Inhalt
Pressemitteilung
03.11.09
Zeil: "Schärfere Finanzmarktregulierung mit Augenmaß"
MÜNCHEN Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil eröffnet heute den 3. Bayerischen Finanzgipfel zum Thema Neuausrichtung der Regulierung Lehren aus der Finanzkrise. Hochrangige Vertreter der Finanzwirtschaft erörtern die Hintergründe und Auswirkungen der Regulierungsmaßnahmen zur Bekämpfung der Finanzkrise. Zeil: Die Regierungen der G20-Staaten und die Zentralbanken haben in einer beispiellosen Zusammenarbeit die internationalen Finanzmärkte vor einem Zusammenbruch gerettet. Dieser hätte zu unübersehbaren Folgen für das globale Finanzsystem, die Realmärkte und die Weltwirtschaft geführt.
Auf den Weltfinanzgipfeln in Washington, London und Pittsburgh wurde das Fundament für eine neue Weltfinanzordnung gelegt. Ein wichtiger Bestandteil der G20-Beschlüsse ist die Stärkung der internationalen Aufsichtsstrukturen für den Finanzsektor. Ebenso haben sich die Staaten darauf verständigt, Schwachstellen und Lücken in den geltenden Aufsichtsregularien zu bekämpfen. Wir brauchen schärfere Regulierungen, aber zielgerichtet und mit Augenmaß. Der Finanzstandort Bayern muss deshalb die Planungen und Beratungen zur Finanzmarktregulierung aufmerksam und intensiv begleiten. Der diesjährige Finanzgipfel bietet hierfür ein ideales Forum, so Wirtschaftsminister Zeil.
Bei aller Anerkennung der Vereinbarungen auf dem G20-Gipfel kritisiert Wolfgang Gerke vom Präsidium des Bayerischen Finanz Zentrums und Sprecher des Clusters Finanzdienstleistungen, dass die in Pittsburgh ver-tretenden Länder keine Regeln vorgeschlagen haben, nach denen in Zukunft die eigentlichen Verursacher der Finanzkrise, nämlich die Notenbanken und Haushaltspolitiker, ihre Fiskal- und Geldpolitik steuern. Außerdem bemängelt er, dass die Aufsichtsbehörden in Deutschland zwar hervorragend darauf vorbereitet waren, das Tagesgeschäft der Banken und Versicherungen zu prüfen, bei der Kontrolle von Großrisiken aus der Fristentransformation und aus dem internationalen Verbriefungsgeschäft aber versagt haben. Gerke: Die Bündelung der Aufsicht bei der Deutschen Bundesbank stellt nur eine aktivistische Scheinlösung dar. Viel wichtiger ist eine qualitative Aufrüstung der Aufsicht. Hierzu müssen ihre Mitarbeiter analog zu den Wirtschaftsprüfern einer speziellen Ausbildung und Prüfung unterzogen werden. Dies geht nicht ohne eine vergleichbare Honorierung.
Elmar Helten, ebenfalls vom Präsidium des Bayerischen Finanz Zentrums und Sprecher des Clusters Finanzdienstleistungen erklärt: Da Bank- und Versicherungsprodukte und -dienstleistungen zum großen Teil auf Zufallsmodellen basieren (Kasinokapitalismus), ist jede Einzelfallregelung von Massengesetzmäßigkeiten sehr kritisch zu beurteilen. Viele Kennzahlen von Wahrscheinlichkeitsverteilungen und Zufallsprozessen, wie zum Beispiel Standardabweichung, Value at Risk, Ruinwahrscheinlichkeit oder Korrelationskoeffizient, die als Regulierungsparameter benutzt werden, basieren auf Modellen, die oft nur ungenügend auf ihre empirische Relevanz getestet wurden und deshalb häufig fehl interpretiert werden.
Wirtschaftsminister Zeil erklärt abschließend: Die Vielzahl der kleinen und mittleren Institute in Deutschland ist in ihren angestammten Regionen tätig und sichert die Kreditversorgung der mittelständischen Unternehmen auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Es kann nicht sein, dass diese Institute den Preis zahlen für das Fehlverhalten einzelner global player. Pauschale Verschärfungen im Aufsichtsrecht lehne ich daher ab. Künftig müsse das Geschäftsmodell eines Instituts ein zentrales Beurteilungskriterium für die Entscheidung über Aufsichtsmaßnahmen sein.
Der Bayerische Finanzgipfel wird einmal jährlich vom Bayerischen Finanz Zentrum veranstaltet. Die Moderation erfolgt dieses Jahr durch die Präsidenten des Bayerischen Finanz Zentrums Prof. Dr. Wolfgang Gerke sowie Prof. Dr. Elmar Helten. Weitere Informationen zum 3. Bayerischen Finanzgipfel finden sich im Internet unter www.finanzgipfel.org .
- . -
Auf den Weltfinanzgipfeln in Washington, London und Pittsburgh wurde das Fundament für eine neue Weltfinanzordnung gelegt. Ein wichtiger Bestandteil der G20-Beschlüsse ist die Stärkung der internationalen Aufsichtsstrukturen für den Finanzsektor. Ebenso haben sich die Staaten darauf verständigt, Schwachstellen und Lücken in den geltenden Aufsichtsregularien zu bekämpfen. Wir brauchen schärfere Regulierungen, aber zielgerichtet und mit Augenmaß. Der Finanzstandort Bayern muss deshalb die Planungen und Beratungen zur Finanzmarktregulierung aufmerksam und intensiv begleiten. Der diesjährige Finanzgipfel bietet hierfür ein ideales Forum, so Wirtschaftsminister Zeil.
Bei aller Anerkennung der Vereinbarungen auf dem G20-Gipfel kritisiert Wolfgang Gerke vom Präsidium des Bayerischen Finanz Zentrums und Sprecher des Clusters Finanzdienstleistungen, dass die in Pittsburgh ver-tretenden Länder keine Regeln vorgeschlagen haben, nach denen in Zukunft die eigentlichen Verursacher der Finanzkrise, nämlich die Notenbanken und Haushaltspolitiker, ihre Fiskal- und Geldpolitik steuern. Außerdem bemängelt er, dass die Aufsichtsbehörden in Deutschland zwar hervorragend darauf vorbereitet waren, das Tagesgeschäft der Banken und Versicherungen zu prüfen, bei der Kontrolle von Großrisiken aus der Fristentransformation und aus dem internationalen Verbriefungsgeschäft aber versagt haben. Gerke: Die Bündelung der Aufsicht bei der Deutschen Bundesbank stellt nur eine aktivistische Scheinlösung dar. Viel wichtiger ist eine qualitative Aufrüstung der Aufsicht. Hierzu müssen ihre Mitarbeiter analog zu den Wirtschaftsprüfern einer speziellen Ausbildung und Prüfung unterzogen werden. Dies geht nicht ohne eine vergleichbare Honorierung.
Elmar Helten, ebenfalls vom Präsidium des Bayerischen Finanz Zentrums und Sprecher des Clusters Finanzdienstleistungen erklärt: Da Bank- und Versicherungsprodukte und -dienstleistungen zum großen Teil auf Zufallsmodellen basieren (Kasinokapitalismus), ist jede Einzelfallregelung von Massengesetzmäßigkeiten sehr kritisch zu beurteilen. Viele Kennzahlen von Wahrscheinlichkeitsverteilungen und Zufallsprozessen, wie zum Beispiel Standardabweichung, Value at Risk, Ruinwahrscheinlichkeit oder Korrelationskoeffizient, die als Regulierungsparameter benutzt werden, basieren auf Modellen, die oft nur ungenügend auf ihre empirische Relevanz getestet wurden und deshalb häufig fehl interpretiert werden.
Wirtschaftsminister Zeil erklärt abschließend: Die Vielzahl der kleinen und mittleren Institute in Deutschland ist in ihren angestammten Regionen tätig und sichert die Kreditversorgung der mittelständischen Unternehmen auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Es kann nicht sein, dass diese Institute den Preis zahlen für das Fehlverhalten einzelner global player. Pauschale Verschärfungen im Aufsichtsrecht lehne ich daher ab. Künftig müsse das Geschäftsmodell eines Instituts ein zentrales Beurteilungskriterium für die Entscheidung über Aufsichtsmaßnahmen sein.
Der Bayerische Finanzgipfel wird einmal jährlich vom Bayerischen Finanz Zentrum veranstaltet. Die Moderation erfolgt dieses Jahr durch die Präsidenten des Bayerischen Finanz Zentrums Prof. Dr. Wolfgang Gerke sowie Prof. Dr. Elmar Helten. Weitere Informationen zum 3. Bayerischen Finanzgipfel finden sich im Internet unter www.finanzgipfel.org .
- . -