Pressemitteilung

16.01.09

Ministerpräsident Horst Seehofer verleiht 30. Bayerischen Filmpreis / Ehrenpreis an den Filmkünstler Peter Schamoni / Produzentenpreis für die Filme “John Rabe” und “Der Baader Meinhof-Komplex”

Der Bayerische Filmpreis, eine der begehrtesten und renommiertesten Auszeichnungen der deutschen Filmkunst, wird in diesem Jahr zum 30. Mal vergeben. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer erwartet zu dieser Jubiläumsveranstaltung in dem in neuer Pracht erstrahlten Cuvilliéstheater zahlreiche hochkarätige Gäste aus Film und Fernsehen. Seehofer: "Mit dem Bayerischen Filmpreis werden herausragende Leistungen des deutschen Filmschaffens im Filmjahr 2008 ausgezeichnet. Ich freue mich, dass sich unter den Preisträgern auch viele bayerische Filmgrößen und Talente befinden. Dies zeigt die hohe Kreativität und Professionalität der bayerischen Filmemacher und die Stärke unseres Filmstandortes. 30 Jahre Bayerischer Filmpreis sind auch 30 Jahre Engagement für Kunst und Kultur und den Filmstandort Bayern."

Der Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten geht in diesem Jahr an den Autor, Regisseur und Produzenten Peter Schamoni, der seit über 50 Jahren eine echte Ausnahmeerscheinung in der deutschen und internationalen Filmszene ist. Seehofer würdigte Peter Schamoni als großen und unverwechselbaren Filmkünstler, der mit seinem ebenso umfangreichen wie vielseitigen Lebenswerk Filmgeschichte geschrieben hat. Seehofer: "Peter Schamoni hat mit seinen Portrait-Dokumentationen berühmter Künstler wie Max Ernst, Friedensreich Hundertwasser, Caspar David Friedrich und Fernando Botero neue Maßstäbe gesetzt. Er hat damit nicht nur einen unschätzbaren Beitrag zur filmischen Wahrnehmung von Kunst und Künstlern geleistet, sondern auch das Meisterwerk vollbracht, das Genre des Künstlerfilms einem breiten Publikum zu vermitteln. In Anerkennung seiner hervorragenden Leistungen für die Filmkunst erhält Peter Schamoni den Ehrenpreis des Bayerischen Filmpreises 2008."

Nachfolgend die Namen aller Preisträger und die Begründungen der Jury:

Der Produzentenpreis wird in diesem Jahr geteilt und geht zu je 100.000 Euro an Mischa Hofmann, Benjamin Herrmann und Jan Mojto für die Produktion des Films „John Rabe" und an Bernd Eichinger, Constantin Film, für den Film „Der Baader Meinhof Komplex".

Mit dem Film „John Rabe" wird dem Zuschauer ein wenig bekanntes Kapitel chinesisch-japanisch-deutscher Geschichte packend und eindrucksvoll näher gebracht. Die historische Aufarbeitung des Nanking-Massakers, bewegend inszeniert vom Oscar-prämierten Regisseur Florian Gallenberger, überzeugt mit ihrer aufwändigen Machart und einem grandiosen Schauspielerensemble ebenso wie mit ihrer mitreißenden Erzählstruktur und Bildern, die man nicht mehr vergisst. „John Rabe", unter nicht immer einfachen Bedingungen in China gedreht, ist eine wahrhaft große Produzentenleistung des Produzententrios Mischa Hofmann, Benjamin Herrmann und Jan Mojto - und ganz großes Kino. Mit diesem Film wird dem „guten Deutschen von Nanking" ein herzerwärmendes und würdiges Denkmal gesetzt.

Mit dem Film „Der Baader Meinhof Komplex" hat Bernd Eichinger erneut seine Kraft und seine Leidenschaft als kreativer Produzent unter Beweis gestellt. Auch dieser von ihm mit der Münchner Constantin Film hergestellte Film trägt seine unverkennbare Handschrift. Mit dem „Baader Meinhof Komplex", für den er nach dem Buch von Stefan Aust wiederum selbst das Drehbuch geschrieben hat, hat er erneut gezeigt, welche herausragenden Filmproduktionen in Deutschland realisiert werden können. Zusammen mit dem erfahrenen Regisseur Uli Edel und einem überragenden Schauspielerensemble hat Eichinger auf hohem Niveau einen Film geschaffen, der die jüngere deutsche Geschichte des Terrorismus der 70er und 80er Jahre ungeschönt, erschreckend realistisch und ganz nah bei den Personen thematisiert.

