kenntnisse und Erfahrungen an junge Menschen weiterzugeben;
• das direkte Feedback, dass Ihre Hilfe und Ihr Einsatz Früchte trägt, wenn Sie sehen, wie gut sich Ihr Mentee entwickelt und wie wichtig Ihr Rat und Ihre Hilfe ist;
• und nicht zuletzt heute auch ein ganz herzliches Vergelt's Gott seitens der Staatsregierung: Denn das, was Sie mit Ihrem freiwilligen Engagement tun, ist mit Geld nicht aufzuwiegen. Sie helfen jungen Menschen bei einem guten Start auf ihrem Lebensweg. Damit gestalten Sie die Zukunft in unserem Land aktiv mit. Sie leben bürgerschaftliches Engagement und sind Vorbild für andere. Menschen wie Sie sind die gestaltende Kraft, die unser Land für einen neuen Aufbruch braucht. Dafür möchte ich Ihnen ganz herzlich danken.

Dank sagen will ich auch Ihnen, sehr geehrter Herr Prof. Berger. Sie haben zusammen mit Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Ihrer noch jungen Stiftung bereits viel bewirkt. Mit Ihrer Stiftung, die vor knapp zwei Jahren an diesem Ort aus der Taufe gehoben wurde, verfolgen Sie zwei wichtige Zielsetzungen:

• Sie haben aus eigener leidvoller Erfahrung im Zweiten Weltkrieg erlebt, wie kostbar Menschenwürde und Toleranz sind. Alljährlich stiften Sie daher den hoch dotierten Roland Berger Preis für Menschenwürde.
• Zum anderen hat sich Ihre Stiftung zum Ziel gesetzt, die Chancengleichheit in der Bildung zu fördern. Dazu haben Sie dieses gelungene Stipendienprogramm „Fit für Verantwortung" ins Leben gerufen.

Beide Stiftungszwecke haben mit zentralen Werten zu tun. Werte, die für ein gutes Zusammenleben in unserer Gesellschaft unverzichtbar sind.

Bereits in meiner Regierungserklärung habe ich die Bedeutung einer klaren Wertorientierung als Fundament für unsere Gesellschaft hervorgehoben und schon damals ein Wertebündnis zwischen Erziehern, Lehrern und Partnern aus den Kirchen und der Wirtschaft, den Jugend- und Wohlfahrtsverbänden bis hin zu Sport und Kultur angekündigt. Dieses Wertebündnis Bayern steht kurz vor seinem Auftakt. Am 1. März werden wir es hier in der Allerheiligenhofkirche offiziell aus der Taufe heben. Viele Bündnispartner sind diesem Wertebündnis bereits beigetreten. Sie tragen mit ihrem Engagement dazu bei, Wertebewusstsein, Wertehaltungen und Wertekompetenz bei jungen Menschen, aber auch bei den Erziehungs- und Bildungsverantwortlichen zu stärken. Und sie setzen sich zum Ziel, jungen Menschen Handlungs- und Erfahrungsräume zu eröffnen, in denen sie Werte reflektieren, an Werten orientiertes Verhalten einüben und leben und ihre Urteilsfähigkeit stärken können.

Sehr geehrter Herr Prof. Berger, mit Ihrer Stiftung und mit Ihrem Stipendienprogramm „Fit für Verantwortung" verfolgen Sie genau diese Zielsetzung. Ich lade Sie mit Ihrer Stiftung herzlich dazu ein, dem „Wertebündnis Bayern. Gemeinsam stark für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene" beizutreten.

In Artikel 131 unserer Bayerischen Verfassung heißt es: „Die Schulen sollen nicht nur Wissen und Können vermitteln, sondern auch Herz und Charakter bilden." Erst das macht Persönlichkeit aus. Bei dieser Herzensbildung müssen wir alle mitwirken. Denn was wir unseren Kindern heute fürs Leben mitgeben, bestimmt morgen unsere Gesellschaft.

