Rede

Verleihung Bayerischer Fernsehpreis

Datum der Rede: 04.05.12 Rednerin/Redner: Ministerpräsident Horst Seehofer

Manuskriptfassung: Es gilt das gesprochene Wort.

- Anrede -

Ich spreche heute nicht nur als Ministerpräsident, sondern auch als Fan. Seit über 20 Jahren verleihen Sie mit Ihrer großartigen Schauspielkunst dem Kult-Duo Leitmayr und Batic eine tiefe Humanität, Glaubwürdigkeit und Sympathie. Über 60 Fälle, über 60 Mal ehrliche, menschliche Schicksale, über 60 Mal die Botschaft: Der Mensch ist zu vielem, ja zu allem fähig, aber immer auch zum Guten.

Die Tiefe Ihrer Charakterdarstellung ist nur zu erklären mit einem Blick hinter die Kunstfiguren.

Sie, Herr Wachtveitl, sind ja ein echtes Münchner Kindl, geboren in Pasing und früh für die Sprech- und Schauspielkunst begeistert.

Eine Ihrer ersten Rollen im Jahr 1971 war da vielleicht in gewisser Hinsicht wegweisend: In dem Hörspiel „Pumuckl und der Finderlohn“ stand da nämlich auf der Besetzungsliste ein „Bube 2“ namens „Schorschi“. Den sprachen Sie. Und der Meister Eder war kein anderer als der unvergessene Gustl Bayrhammer, als Kommissar Veigl Ihr Vorgänger beim Münchner „Tatort“.

Ihre Begabung setzen Sie seitdem äußerst vielseitig ein: als Synchronstimme von Hollywood-Stars, als Sprecher von Dokumentationen des Bayerischen Fernsehens und als Literatur-Interpret. Darüber hinaus sind Sie Drehbuchautor und Regisseur, gefragter Film- und Fernsehschauspieler, studierter Philosoph. Das ist eine beeindruckende künstlerische Bandbreite.

Auch Ihre Vita, Herr Nemec, zeigt viele künstlerische Facetten: Geboren in Zagreb, kamen Sie als Jugendlicher nach Bayern. Sie haben in Salzburg Musik und in Zürich Schauspiel studiert. Dann wurden Sie rasch ein Publikumsliebling als leidenschaftlicher Bühnenheld, unter anderem am Münchner Volkstheater und am Bayerischen Staatsschauspiel.

Im Fernsehen wurden Sie anfangs in Serien wie „Der Alte“ oder „Derrick“ oft als Bösewicht besetzt. Aber, wie wir alle wissen, verhelfen Sie mittlerweile dem Guten zum Sieg – auch im wahren Leben, zum Beispiel durch Ihren Einsatz für Kriegswaisen aus dem ehemaligen Jugoslawien.

Das große soziale Engagement und die tiefe Menschlichkeit, die Sie beide auszeichnen, haben auch Ihre „Tatort“-Charaktere geprägt. Bei Batic und Leitmayr gibt es keine Hierarchie, keine Hahnenkämpfe, da setzen sich zwei ganze Kerle für das ein, was sie für richtig halten. Das schafft Sympathie.

Der Münchner „Tatort“ erfüllt einen besonderen Anspruch, der dem Auftrag öffentlich-rechtlicher Produktionen vorbildlich gerecht wird: Ihr Duo steht für gesellschaftlich relevante Themen jenseits der Sonnenseiten von Grünwald und Maximilianstraße, verliert sich aber auch nicht in einem pauschalen Kulturpessimismus. Die Kommissare Batic und Leitmayr entdecken Untiefen, die manch gängiger Krimi-Konfektion verborgen bleiben. Im Jahr 2001 wurden Sie für den „Tatort“ bereits mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet.

Gestatten Sie mir hier noch ein Wort zu einer in der Tat besonders ehrenwerten Gabe der Schauspieler Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec: Sie spielen sich nicht in den Vordergrund, im Gegenteil, sie lassen ihre Kollegen besonders gut aussehen. Auch das zeigen die zahlreichen Preise für den Münchner „Tatort“.

Sie sind großartige Botschafter bayerischer Lebenskultur.

Die altbayerische Gelassenheit des Leitmayer und das südländische Feuer des Batic. Charakterköpfe mit Ecken und Kanten, die den Zweifel an sich und die Verzweiflung an der Welt zulassen, die aber nach Rückschlägen aufstehen und weitermachen, die im Dienst des Guten auch mal die Spielregeln großzügig auslegen nach dem Motto: „Leben und leben lassen". Zutiefst menschlich, mit einem hintergründigen Humor und immer mit einem großen Herz für die Schwachen. Typisch bayerisch, typisch Wachtveitl, typisch Nemec.

Als die mit Abstand beliebtesten bayerischen Fernsehbeamten darf ich Sie heute mit dem Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten auszeichnen – meinen Respekt und meine Gratulation an Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec!