Bayerischer Fernsehpreis 2009

Preisträger des Bayerischen Fernsehpreises 2009

Gruppenfoto mit den Preisträgern des Bayerischen Fernsehpreises 

 

 

 

Die Namen der Preisträger 2009 mit den Begründungen der Jury:

Christiane Hörbiger

DER BAYERISCHE FERNSEHPREIS 2009

Ehrenpreis des
Bayerischen Ministerpräsidenten
für
Christiane Hörbiger
für
„Der Besuch der alten Dame" (ARD)
„Zwei Ärzte sind einer zuviel" (ZDF)
sowie
für ihr Lebenswerk

Begründung der Jury:

Ministerpräsident Horst Seehofer mit den Preisträgerinnen Christiane Hörbiger und Anja Kling 

Christiane Hörbiger ist eine der größten Schauspielerpersönlichkeiten des deutschen Films und Fernsehens. Mit ihrer virtuosen, feinen Schauspielkunst, ihrem Charme und Witz prägt und adelt sie seit Jahrzehnten deutsche Film- und Fernsehproduktionen. Eng mit ihrem Namen verknüpft ist insbesondere die glaubwürdige Darstellung starker Frauen, wie etwa der Gräfin von Guldenburg in der Serie „Das Erbe der Guldenburgs", der Bezirksrichterin Julia Laubach in „Julia, eine ungewöhnliche Frau" oder zuletzt der Claire Zachanassian in der Verfilmung des Dürrenmatt-Klassikers „Der Besuch der alten Dame".

In Christiane Hörbigers Spiel kommen darstellerische Finesse und Stärke der Persönlichkeit, höchste Kunstfertigkeit und vollkommene Natürlichkeit zusammen und schenken dem Zuschauer Sternstunden der Schauspielkunst. Hierfür gebührt ihr der Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten.

Roland Suso Richter

DER BAYERISCHE FERNSEHPREIS 2009

Sonderpreis
dotiert mit 20.000 Euro an
Roland Suso Richter

für „Mogadischu" (ARD/BR und SWR)

Begründung der Jury:

Roland Suso Richter ist auf dieser Bühne kein Unbekannter mehr. Immer wieder hat er sich selbst übertroffen - und wenn man glaubte, er habe den Höhepunkt erreicht, kam ein neuer hinzu. Jetzt „Mogadischu". Er sei ein Jäger und Sammler hat Roland Suso Richter von sich gesagt, und damit nicht die vielen Bayerischen Fernsehpreise gemeint. Er sammle als Regisseur Augenblicke, den klaustrophobischen Schrecken im Gesicht seiner Darsteller, das blanke Entsetzen. Und es wurde ein Dokument des Schreckens, wie es kaum eindringlicher sein kann. Dabei brilliert Richter wieder einmal mit einer frappierenden Kamerasprache und der virtuosen Führung eines herausragenden Schauspielerensembles. Diese überragende Leistung zeichnet die Jury mit dem Sonderpreis des Bayerischen Fernsehpreises aus.

Julia von Heinz

DER BAYERISCHE FERNSEHPREIS 2009

Nachwuchsförderpreis
der LfA Förderbank Bayern
dotiert mit 10.000 Euro an
Julia von Heinz

für „Standesgemäß" Buch und Regie (ARD/BR und SWR)

Begründung der Jury:

Julia von Heinz portraitiert in ihrem ersten Dokumentarfilm „Standesgemäß" drei adelige Singlefrauen zwischen traditionellem Anspruch und Alltag, zwischen den Erwartungen der Eltern und den eigenen Ansprüchen an ein modernes, zeitgemäßes Leben. Mit großem Einfühlungsvermögen, bisweilen auch mit einem Augenzwinkern, zeichnet sie das Leben ihrer drei Protagonistinnen. Eine mitreißende Geschichte über bizarre, längst überwunden geglaubte Relikte wie das „Mannesstammprinzip", die Sehnsucht nach Liebe, die Emanzipation vom eigenen Elternhaus und die Suche nach dem Weg in die Moderne.

Falko Korth und Thomas Riedel

DER BAYERISCHE FERNSEHPREIS 2009

an
Falko Korth
und
Thomas Riedel

als Autoren und Regisseure für
„Freiheit! Das Ende der DDR" (Sat.1)
dotiert mit insgesamt 10.000 Euro

Begründung der Jury:

Die DDR - vor zwanzig Jahren kam ihr Ende. Die Autoren, beide in der DDR geboren, zeichnen in dieser Sat.1-Dokumentation sehr persönlich die letzten Monate nach. Beeindruckende Aufnahmen von Amateur-Filmen aus der DDR geben mit Original-Aufnahmen des Ost- und Westfernsehens einen überraschenden und bisher nicht gekannten Blick auf ein Stück Zeitgeschichte. „Freiheit! - Das Ende der DDR" ist bewegende Authentizität, zeigt Filmmaterial der Staatssicherheit. Kai Pflaume und Anja Kling schildern persönliche Erfahrungen. Der Bayerische Fernsehpreis 2009 geht für außergewöhnliche Regie und beeindruckendes Buch an Falko Korth und Thomas Riedel.

Richard C. Schneider

DER BAYERISCHE FERNSEHPREIS 2009

an
Richard C. Schneider
für
„Tage des Schreckens" (ARD/BR)
dotiert mit 10.000 Euro

Begründung der Jury:

Wie wenig der oft gebrauchte Begriff „Krisenherd Nahost" geeignet ist, das wahre Ausmaß des Leidens und der Not der betroffenen Bevölkerung vorstellbar zu machen, verdeutlicht ARD-Korrespondent Richard C. Schneider in einer ebenso faszinierenden wie bedrückenden Reportage. Fernab jeder Parteilichkeit zeigt Schneider Tod und Elend im Gaza-Streifen während des vorerst letzten Krieges, ohne dabei aber auch die Opfer der Hamas-Raketen auf israelischer Seite zu vergessen. Dadurch, dass Schneider die Opfer selbst ausführlich zu Wort kommen lässt und sich selbst auf einen sachlich-zurückhaltenden Text beschränkt, gewinnt diese Reportage bleibende Eindringlichkeit.

Christoph Süss

DER BAYERISCHE FERNSEHPREIS 2009

an
Christoph Süss
für
„Quer" (BR)
dotiert mit 10.000 Euro

Begründung der Jury:

40 Mal im Jahr und dies seit elf Jahren präsentiert und prägt Christoph Süß das Magazin „quer", das längst zu einem geschätzten und beliebten Markenzeichen des Bayerischen Fernsehens geworden ist. Mit Kompetenz und Kreativität und mit großem schauspielerischen und satirischen Können demonstriert Süß, dass Qualität und Quote in einem Fernsehprogramm keineswegs im Gegensatz stehen müssen. Die Art und Weise, wie Christoph Süß die mit sicherem Blick für Wesentliches und Witziges ausgewählten redaktionellen Beiträge einordnet und dem Zuschauer nahe bringt, weist ihn ebenso als großartigen Moderator aus wie seine Kunst der Gesprächsführung und der kritischen Nachfrage.

Silke Zertz

DER BAYERISCHE FERNSEHPREIS 2009

an
Silke Zertz
für
„Wir sind das Volk" (Sat.1)
dotiert mit 10.000 Euro


Begründung der Jury:

Die Autorin Silke Zertz hat mit "Wir sind das Volk - Liebe kennt keine Grenzen" einen bewegenden und packenden Zweiteiler über die letzten Monate der Deutschen Demokratischen Republik, über wahre Freundschaften und mutige Oppositionelle geschrieben. Es ist ihr gelungen, Fiktion und Realität kunstvoll und glaubhaft miteinander zu verweben. Es ist das erste Drehbuch, das sich mit der Rolle der Westmedien während der Wende beschäftigt. Als Zuschauer ist man so gefesselt, dass man keine Minute von diesem spannenden Stück Zeitgeschichte verpassen möchte.

Bora Dagtekin

DER BAYERISCHE FERNSEHPREIS 2009

an
Bora Dagtekin
für
„Doctor's Diary" (RTL)
dotiert mit 10.000 Euro

Begründung der Jury:

Dr. med. Gretchen Haase zieht nach einer gescheiterten Beziehung zurück zu den Eltern: einem patenten Muttertier und einem arbeitswütigen Chefarzt, der sie sofort für seine Klinik mit Beschlag belegt. Doch diese Klinik ist ein Haifischbecken und die Bühne für Familienstress, Liebeskummer, Übergewicht, Balzverhalten und Revierkämpfe. Bora Dagtekin (mit ihm war bereits „Türkisch für Anfänger" verbunden) hat facettenreiche Charaktere erschaffen und sie mit außergewöhnlicher Fähigkeit zu pointiertem Schlagabtausch gesegnet. Es gelingt ihm, dramatische Momente mit Komik zu brechen und umgekehrt, ohne Wahrhaftigkeit, Originalität und auch Wärme zu verlieren. Eine originelle, witzige Familienserie mit Suchtpotential.

Walter Moers

DER BAYERISCHE FERNSEHPREIS 2009

an
Walter Moers
für
„Die drei Bärchen und der blöde Wolf" (ARD/WDR)
dotiert mit 10.000 Euro

Begründung der Jury:

Seit 20 Jahren spinnt Käpt'n Blaubär nun schon sein Seemannsgarn im Kinderprogramm und hat damit Millionen kleiner und großer Freunde gewonnen. In „Die drei Bärchen und der blöde Wolf" - dem ersten Musical rund um den alten Seebären, seine drei Enkel und den Leichtmatrosen Hein Blöd - hat Blaubär-Schöpfer Walter Moers das fantastische Element mit einem märchenhaften verbunden. Mit Dialog-Witz und viel Musik, opulenten Bildern und einer großen Liebe zum Detail beweist das Team um Moers einen unbändigen Spaß am Kinderfernsehen. Die Produktion belegt aber auch den hohen Standard der Puppen-Filmproduktion, der in Deutschland seinesgleichen sucht.

Christian Rach

DER BAYERISCHE FERNSEHPREIS 2009

an
Christian Rach
für
„Rach, der Restaurant-Tester" (RTL)
dotiert mit 10.000 Euro

Begründung der Jury:

Ausbleibende Gäste und frustrierte Köche, überforderte Restaurant-Chefs und Küchen, die man als Gast lieber nicht sehen möchte: das sind die Herausforderungen, denen sich der Spitzenkoch Christian Rach in seiner Sendung „Rach, der Restaurant-Tester" stellt. Mit kulinarischer Fachkenntnis und viel psychologischem Fingerspitzengefühl geht er solche Problemfälle an und versucht, Restaurants und Gaststätten vor der drohenden Pleite zu retten. Meistens erfolgreich. Vor allem die in jeder Situation glaubwürdige, offene Herangehensweise von Christian Rach machen die Sendung zu einem amüsanten und gleichwohl informativen Highlight im deutschen Unterhaltungsfernsehen.

Matti Bauer

DER BAYERISCHE FERNSEHPREIS 2009

an
Matti Bauer
für
„Domspatzen" (arte/BR)
dotiert mit 10.000 Euro

Begründung der Jury:

Die Regensburger Domspatzen sind der älteste und wohl auch bekannteste Knabenchor Deutschlands und gleichzeitig eine Schul- und Internatsgemeinschaft, in der die jungen Sänger von der 5. bis zur 12. Klasse eine wichtige Zeit ihres Lebens verbringen. Der Autor und Regisseur Matti Bauer begleitet in „Domspatzen" fünf Neuanfänger über ein ganzes Schuljahr hinweg auf ihrem steinigen Weg von der Aufnahme über die Chorproben, das Vorsingen und den Schulalltag bis zum glanzvollen Auftritt mit dem Konzertchor. Ganz nah an den Figuren, niemals anbiedernd, aber immer einfühlsam erzählt der Film eine ergreifende Geschichte von Erfolg und Niederlage, Heimweh und Einsamkeit, aber auch Familie, Freundschaft und Freude. „Domspatzen" ist ein bezaubernder Film über echte Buben mit wunderbaren Stimmen, unterhaltsam und anrührend zugleich.

Dr. Petra Lidschreiber

DER BAYERISCHE FERNSEHPREIS 2009

an
Dr. Petra Lidschreiber
für
„Ein Jude der Deutschland liebte" (ARD/rbb)
dotiert mit 10.000 Euro

Begründung der Jury:

Die Veröffentlichung des Tagebuchs von Willy Cohn im Jahre 2006 war eine kleine Sensation. Auf über 1200 Seiten hatte der jüdische Historiker den Leidensweg seiner Familie von 1933 bis zu seiner Ermordung durch die Nazis 1941 aufgezeichnet und kommentiert. Petra Lidschreiber hat diese Chronik über die zunehmende Marter der Juden in Deutschland nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten bis hin zu ihrer systematischen Vernichtung in eine filmische Erzählung umgesetzt, die den Originaltexten mit berührenden Bildern, anschaulichem Archivmaterial und unvergesslichen Gesprächen eine ganz neue, ergreifende Öffentlichkeit gibt, die den Zuschauer in seinen Bann zieht. Ihre filmische Begleitung der drei überlebenden, inzwischen hochbetagten Kinder des Willy Cohn nach Breslau und Israel ist sensibel, zurückhaltend und geht gerade deshalb tief unter die Haut. Durch die einfühlsame Gestaltung des Films entsteht Raum für einen anrührenden filmischen Dialog der Kinder mit ihrem ermordeten Vater, den man nicht mehr vergisst.

