Pressemitteilung

24.06.08

Bericht aus der Kabinettssitzung - Teil 1

1. Beckstein: „Kraftvolle Investitionen unterstreichen Bayerns Anspruch als Bildungsland Nummer 1 in der „Bildungsrepublik" Deutschland / Chancengerechtigkeit, Leistungsorientierung und individuelle Förderung sind Kerngedanken bayerischer Bildungspolitik / Kleinere Klassen, mehr Lehrer, verlässliche Ganztagsangebote, höhere Durchlässigkeit des Schulsystems und Ausbau der Begabtenförderung für bestmögliche Bildung unserer Kinder"

2. Kabinett beschließt Eckpunkte für flächendeckendes, bedarfsgerechtes und zukunftsorientiertes Ganztagsangebot für alle Schularten / Ministerpräsident Beckstein: „Unser Ziel ist eine Betreuung für Schulkinder von 7.00 bis 16.00 Uhr bzw. 17.00 Uhr von Montag bis Donnerstag und Freitag von 7.00 bis 13.00 Uhr"

3. Bayern entwickelt Hauptschule zu einer stark berufsorientierenden Schule weiter / Schneider: „Hauptschule hat Zukunft / Anteil der Schüler, die an Hauptschule mittleren Bildungsabschluss erwerben, soll schrittweise erhöht werden"

4. Bayern will Begabtenförderung an Schulen systematisch ausbauen / Kultusminister Schneider: „Wir wollen begabte Schüler früher erkennen und noch besser fördern"

5. Unterrichtsversorgung an bayerischen Schulen hat sich verbessert / Kultusminister Schneider: „Mehr Lehrer, mehr Unterricht - unsere Maßnahmen zur Sicherung des Unterrichts greifen" / Unterrichtsausfall an Volksschulen gegenüber Schuljahr 1999/2000 halbiert

 

1. Beckstein: „Kraftvolle Investitionen unterstreichen Bayerns Anspruch als Bildungsland Nummer 1 in der „Bildungsrepublik" Deutschland / Chancengerechtigkeit, Leistungsorientierung und individuelle Förderung sind Kerngedanken bayerischer Bildungspolitik / Kleinere Klassen, mehr Lehrer, verlässliche Ganztagsangebote, höhere Durchlässigkeit des Schulsystems und Ausbau der Begabtenförderung für bestmögliche Bildung unserer Kinder"

Mit einer Reihe von bildungspolitischen Entscheidungen hat der Ministerrat den Anspruch Bayerns als Bildungsland Nummer 1 unterstrichen. „Bayerns Schüler sind national Spitze und können international vorne mithalten. Das zeigen alle internationalen Vergleichstests. Bayerische Schüler haben dadurch bessere Chancen in Hochschulen, akademischer Laufbahn und qualifizierter Berufsausbildung. Für die Bayerische Staatsregierung hat die Bildungspolitik als die Wirtschafts- und Sozialpolitik des 21. Jahrhunderts Top-Priorität. Die zukunftsorientierte Weiterentwicklung eines modernen Bildungswesens ist eine Daueraufgabe, der sich Bayern seit langem erfolgreich stellt. Wir lassen uns unsere Schulen nicht schlecht reden", so Bayerns Ministerpräsident Dr. Günther Beckstein. Bei PISA beispielsweise ist Bayern in allen Kompetenzbereichen im nationalen Vergleich auf Platz 1, im internationalen Vergleich als einziges Land in allen Bereich im Spitzenfeld. Gleichzeitig belegt PISA, dass in Bayern der Kompetenzerwerb viel weniger an die soziale Herkunft gekoppelt ist als in anderen Ländern Deutschlands. Auch beim großen internationalen Lesetest IGLU liegen Bayerns Schüler vorne. In Bayern schaffen zudem deutlich mehr Schulabgänger, nämlich 59,1 Prozent, als im Bundesdurchschnitt mit 43,5 Prozent den Übergang in das duale Ausbildungssystem. „Mit kraftvollen Investitionen in Bildung, Forschung und Hochtechnologie stellen wir weitere Weichen, um den Vorsprung Bayerns für die nächsten zehn Jahre zu sichern und auszubauen. Investitionen in die Zukunft unserer Kinder legen das Fundament für Wohlstand und Standortsicherheit", bekräftigte Beckstein. Der Ministerpräsident machte deutlich, dass Bayern mit seinen Entscheidungen zur Bildungspolitik die Messlatte für den nationalen Bildungsgipfel im Herbst bewusst hoch lege: „Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel haben zu Recht auf die Bedeutung der Bildungspolitik hingewiesen. Wir brauchen überall in Deutschland höchstes Niveau bei der Bildung. Es ist im Interesse des Wettbewerbs Föderalismus, wenn sich auch die Bundesregierung kraftvoll finanziell engagiert." Beckstein sieht den Bund in den Bereichen massiv gefordert, in denen er nach der Föderalismusreform I eigene Kompetenzen hat: „Ich erwarte für den Bildungsgipfel im Herbst substantielles, insbesondere finanzielles Engagement des Bundes in den Bereichen Sprachförderung für Migranten, Übernahme der Kosten der Mittagsverpflegung an den Schulen für Bedürftige, Maßnahmen zur besseren Verzahnung von Schule und Beruf, Weiterbildung und bei Forschungsausgaben".