Der Regiepreis (dotiert mit 20.000 Euro) geht an Caroline Link für ihren Film "Im Winter ein Jahr".

Auf der Grundlage eines Romans von Scott Campbell und des von ihr verfassten Drehbuches ist der Oscar-prämierten Regisseurin Caroline Link mit der bewegenden Inszenierung einer Geschichte über die Trauer um ein verlorenes Kind und die Begegnung zweier verschiedenartiger, aber doch wahlverwandter Menschen erneut ein Meisterwerk gelungen. Ihr Film „Im Winter ein Jahr" besticht durch eine treffende Charakterisierung der handelnden Protagonisten, ein geglücktes Zusammenspiel der überzeugend geführten und bis in die Nebenrollen hervorragend besetzten Schauspieler, eine herausragende Kameraführung und eine überwältigende Musik. Dafür wird ihr der Bayerische Filmpreis für die beste Regie 2008 zuerkannt.

Der Darstellerpreis weiblich (dotiert mit 10.000 Euro) geht an Ursula Werner für die Rolle in "Wolke 9".

Die exzellente Schauspielerin Ursula Werner gewährt uns in Andreas Dresens Film „Wolke 9" einen ehrlichen Blick auf Liebe und Sexualität im Alter. Ihr mutiges, offenes und glaubhaftes Spiel wirkt in seiner Kompromisslosigkeit auf den Zuschauer befreiend und zeigt, dass Liebe alterslos ist.

Der Darstellerpreis männlich (dotiert mit 10.000 Euro) geht an Ulrich Tukur für die Rolle in "John Rabe".

In Florian Gallenbergers Film und Zeitbild „John Rabe" über die tragischen Geschehnisse im China des Jahres 1937 spielt Ulrich Tukur die Titelrolle als Retter Tausender von Menschen. Gefasst, bestimmt, die Gefahr vor Augen, eine große humane Tat leistend, ohne sich ihrer zu rühmen, ist er John Rabe. Konzentriert auf diese Gestalt und ihre geschichtliche Aufgabe fällt alles übrige und übliche schauspielerische Beiwerk von ihm ab. Eine überaus eindrucksvolle und sehenswerte Vorstellung, die den Bayerischen Filmpreis für die beste männliche Hauptrolle verdient.

Der Drehbuchpreis (dotiert mit 15.000 Euro) geht an Gernot Gricksch für den Film „Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe".

Seinen eigenen Erfolgsroman adaptierte Gernot Gricksch zu einem originellen und phantasievollen Drehbuch, das dem Regisseur Leander Haußmann und seinen Darstellern viel Freiräume für Improvisation und Spontaneität ließ. Herausgekommen ist dabei ein Film mit geistreichen und witzigen Dialogen, voller Leichtigkeit und anmutiger Melancholie, der in seiner Erzählweise die ausgetretenen Pfade der Dramaturgie spielerisch meidet.

Der Preis für die Bildgestaltung (dotiert mit 15.000 Euro) geht an Michael Hammon für den Film "Wolke 9".

In „Wolke 9" zeigt sich der bildgestaltende Kameramann Michael Hammon wieder einmal als kongenialer Partner von Andreas Dresen. Wie unter anderen auch in den Filmen „Halbe Treppe" oder „Willenbrock" ergänzt er die Regiearbeit von Dresen auf das Allerbeste. „Wolke 9" ist ein „kleiner großer Film", nicht zuletzt durch die intensiven Bilder aus der Kamera von Michael Hammon, die immer liebevoll beobachtet, jedoch niemals voyeuristisch ist. Es gelingt ihm auf eine ganz besonders eindringliche Weise dicht an den Schauspielern zu bleiben und so ihre Gefühle sichtbar zu machen.

Der Nachwuchsdarstellerpreis (dotiert mit 10.000 Euro) geht an Karoline Herfurth für die Rolle in "Im Winter ein Jahr".

Die junge Karoline Herfurth besticht in Caroline Links Familiendrama „Im Winter ein Jahr" durch ihre Vielseitigkeit und Ausstrahlung. In der Rolle der Tanzstudentin Lilli beeindruckt sie nicht nur in ihren Tanzszenen, sondern vor allem durch ihr kraftvolles und nuancenreiches Spiel. Kennzeichen sind Genauigkeit, hohe Intensität und Glaubwürdigkeit. Dafür wird das große Talent Karoline Herfurth mit dem Nachwuchsdarstellerpreis des Bayerischen Filmpreises ausgezeichnet.

Der Nachwuchsregiepreis (dotiert mit 10.000 Euro) geht an Jan Fehse für seinen Film "In jeder Sekunde".

