Inhalt
Rede
Errichtung des Museums der Bayerischen Geschichte
Datum der Rede: 23.04.12 Rednerin/Redner: Ministerpräsident Horst SeehoferManuskriptfassung: Es gilt das gesprochene Wort.
I. UNSERE ANTWORT AUF DIE FRAGE: „WAS HAT DER SÜDEN?“
- Anrede -
Ihnen allen ein herzliches „Grüß Gott“.
Der Journalist Wolfram Weimer hat einmal gefragt:
„Was hat der Süden?“
Seine Antwort:
„Das Erfolgsgeheimnis des Südens ist (…) kultureller Natur. (…) Sie“ – ich ergänze: die Menschen im Süden – „haben Identitäten und damit ein kollektives Kleid des Selbstbewusstseins. (…) Eine Gesellschaft, die (…) um ihren kulturellen Boden nicht weiß, kann nirgendwo zum Sprung ansetzen.“ Zitat Ende. [Cicero, 11/2006]
Unsere Antwort ist das Museum der Bayerischen Geschichte. Wir in Bayern wissen: Ohne Geschichte keine Zukunft.
Unsere vielfältige und reichhaltige Kultur in Bayern ist kein Luxusgut, das wir ums Prestige willen pflegen. Kultur ist unser Lebenselixier! Unsere Identität ist die Voraussetzung für unseren Erfolg!
Deshalb habe ich in meiner Regierungserklärung vom 10.12.2008 das Museum angekündigt. 2008 angekündigt – 2012 eingelöst. Das ist Regieren auf bayerisch! Und als Ministerpräsident füge ich nicht ohne Stolz hinzu: Das gehört auch zum „Mythos Bayern“!
Wir wollen ein Museum für alle Menschen, die in Bayern leben, die Bayern lieben – und für die, die Bayern erst kennen lernen wollen.
Mit dem Museum für Bayerische Geschichte schaffen wir etwas ganz Neues und ganz Besonderes: Eine Liebeserklärung an unsere Heimat. Wir wollen ein „Mitmach-Museum“: Hier bauen alle Menschen aus Bayern ein Haus aus unseren Stärken. Ich nenne die regionale und kulturelle Vielfalt, die Dialekte, Glaube und Brauchtum, gemeinsame Traditionen und Geschichte, gemeinsame Zukunftsideen.
Gemeinsam zeigen wir: Bayern ist wirtschaftlich und wissenschaftlich weltweit erfolgreich, weil wir starke Wurzeln haben. Aus dem Wissen um das „Woher?“ schöpfen wir die Kraft für das „Wohin?“.
II. KULTURKONZEPT – IDENTITÄT UND GESCHICHTE ALS LEUCHTFEUER ÜBERALL IM LAND
- Anrede -
Ich war gerade in Brasilien und habe wieder viel Hochachtung und Respekt für unsere Heimat erfahren. „Ihr seid da, wo wir hinwollen“ – diesen Satz höre ich oft. Eine schönere Bestätigung für unsere Politik kann ich mir nicht wünschen.
Neben der Internationalisierung ist die Pflege von Identität und Geschichte im eigenen Land das Leuchtfeuer für die Zukunft.
Für mich als Ministerpräsident ist es ein Herzensanliegen, das kulturelle Fundament Bayerns zu stärken und weiter auszubauen.
Wir werden ein umfassendes Kulturkonzept entwickeln. Wir wollen allen unseren bayerischen Regionen helfen, ihre kulturellen Stärken noch besser zur Entfaltung zu bringen – vom Sudetendeutschen Museum bis zur Kaiserburg in Nürnberg.
- Anrede -
Wer mich kennt, weiß: Ich stehe für Dialog, für demokratische Mitwirkung und Partizipation. Deshalb freut es mich ganz besonders, dass unser neues Museum ein „Mitmach-Museum“ wird. Dafür eröffnen wir heute ein interaktives Dialogforum. Das ist Bürgerbeteiligung im besten Sinne! Das ist Partizipation auf bayerisch!
Zu diesem Museum kann jeder beitragen: Jung und Alt, Stadt und Land, Altbayer, Franke, Schwabe, alle Freunde Bayerns. Wir alle bauen an diesem Museum mit. Damit beweisen wir eindrucksvoll: Bayerns Stärke sind seine Menschen.
III. REGENSBURG UND SEINE BÜRGER – BEWEIS FÜR DIE KRAFT DES SÜDENS
- Anrede -
Hier bei Ihnen wird Geschichte auf Schritt und Tritt lebendig. Das durfte ich auf dem Rundgang eben wieder erleben. Regensburg ist ein Kristallisationspunkt der bayerischen Geschichte, und jedes Bauwerk, jeder Stein erzählen davon.
Der beste Beweis für die Kraft des Südens sind die Regensburger selber. Der Aufstieg Regensburgs imponiert mir sehr. Lange galt die Stadt als verschlafener Provinzort. Heute ist Regensburg Wirtschaftswunderstadt.
Beim Wirtschaftswachstum lässt Regensburg alle anderen deutschen Städte hinter sich [Bruttowertschöpfung Regensburg im Jahr 2011: +4,5%,Quelle: Städteranking „Capital“ 02/2012:]. Diese Erfolgsgeschichte ist der Erfolg aller ihrer Bürgerinnen und Bürger, das Ergebnis von Fleiß und Können, von Einsatzwillen und Leistungsbereitschaft. Der stärkste Trumpf der Regensburger ist ihre Liebe zur Domstadt, beim Spaziergang über die Steinerne Brücke, beim Bürgerfest und am Samstagnachmittag im Jahnstadion.
- Anrede -
Bayern, das ist die moderne Symbiose von „lokal“ und „global“. Hier, im Historischen Reichssaal zu Regensburg, wird uns besonders bewusst: Bayerische Geschichte hatte immer schon eine europäische Dimension [In Regensburg wurde zu Zeiten des „Immerwährenden Reichstags“ Politik von europäischer Bedeutung gemacht].
Unser Museum wird auch diese Geschichte erzählen.
Wir in Bayern leben im Herzen Europas und arbeiten für den europäischen und weltweiten Austausch.
Die weltoffene Atmosphäre der Universitätsstadt Regensburg ist der beste Beweis. Hier fühlen sich Menschen aus aller Welt daheim. Die Regensburger leben täglich den Gedanken der Völkerverständigung – das ist großartig!
- Anrede -
Regensburg ist das aufregendste Exponat unseres neuen Museums.
Stolze Geschichte – starke Zukunft!
Als Bayerischer Ministerpräsident sage ich allen, die sich für den Erfolg des Museums engagieren, ein herzliches „Vergelt’s Gott“.
Mein besonderer Dank gilt Ihnen,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Schaidinger,
und den Vertretern der Stadt Regensburg für die ausgezeichnete Zusammenarbeit.
Ich danke auch Ihnen,
sehr geehrter Herr Direktor Dr. Loibl.
Ich bin mir sicher: Sie werden hier in Regensburg – gemeinsam mit dem Museumsbeirat – Maßstäbe setzen für eine moderne und innovative Museums- und Erinnerungskultur. Dazu wünsche ich Ihnen und Ihrem Team gutes Gelingen!
Ich wünsche dem Museum den besten Start und den größten Erfolg. Ich freue mich schon heute auf 2018. In diesem Jahr werden wir das neue Museum feierlich eröffnen – passend zum Jubiläum „100 Jahre Freistaat Bayern“. Nicht Asche bewahren, sondern Glut weitertragen – dafür steht das Museum, dafür lassen Sie uns arbeiten!
Sehr gerne schalte ich schon heute die Homepage des Museums frei und eröffne den interaktiven Dialog.