Sie, verehrte Mentorinnen und Mentoren, geben den Kindern und Jugendlichen enorm viel fürs Leben mit. Sie sind Vorbilder, kompetente Berater und verständnisvolle Begleiter auf ihrem schulischen Lebensweg. Zudem haben Sie Mittlerfunktion zwischen den Stipendiaten, den Eltern, der Schule und der Stiftung. All das erfordert ein hohes Maß an Zeit, Einsatzbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein. Sich freiwillig und unentgeltlich für eine gute Sache zu engagieren, Verantwortung für andere und in der Gesellschaft zu übernehmen - das ist es auch, was Sie den jungen Menschen vorleben. Verantwortung für die Gestaltung unserer Gesellschaft zu übernehmen, Veränderungsprozesse aktiv und konstruktiv mitzutragen, diese Fähigkeiten und Tugenden brauchen wir mehr denn je.

Bürgerschaftliches Engagement ist das Rückgrat unserer Gesellschaft. Es spannt ein stabiles Netz über alle gesellschaftlichen Bereiche und verbindet Jung und Alt. Die Mitmenschlichkeit, der uneigennützige Einsatz für andere ist es, was das Ehrenamt ausmacht. Alle, die sich freiwillig engagieren, geben unserer Gesellschaft und unserem Land mit ihrem Einsatz ein menschliches Gesicht.

Bürgerschaftliches Engagement ist in Bayern größer als anderswo. Mehr als ein Drittel der Menschen in Bayern sind freiwillig tätig. Schätzungen gehen davon aus, dass Ehrenamtliche in Bayern jeden Monat 75 Mio. Stunden für die Allgemeinheit leisten. Dieses enorme Potenzial könnte der Staat nie und nimmer ausgleichen.

Unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft, steht und fällt mit dem Engagement tatkräftiger Menschen. Mit Menschen, die füreinander da sind und aufeinander schauen, Menschen, die Einsatz zeigen, für ihre Nächsten, ohne nach ihrem eigenen Profit zu schielen. In Vereinen und Verbänden, für die unterschiedlichsten Zwecke, caritativ oder in der Jugendarbeit, in den Kirchen, in Parteien oder auch in Stiftungen wie dieser. Das Bild des Ehrenamtes in Bayern ist groß, bunt und vielfältig.

Die Bayerische Staatsregierung tut alles, um das Ehrenamt zu stärken:

  • durch den Aufbau eines Landesnetzwerkes Bürgerschaftliches Engagement, das Beratung, Information, Fortbildung und Vernetzung der bestehenden Strukturen bietet;
  • durch das Modellprojekt der „Ehrenamtscard" im Landkreis Cham: die Ehrenamtscard bietet Vergünstigungen in öffentlichen und privaten Einrichtungen; sie ist eine moderne Form der Anerkennung der freiwilligen Arbeit;
  • durch den „Ehrenamtsnachweis Bayern", der seit November letzten Jahres ausgestellt werden kann und Art und Umfang sowie dafür erforderliche Kompetenzen bescheinigt;
  • durch die Möglichkeit, freiwilliges Engagement von Schülerinnen und Schülern in einem Beiblatt zum Zeugnis zu würdigen;
  • oder auch durch den bedarfsgerechten Auf- und Ausbau der Freiwilligendienste; vielleicht wird die eine oder der andere Stipendiat auch einmal ein Freiwilliges Soziales Jahr machen. Die Mentorinnen und Mentoren haben ja vorgemacht, was es heißt, freiwillig aktiv zu sein.

Wir stehen am Beginn eines neuen Jahrzehnts, das uns viel Gestaltungskraft abverlangt. Nach dieser schweren Finanz- und Wirtschaftskrise, unter deren Folgen wir immer noch zu leiden haben, hat die christlich-liberale Regierungskoalition am vergangenen Sonntag ein Jahrzehnt der politischen Erneuerung für Deutschland ausgerufen.

