Inhalt
Rede
Eröffnung der Ausstellung zu König Ludwig II.
Datum der Rede: 11.05.12 Rednerin/Redner: Ministerpräsident Horst SeehoferManuskriptfassung: Es gilt das gesprochene Wort.
I. Begrüßung
- Anrede -
„Wir Bayern müssen bereit sein, […] notfalls die letzten Preußen zu werden!"
Allein dieses Zitat von Franz Josef Strauß zeigt: Wir Bayern sind deutsche Patrioten.
Franz Josef Strauß hat wie kein Zweiter für die Wiedervereinigung gekämpft. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass sein Todestag im Jahr 1988 ausgerechnet auf den 3. Oktober fällt.
Auch mit dieser Ausstellung hier und heute zeigt Bayern: In der Hauptstadtfrage haben wir immer für Berlin gestimmt.
Wir Bayern sind Föderalisten aus Leidenschaft – im Sinne der Einheit in Vielfalt.
Bayerische Lokale hier in Berlin sind Publikumsmagneten, die Berliner Oktoberfeste ein richtiger Renner. Bayern und Preußen verstehen sich! Am Wochenende ist Berlin ohnehin fest in bayerischer Hand. [12.5.2012: DFB-Pokal-Finale in Berlin, FC Bayern vs. Borussia Dortmund]
Bayern und Preußen – unser legendärer Wettstreit zieht sich wie eine Dauerverlobung durch die Weltgeschichte: Was sich liebt, das neckt sich.
Als Bundesratspräsident freue ich mich darum sehr, heute einmal Bayerns Glanz und Preußens Gloria so dicht nebeneinander zu wissen:
Preußens Ikone Friedrich der Große gibt sich zu seinem 300. Geburtstag in Potsdam die Ehre und Bayerns Märchenkönig ist auf Stippvisite im Bundesrat. Das passt zusammen!
Preußen und Bayern: Das heißt Zukunft aus Herkunft, Liebe zur Heimat und ein offenes Herz für die Welt.
Zur Wanderaustellung „Götterdämmerung. König Ludwig II.“ heiße ich Sie alle hier in Berlin herzlich willkommen. Oder wie wir in Bayern sagen: Ihnen allen ein herzliches „Grüß Gott“!
II. Ludwig II. – dem Mythos auf der Spur
Zweifellos: Ludwig ist nicht nur der weltweit bekannteste Spross des Hauses Wittelsbach und Deutschlands berühmtester Bayer. Ludwig II. hat Bayern Glanz verliehen - wirkungsmächtig und identitätsstiftend.
Die Welt liebt das Märchen, wir in Bayern unseren „Kini“.
Aus Anlass seines 125. Todestages haben wir Ludwig II. im vergangenen Jahr mit einer eigenen Landesaustellung auf Herrenchiemsee gewürdigt. Mit einer Rekordzahl von nahezu 600.000 Besuchern ist unsere Landesausstellung die bis dato erfolgreichste kulturhistorische Ausstellung im wiedervereinigten Deutschland. Mal sehen, ob der Alte Fritz diese bayerische Steilvorlage noch toppen kann!
Zum Tag der offenen Tür hier im Bundesrat haben wir für Sie unseren Kassenschlager nach Berlin gebracht. Von der Hauptstadt aus geht unsere Landesausstellung auf Reisen durch die gesamte Republik.
III. Dank an Ausstellungsmacher, Förderer und Helfer
Mein Dank gilt allen, die diese großartige Wanderausstellung auf den Weg gebracht haben:
Insbesondere danke ich Herrn Direktor Dr. Loibl vom Haus der Bayerischen Geschichte!
Sehr verehrter Herr Dr. Loibl,
Ihnen und Ihrem Team Respekt und herzlichen Dank!
Ich bin sicher: Wir alle werden heute viel Neues erfahren – über Ludwig und seine Zeit, aber auch über Bayern und vor allem über uns selbst.
IV. Föderalisten aus Leidenschaft
„Götterdämmerung. König Ludwig II.“ - der Titel sagt es schon: Wir blicken heute gemeinsam zurück in eine Zeit des Umbruchs.
Im Januar 1871 entschied der Bayerische Landtag, ob Bayern dem Deutschen Reich beitreten sollte oder nicht.
Die Liberalen waren dafür, die Konservativen in der Bayerischen Patriotenpartei großenteils dagegen: Als bayerische Patrioten traten sie ein für die bayerische Eigenstaatlichkeit, für mehr Freiheit und Mitsprache. Sie beschworen das Völkerrecht und eine europäische Friedensordnung.
Auch wenn sie am Ende unterlagen – die Vorstellungen der bayerischen Patrioten prägen unser politisches Handeln in Bayern bis heute.
Wir in Bayern sind Föderalisten – aus Tradition, Überzeugung und Leidenschaft. Gleichmacherei ist Schwäche. Vielfalt ist Stärke.
Wir wissen: Die Kraft Deutschlands liegt in seinen Regionen. Die Stärke unseres Vaterlandes ist die Einheit in Vielfalt.
Wir treten ein für ein gesundes Selbstbewusstsein der Regionen – das verträgt auch den vitalen Wettwerb. Im Wettstreit entstehen die besten Ideen und wir alle profitieren davon.
Als Bundesratspräsident bin ich überzeugt von der Gestaltungskraft der Länder.
Wir in Bayern haben uns einen Namen gemacht als Lordsiegelbewahrer des Föderalismus. Diese Tradition setze ich als Bundesratspräsident fort.
V. Schluss
- Anrede -
Wer hinter den Mythos des weltberühmten Märchenkönigs blicken will, der muss diese Ausstellung einfach gesehen haben!
Ludwig II. gewährt uns hier im Bundesrat Audienz. Leider nur für einen Tag.
Nutzen Sie diese einmalige Gelegenheit: Ergründen Sie den Mythos Bayern!
Und sollte Ihnen ein Tag zu wenig gewesen sein, heiße ich Sie auch in meiner Heimat herzlich willkommen: Besuchen Sie doch gleich das Original. Kommen Sie zu uns nach Bayern! Jeder Preuße ist bei uns willkommen!