Anja Kling

BAYERISCHER FERNSEHPREIS 2009
an

Anja Kling

als beste Schauspielerin in der Kategorie „Fernsehfilm"
für ihre Rolle in dem Film „Wir sind das Volk" (Sat.1)
dotiert mit 10.000 Euro

Begründung der Jury:

„Der große Zweiteiler „Wir sind das Volk" zeigt Anja Kling in einer ungemein packenden Rolle. Als Mutter eines Kinder, das sie während einer missglückten Flucht aus der DDR aus den Augen verliert, entwickelt sie eine der stärksten Rollen, die sie je gespielt hat. Verletzlich und kämpferisch, sensibel, aber auch voller Kraft meistert sie diese Herausforderung in all ihren Facetten. Hochdramatisch fesselt sie die Zuschauer bis zur letzten Minute."

Außerdem waren nominiert Gisela Schneeberger für „Mit einem Schlag" (ARD/BR) und Iris Berben für „Die Krupps" (ZDF).

Ken Duken

BAYERISCHER FERNSEHPREIS 2009
an

Ken Duken

als bester Schauspieler in der Kategorie „Fernsehfilm"
für seine Rolle in dem Film „Willkommen zuhause" (ARD/SWR)
dotiert mit 10.000 Euro

Begründung der Jury:

„Ein aktuelles Thema - ein junger eindrucksvoller Schauspieler. In einer Hauptrolle darzustellen, wie ein Bundeswehrsoldat vom Einsatz in Afghanistan nach einem Anschlag, bei dem sein bester Freund sein Leben verliert, nach Hause zurückkehrt und nicht mehr der ist, der er einmal war, das ist schwer genug. Ken Duken hat diese Aufgabe mit überragender Leistung nicht nur gemeistert, sondern er hat aus diesem menschlichen Drama ein faszinierendes psychologisches Stück gemacht."

Außerdem waren nominiert Peter Simonischek für „Mit einem Schlag" (ARD/BR) und Benjamin Sadler für „Die Krupps" (ZDF).

Diana Amft

BAYERISCHER FERNSEHPREIS 2009
an

Diana Amft

als beste Schauspielerin in der Kategorie „Serien und Reihen"
für ihre Rolle in der Serie „ Doctor's Diary" (RTL)
dotiert mit 10.000 Euro

Begründung der Jury:

„In der RTL-Serie „Doctor's Diary" führt Diana Amft ihre Hauptrolle als junge Ärztin in neue, überraschende Sphären. Sie ist humorvoll und doch hinreißend wahrhaftig, liebenswert chaotisch und trotzdem als Medizinerin höchst glaubhaft. Die Figur ist temporeich erzählt, die Modernität auf einem neuen Standard. Eine durch und durch überraschende Serie."

Außerdem waren nominiert Jule Ronstedt für „Franzi" (BR) und Ulrike Folkerts für „Tatort" (ARD/SWR).

Manfred Zapatka

BAYERISCHER FERNSEHPREIS 2009
an

Manfred Zapatka

als bester Schauspieler in der Kategorie „Serien und Reihen"
für seine Rolle in der Serie „KDD-Kriminaldauerdienst" (ZDF)
dotiert mit 10.000 Euro


Begründung der Jury:

„Die Serie Kriminaldauerdienst besticht durch ihre Authentizität und die lebensnahen Biografien ihrer Figuren.

Jan Haroska, der Dienstälteste, ist einer der facettenreichsten Charaktere des Teams: Ein im Dienst gealterter Mann mit einer glücklich-unglücklichen Liebesbeziehung, einem satten Alkoholproblem und einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, der nicht unbedingt mit den Dienstvorschriften kompatibel ist.

Manfred Zapatka ist Jan Haroska mit atemberaubender Intensität und anrührender Menschlichkeit. Ihm gelingt eine bewegende Charakterstudie und er macht große Schauspielkunst zum Ereignis."

Außerdem waren nominiert Bjarne Mädel für „Der kleine Mann" (Pro7) und Richy Müller für „Tatort: Tödliche Tarnung" (ARD/SWR).