Mit seiner ersten Regiearbeit „In jeder Sekunde" beweist der profilierte Kameramann Jan Fehse, dass sein Blick nicht nur photographischer, sondern auch psychologischer Natur sein kann. Sein differenziertes Portrait von sechs sehr unterschiedlichen Frauen und Männern auf der Suche nach Liebe und Glück überzeugt durch Genauigkeit und Wahrhaftigkeit. „In jeder Sekunde" kann Unvorhergesehenes, alles Veränderndes, Entscheidendes geschehen. Jan Fehse hat diesen Stoff - mitten aus dem Leben gegriffen - dramaturgisch ungewöhnlich spannend und emotional umgesetzt, ein insgesamt überzeugendes Regiedebüt.

Der Kinder- und Jugendfilmpreis (dotiert mit 20.000 Euro) geht an Uli Putz, Jakob Claussen und Thomas Wöbke (Claussen+Wöbke+Putz) für den Film "Krabat".

Über eine Million junger Menschen hat der Kinder- und Jugendfilm „Krabat" im Kino fasziniert. Zu verdanken ist dies vor allem der engagierten und mutigen produzentischen Leistung des Produzententrios Uli Putz, Jakob Claussen und Thomas Wöbke. Den Münchner Produzenten ist es zusammen mit ihrem kreativen Team gelungen, „Krabat's" Welt, die auf einer sorbischen Sage basiert, so beeindruckend und genau zu erzählen, dass der Zuschauer in eine Welt eintauchen darf, in der die gesamte Tonalität aufeinander abgestimmt ist und eine ganz eigene Atmosphäre widerspiegelt.

Der Sonderpreis der Jury (dotiert mit 10.000 Euro) geht an Franz Xaver Kroetz und Michael Bully Herbig für die Rollen in dem Film "Die Geschichte vom Brandner Kaspar".

Die Geschichte vom Brandner Kaspar, produziert von Markus Zimmer und Joseph Vilsmaier, der auch Regie führt, verdankt ihren liebenswerten Charme und ihren durchschlagenden Erfolg beim Publikum ganz wesentlich ihren zwei Protagonisten: Franz Xaver Kroetz als schlitzohriger Brandner Kaspar und Bully Herbig als einfältiger, aber doch auch listiger „Boandlkramer". Beide Darsteller machen diese Neuverfilmung eines der populärsten Volksstücke deutscher Sprache mit ihrem Spielwitz und ihrer Spielfreude zu einem höchst amüsanten, gleichzeitig anrührenden und damit unvergesslichen Kinoerlebnis.

Der Preis für das Szenenbild/ Kostümbild (dotiert mit insgesamt 10.000 Euro) geht an Götz Weidner und Barbara Baum für den Film „Buddenbrooks".

Götz Weidner zählt zu den renommiertesten und gefragtesten Szenenbildnern des deutschen Films und Fernsehens. Mit der Ausstattung von Filmen wie „Das Boot" oder „Die unendliche Geschichte" hat er entscheidend dazu beigetragen, deutschen Produktionen internationale Beachtung zu verschaffen. Mit dem beeindruckenden Szenenbild von „Buddenbrooks" verleiht er den Schauspielern, der Bildgestaltung und der Regie erneut eine unvergessliche Kulisse.

Barbara Baum wurde bereits 1993 für ihr außergewöhnliches Kostümdesign in den Filmen „Das Geisterhaus" und „Der Kinoerzähler" mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet. Nun überzeugte sie die Jury erneut mit ihrem unglaublichen Gespür für historische Stoffe: Barbara Baum entwarf und gestaltete eine Fülle von opulenten und detailgetreuen Kostümen für die Verfilmung der „Buddenbrooks". Sie meisterte diese große Aufgabe mit Bravour. Insbesondere in der Art und Weise, wie sie sich mit den Protagonisten des Films auseinandersetzt und durch ihre Kostümgestaltung deren Charakter inszeniert, zeigt sich das große Können von Barbara Baum.

Preis der Verwertungsgesellschaft für Nutzungsrechte an Filmwerken (VGF), dotiert mit 60.000 Euro, geht an die Münchner Filmwerkstatt e.V. für den Film "Der Rote Punkt".

Der Rote Punkt von Marie Miyayama erzählt die Geschichte einer japanischen Studentin, die ihren Träumen folgt und auf den Spuren ihrer Eltern nach Deutschland reist. Eine alte Landkarte, auf der ein roter Punkt eingezeichnet ist, scheint der Schlüssel zu ihren Träumen zu sein.