Pressemitteilung

20.10.09

„Medienführerschein Bayern“ kommt / Medienminister Siegfried Schneider: „Schlüssiges Instrument für kompetente Mediennutzung und reflektierten eigenverantwortlichen Umgang mit den Medien gerade bei jungen Menschen“

Pilotphase startet ab sofort in 30 Grundschulen in Bayern

Der „ Medienführerschein Bayern" kommt. Das neue Konzept zur gezielten Stärkung der Medienkompetenz bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen stellten Bayerns Medienminister Siegfried Schneider und Kultusstaatssekretär Dr. Marcel Huber heute in der Staatskanzlei vor.

Schneider: „Mediennutzung ist längst vierte Schlüsselkompetenz neben Lesen, Schreiben und Rechnen. Die riesige Vielfalt an Medienangeboten von Handy, Internet, Spielekonsolen bis Fernsehen und Print gewinnt zunehmende Bedeutung in Alltag und Freizeitgestaltung. Kinder und Jugendliche erobern oft auf eigene Faust die Medienwelt, geben Bilder und Daten von sich preis, gelangen auf jugendgefährdende Internetseiten oder schreiben für die Schule unreflektiert komplette Texte aus dem Internet ab. Gleichzeitig belegen Studien bei Kindern und Jugendlichen einen Zusammenhang zwischen übermäßigem oder nicht altersgerechtem Medienkonsum und Fehlentwicklungen. Eltern, Lehrer und Erzieher sind oft mit dem Einsatz neuer Medien nicht vertraut. Mit dem Medienführerschein Bayern schaffen wir ein schlüssiges Instrument für kompetente Mediennutzung und einen reflektierten eigenverantwortlichen Umgang mit den Medien."

Der von der Staatsregierung in Zusammenarbeit mit zahlreichen Experten und Institutionen konzipierte Medienführerschein Bayern startet laut Schneider ab sofort an 30 ausgewählten Grundschulklassen der 3. und 4. Jahrgangsstufe, da schulpflichtige Kinder und Jugendliche die größte und wichtigste Zielgruppe sind. Nach Evaluation dieser Pilotphase soll das Angebot ab dem Schuljahr 2010/2011 flächendeckend in ganz Bayern auf die 3. und 4. Klassen und auf die weiterführenden Schulen ausgedehnt werden. Schneider: „Die Unterrichtsmodule durchlaufen also eine Art Testlauf. Aufgrund der Erfahrungen in der Praxis werden sie überprüft und gegebenenfalls überarbeitet. Erst dann werden sie allen Schulen angeboten." Die Einführung des Medienführerscheins Bayern an den Schulen erfolgt auf freiwilliger Basis. Schneider: „Lehrkräfte sollen gemeinsam mit ihren Klassen flexibel entscheiden können, wann sie welche Inhalte der Medienerziehung in den Unterricht integrieren." Kultusstaatssekretär Dr. Marcel Huber betonte: „Der Medienführerschein darf kein punktueller Test sein. Denn die Medienwelt ändert sich rasant und stellt junge Menschen in den verschiedenen Stadien ihrer Entwicklung vor immer neue Herausforderungen. Deswegen muss er sich über die gesamte Schulzeit erstrecken und flexibel neue Entwicklungen abbilden." Im nächsten Jahr wird die Gesamtkonzeption „Medienführerschein Bayern" für die Erwachsenenbildung weiterentwickelt. Außerdem wird geprüft, ob der Medienführerschein Bayern auch in Tageseinrichtungen für Kinder im Vorschulalter eingeführt werden kann.

Der Medienführerschein Bayern ist nach den Worten Schneiders als „Portfolio" bzw. Sammelmappe mit Urkunden ausgestaltet, die den Schülerinnen und Schülern ihre persönliche Teilnahme an dem entsprechenden Unterrichtsangebot bestätigen. Schneider: „Die Kinder und Jugendlichen erwerben in einem Baukastensystem während ihrer Schulzeit zunehmende Kenntnisse und Fertigkeiten über die verschiedenen Teilbereiche der Medienkompetenz von technischen Fähigkeiten, wie der Anwendung von Suchstrategien, über eine kritische Auseinandersetzung mit Inhalten oder dem Umfang des eigenen Medienkonsums bis hin zu kreativem Vorgehen beispielsweise beim Erstellen einer Website. Ähnlich einem „Schutzimpfungsheft" wird die erworbene Kompetenz Schritt für Schritt dokumentiert. Ziel ist es, dass keine Schülerin und kein Schüler in Bayern die Schule ohne dokumentierte Medienkompetenz verlässt." Kultusstaatssekretär Huber: „Diese moderne Lernform ist die passende Antwort auf die Herausforderungen, die unsere Kinder in der Medienwelt erleben. Vor allem dadurch, dass wir das wohlwollende, aber kritische Nachdenken über Medien anregen, stärken wir die jungen Menschen." Für die jetzt startende Pilotphase des Medienführerscheins Bayern in den 3. und 4. Grundschulklassen stehen sechs Unterrichtseinheiten zur Verfügung mit den Themen

  • Zuhörfähigkeit entdecken und schulen,
  • Identifikationsfiguren im Fernsehen erkennen und hinterfragen,
  • Werbung im Fernsehen analysieren und bewerten,
  • Chatten im Internet,
  • Chancen und Risiken von Computerspielen sowie
  • einem eigenen Paket für den Printbereich.

Die Unterrichtseinheit für den Printbereich hat der Verband Bayerischer Zeitungsverleger in Zusammenarbeit mit dem Kultusministerium erarbeitet, die anderen Bausteine die Stiftung Medienpädagogik Bayern bei der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien gemeinsam mit dem Institut für Schulqualität und Bildungsforschung. Der Minister dankte auch allen weiteren kompetenten Partnern, die an der Konzeption des Medienführerscheins mitarbeiten und das Projekt tatkräftig unterstützen. Im Unterricht soll die Schülerkompetenz aktiv einbezogen werden, da junge Menschen Erwachsenen bei den technischen Fertigkeiten der Mediennutzung oft voraus sind. Außerdem sollen die Eltern der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler über Informationsmaterial und Elternabende gezielt mit eingebunden werden. Schneider: „Ich bin überzeugt, dass der Medienführerschein Bayern ein wichtiger Beitrag für ein Plus an Medienkompetenz ist."

Weiterführende Informationen finden Sie hier

Medienführerschein

Interne Links

Medienminister Schneider im Interview zum "Medienführerschein Bayern".

 

Zum Video

 
Link zu allen Einträgen für Suchmaschinen