Rede

Eröffnung der Ausstellung "Der frühe Dürer"

Datum der Rede: 25.05.12 Rednerin/Redner: Ministerpräsident Horst Seehofer

Manuskriptfassung: Es gilt das gesprochene Wort.

 - Anrede -

Wer Deutschland kennen, wer Deutschland lieben lernen will, der muss nach Nürnberg fahren. Diese Empfehlung ist schon 200 Jahre alt. Sie stammt von einem Literaten aus dem 19. Jahrhundert, der schon damals feststellte: Nürnberg sei „der edlen Künste voll“. [Max von Schenkendorf: Die deutschen Städte. Aus: Gedichte. Stuttgart und Tübingen: Cotta, 1815, S. 177]

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
lieber Herr Dr. Maly,

das stimmt auch heute noch! Als Bayerischer Ministerpräsident kann ich Sie nur beglückwünschen! Nürnberg steht derzeit im Fokus der deutschen Kunst- und Kulturszene: Erst letzten Sonntag wurde hier der Internationale Museumstag eröffnet. Heute eröffnen wir gemeinsam eine Ausstellung von Weltrang: 

die größte Dürer-Ausstellung in Deutschland seit 40 Jahren hier bei Ihnen im Germanischen Nationalmuseum. Das ist ein Superlativ. 

Sehr geehrter Staatsminister Dr. Heubisch, lieber Wolfgang, Du hast diese Bedeutung gewürdigt. 

Ich freue mich sehr, dass ich dem Künstler-Titan aus Nürnberg, unserem „Gott der Farben“ [Der Spiegel 17/2012, S. 130] meine Aufwartung machen darf. 

Sehr geehrter Herr Prof. Großmann, 

vielen Dank für die Einladung! 

Keine Sorge – ich werde keine Laudatio auf unseren großen Franken halten. Das überlasse ich gerne dem Festredner des heutigen Abends: Herrn Prof. Dr. Norbert Lammert, Präsident des Deutschen Bundestags. 

Sehr geehrter Herr Bundestagspräsident, 

herzlich willkommen in Bayern! Mit Ihrer Anwesenheit zeigen Sie: Diese Ausstellung erfüllt einen lang gehegten Herzenswunsch vieler kunstbegeisterter Menschen in Deutschland.
Schön, dass Sie da sind! 

Lassen Sie mich über Albrecht Dürer nur soviel sagen: Er war ein Pionier der Zukunft, ein selbstbewusster, aufrechter Bürger. 

Was mich besonders fasziniert, ist Dürers unstillbare Neugier auf die Welt. Dürer wollte lernen, Dürer wollte mehr und neu sehen. Damit ist er Vorbild bis heute. 

Der alleredelste Sinn des Menschen ist das Sehen“ - das war sein künstlerisches Credo. 

Er war davon überzeugt: Alles, was man sehen kann, ist „glaubhafter und beständiger“ als alles, was man hört. Gut, er kannte unsere Presse noch nicht. 

Aber zu gut Deutsch: Seinen Worten muss man schon auch Taten folgen lassen! 

Schon deshalb ist Dürers Schule des Sehens ein Muss für jeden Politiker. Taten statt Worte – sonst schmilzt das Vertrauen wie der Eisbecher in der Sonne. Aber ich wiederhole mich. 

Sehr geehrter Herr Bundestagspräsident,

in diesem Sinne gibt es in Bayern viel zu sehen. Ich lade Sie herzlich ein: Machen Sie doch Ihren nächsten Betriebsausflug mit dem Bundestag nach Nürnberg. Reisen bildet!
 

Mein Dank gilt allen, die diese Ausstellung haben Wirklichkeit werden lassen:

  • den Sammlungen in Europa und Übersee für ihre Leihgaben,
  • den Kuratoren der Ausstellung, Herrn Dr. Eser und Herrn Dr. Hess,
  • allen Sponsoren und Medienpartnern
  • und nicht zuletzt dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg.

Sehr geehrter Herr Prof. Großmann,

Ihnen und Ihrem Team Kompliment und ein herzliches „Vergelt’s Gott“! Ich bin sicher: Wir alle werden heute viel Neues erfahren. Vor allem über Albrecht Dürer und seine Zeit, aber auch über uns selbst.
 

Und glauben Sie mir: Auch ich hätte Dürers weltberühmtes „Selbstbildnis im Pelzrock“ gerne hier bei Ihnen in Nürnberg gesehen. 

Aber dem gemeinsamen Urteil der Chefrestauratoren aus Nürnberg und München muss sich jeder beugen, der die Kunst liebt! Ich danke allen Nürnberger Patrioten für das Verständnis.

Und in einem sind wir uns einig, ob Franke oder Altbayer: Wir in Bayern lieben unseren Dürer!

 Bayern ist ein Kulturstaat. Und dafür steht Nürnberg in besonderem Maße.

 Ihrer Ausstellung „Der frühe Dürer“ wünsche ich großen Erfolg und vor allem viele Besucher!