Meine Überzeugung ist: Der Schlüssel zur Erneuerung liegt in uns selbst. Wir müssen uns zurückbesinnen auf das, was uns, was die Bundesrepublik Deutschland stark gemacht hat. Das waren und sind die Menschen, die unser Land, unsere Heimat sprichwörtlich mit eigener Hände Arbeit wiederaufgebaut haben. Die Kraft zur Erneuerung liegt in den Menschen selbst. Unsere Bürgerinnen und Bürger machen Bayern stark. Es ist das Zu- und das Vertrauen in die Menschen, in ihre Kreativität, in ihr Anpacken, in ihren Fleiß, das uns zuversichtlich für das neue Jahr stimmt. Die Menschen in unserem Land sind der Schlüssel für eine gute Zukunft.

Weil das so ist, müssen wir auch die Menschen gezielt stärken. Die Roland Berger Stiftung tut das mit diesem Stipendienprogramm und macht unsere junge Generation fit für Verantwortung.

Die Staatsregierung stärkt die Menschen in Bayern durch eine an Werten orientierte Zukunftspolitik: Familie, Bildung und Innovation - das sind die Schwerpunkte der bayerischen Politik für einen neuen Aufbruch.

Familie vermittelt Geborgenheit. Hier erleben unsere Kinder, was es heißt, Verantwortung füreinander zu übernehmen. Aus der Familie schöpfen wir die Kraft und den Mut für die Gestaltung unserer Zukunft. Familien sind durch nichts zu ersetzen.

Wer ein zukunftsfähiges und soziales Land will, der muss die Familien stärken:

  • Familie in all ihren Formen - mit Partner, Kindern, Enkeln, Großeltern;
  • Wir geben in Bayern für unsere Familien in diesem Jahr 1,67 Mrd. € aus und 2010 sogar 1,73 Mrd. €.
  • Wir bauen die Kinderbetreuung aus, setzen aber gleichzeitig auf Landeserziehungsgeld und Betreuungsgeld. Denn die Familien müssen selbst entscheiden dürfen, wie sie ihr Leben gestalten wollen.

Für mich steht fest: Familienpolitik ist die moderne, aktivierende Gesellschaftspolitik des 21. Jahrhunderts.

Ein ebenso wichtiger Schwerpunkt ist die Bildung. Bildung schafft Teilhabe und Chancengerechtigkeit. Und Bildung ist die Schlüsselfrage der Persönlichkeitsentwicklung und damit Postulat unseres christlichen Menschenbildes:

  • In diesem Jahr steigern wir die Bildungsausgaben um 500 Mio. € auf 15,6 Mrd. €.
  • Wir stellen 1.500 zusätzliche Lehrer ein.
  • Wir haben in diesem Schuljahr 400 neue Hauptschulklassen eingerichtet, um allen Kindern, auch Kindern mit Migrationshintergrund, eine noch bessere Bildung mitzugeben. Das ist eine enorme Integrationsleistung.
  • Und bis 2011 über 3.000 neue Dozenten an den Unis für 38.000 zusätzliche Studienplätze.
  • Und das trotz eines Haushalts ohne Neuverschuldung in diesem Jahr.

Aber Geld und Stellen allein reichen nicht aus. Wir brauchen Anstrengungsbereitschaft, Bildungsfreude, kreative neue Bildungswege und lebenslanges Lernen.

Im Bildungsland Bayern sind engagierte Organisationen wie die Roland Berger Stiftung unverzichtbare Partner bei diesem Streben. Nur wenn viele gesellschaftlichen Kräfte gemeinsam anpacken, werden wir unsere Kinder und Jugendlichen mit ihren Stärken und Fähigkeiten individuell und bestmöglich fördern können.

Liebe Stipendiatinnen und Stipendiaten,

nutzt diese großartige Chance, die euch die Roland Berger Stiftung bietet! Seid neugierig, lernt, bildet euch weiter!

Und freut euch darüber, dass ihr begeisterte, engagierte Menschen an eurer Seite habt, die euch auf eurem Lebensweg begleiten und unterstützen.

Euch, den Jugendlichen, wünsche ich viel Erfolg für die Zukunft und den Mentorinnen und Mentoren viel Freude bei ihrer wichtigen freiwilligen Arbeit!