Leitgedanken bayerischer Bildungspolitik sind, so Beckstein, Chancengerechtigkeit, Leistungsorientierung und individuelle Förderung. Beckstein: „Jedes Kind hat Talent. Wir wollen unsere Kinder unabhängig von ihrer geographischen oder sozialen Herkunft nach ihren individuellen Möglichkeiten bestmöglich fördern. Wir stehen aber auch dazu, dass Schule fordern muss."

Dazu hat das Kabinett in der heutigen Sitzung folgende Beschlüsse gefasst:
Ganztagsschulen
- Bayern will ein flächendeckendes, bedarfsgerechtes Ganztagsschulangebot an allen Schularten aufbauen. Damit werden gleiche Chancen für alle Schüler - unabhängig vom Elternhaus - geschaffen.
- Gemeinsam mit den Kommunen wird eine Betreuung für Schulkinder von 7.00 bis 16.00 Uhr von Montag bis Donnerstag, bei entsprechender Nachfrage bis 17.00 Uhr, am Freitag von 7.00 bis 13.00 Uhr angestrebt.
- Ziel ist, die sogenannte „gebundene Ganztagsschule" für Grundschule, Hauptschule und Förderschule in allen Jahrgangsstufen, für Realschulen und Gymnasium in den Jahrgangsstufen 5 und 6 einzuführen; für höhere Jahrgangsstufen gibt es offene Ganztagsschulen. Der weitere Ausbau soll bei den Grundschulen mit dem Schuljahr 2009/2010, bei Realschulen und Gymnasien im Laufe der kommenden Legislaturperiode beginnen.
Hauptschule
Bayern wird auch weiterhin auf eine starke Hauptschule setzen und die bereits gestarteten Maßnahmen zur Reform der Hauptschule gezielt weiterentwickeln. Die Hauptschule ist die Schule für Handwerk, Technik und soziale Berufe. Sie hat Zukunft wie die Berufe, zu denen sie befähigt.
- Dazu dienen der flächendeckende Ausbau gebundener Ganztagsklassen, mehr individuelle Förderung, vertiefte Berufsvorbereitung, mehr Sozialkompetenzen und eine intensive Förderung in Deutsch, Mathematik und Englisch.
- Künftig sollen noch mehr Schüler als bisher an der Hauptschule den Mittleren Bildungsabschluss erwerben. Der Anteil von 20 Prozent soll schrittweise erhöht werden. Es gibt keine Sackgassen im bayerischen Bildungswesen. Der Weg zu höheren Bildungsabschlüssen bis zur Hochschulreife steht jedem offen. Schon heute werden weit über 40 Prozent der Hochschulzugangsberechtigungen in Bayern außerhalb des Gymnasiums erworben. In Zukunft führt auch der Meisterbrief zum Studium.
- Die Staatsregierung kümmert sich um Berufschancen für alle Hauptschüler. Hauptschulabsolventen, die keine Lehrstelle gefunden haben, werden in Kooperation mit der Wirtschaft weiter qualifiziert, damit sie einen Ausbildungsplatz finden oder einen weiterführenden schulischen Weg einschlagen.
Begabtenförderung
Die Förderung von besonders begabten Schülerinnen und Schülern wird verstärkt: Unter anderem werden besondere Begabungen an den Grundschulen gefördert und in jedem Regierungsbezirk ein Hochbegabtenzug an einem Gymnasium eingerichtet.

Die heutigen Kabinettsbeschlüsse schließen sich als integrative Bausteine einer Bildungsoffensive an folgende bereits beschlossene Maßnahmen der Bayerischen Staatsregierung an:

- Bildungsausgaben
Die Staatsregierung hat mit dem Doppelhaushalt 2007 / 2008 und dem Nachtragshaushalt 2008 2245 zusätzliche Lehrerstellen geschaffen und damit massiv in die Unterrichtsversorgung investiert. Zum Abbau des Abfinanzierungsstaus für Baumaßnahmen, Förderung der Jugendarbeit und des Sportstättenbaus stehen knapp 110 Millionen Euro zur Verfügung.
- Voraussetzung für begabungsgerechte Schulwahl verbessert
Ab dem kommenden Schuljahr erhalten alle Schüler in der vierten Klasse ein Übertrittszeugnis mit Schulempfehlung.
- Individuelle Förderung verbessert
An den Grundschulen wird ab kommendem Schuljahr die Mittagsbetreuung bis 16.00 Uhr verlängert, so dass dort künftig eine verbesserte Hausaufgabenbetreuung stattfinden wird.
- Durchlässigkeit des Schulsystems weiter ausgebaut durch
• Flächendeckende Einführung der Beruflichen Oberschule und der 13. Jahrgangsstufe der Fachoberschule ab dem Schuljahr 2008 / 2009.
• Sogenannte Brückenangebote zur Erleichterung des Übergangs in die Berufliche Oberschule.
• Alle Meister und ihnen gleich gestellte Absolventen erhalten fachspezifischen Fachhochschulzugang.
- Unterrichtsversorgung
Mit einer finanziellen Kraftanstrengung sollen die Klassengrößen verkleinert und damit die individuelle Förderung und die Unterrichtsqualität verbessert werden. Bis zum Ende der nächsten Legislaturperiode werden an weiterführenden Schulen nicht mehr als 30 und an Grundschulen nicht mehr als 25 Schülerinnen und Schüler in einer Klasse sein. Besondere Akzente werden gesetzt, wenn der Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund besonders hoch ist: Die Klassengrößen werden dort bei einem Migrantenanteil von 50 Prozent auf 25 Schüler begrenzt und bei einem Migrantenanteil von 25 Prozent auf 28 Schüler.
- Gymnasium 8
Die achtjährige Gymnasialzeit ist europäischer Standard. Die kritische Diskussion zum G 8 in Bayern und in anderen Ländern in Deutschland richtet sich nicht gegen das G 8 als solches. Eltern und Schüler haben die Übergangsphase als besonders belastend empfunden. Bayern hat nach den ersten Ergebnissen der Einführungsphase nachjustiert. Richtschnur war die hohe Qualität des Gymnasiums zu erhalten. Die Staatsregierung steht dazu: Schule muss fördern, aber auch fordern: Durch maßvolle Reduzierung der Stofffülle und geringfügige Reduzierung der Stundenzahlen werden ab dem kommenden Schuljahr Belastungsspitzen genommen. Schüler im Gymnasium sollen gefördert, aber nicht überfordert werden.
- Ausbau der Sprachförderung: Vorkurse
Ab dem zweiten Halbjahr des vorletzten Kindergartenjahres erhält jedes Kind, das noch nicht ausreichend deutsch spricht, eineinhalb Jahre Deutschförderung im Umfang von 240 Stunden.
- Jugendsozialarbeit
Das Ausbauziel von 350 Stellen für Jugendsoziarbeit an bis zu 500 Haupt-, Förder- und Berufschulen wird bereits 2009 erreicht sein.

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2. Kabinett beschließt Eckpunkte für flächendeckendes, bedarfsgerechtes und zukunftsorientiertes Ganztagsangebot für alle Schularten / Ministerpräsident Beckstein: „Unser Ziel ist eine Betreuung für Schulkinder von 7.00 bis 16.00 Uhr bzw. 17.00 Uhr von Montag bis Donnerstag und Freitag von 7.00 bis 13.00 Uhr"

Bayern baut die verlässliche Ganztagsbetreuung an den Schulen im Freistaat konsequent aus. Dazu beschloss das Kabinett in seiner heutigen Sitzung Eckpunkte für ein flächendeckendes, bedarfsgerechtes und zukunftsorientiertes Ganztagsangebot für alle Schularten. Ministerpräsident Dr. Günther Beckstein betonte: „Unser Ziel ist eine Betreuung für Schulkinder von 7.00 bis 16.00 Uhr von Montag bis Donnerstag, bei entsprechender Nachfrage bis 17.00 Uhr, am Freitag von 7.00 bis 13.00 Uhr. Damit verbessern wir gezielt die individuelle Förderung unserer jungen Menschen. Eine verlässliche Betreuung ist zugleich aber auch ein wichtiges Signal für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei den Eltern." Kultusminister Siegfried Schneider wies darauf hin, dass bei den Hauptschulen bereits zum Schuljahr 2007/2008 mit dem flächendeckenden Ausbau von gebundenen Ganztagsklassen begonnen wurde. Schneider: „Hier ist der Bedarf am höchsten. Es geht darum, die Hauptschülerinnen und Hauptschüler, unabhängig von der Förderung im Elternhaus, entsprechend zu begleiten und ihre Talente zur Entfaltung zu bringen." Zum kommenden Schuljahr 2008/2008 werden nach den Worten des Kultusministers bereits rund 340 Ganztagszüge bestehen. „Es ist unser Ziel, bis zum Schuljahr 2012/2013 ein flächendeckendes Angebot an rhythmisierten Ganztagsklassen an Hauptschulen zu realisieren. Wir gehen dabei von etwa 600 Standorten aus", so Minister Schneider.

Nach der neuen Konzeption der Staatsregierung soll der Ganztagsunterricht aber nicht allein den Hauptschulen vorbehalten bleiben, sondern auf die anderen Schularten ausgeweitet werden, wo derzeit bereits erfolgreiche Modellversuche laufen. Schneider: „Wir wollen ein bedarfsorientiertes, verlässliches schulisches Betreuungsangebot für Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre umsetzen." Ziel ist dabei die bedarfsgerechte Einrichtung von gebundenen Ganztagszügen neben den Hauptschulen auch an den Grund- und Förderschulen grundsätzlich in allen Jahrgangsstufen sowie für Realschulen und Gymnasien in den Jahrgangsstufen 5 und 6. Offene Ganztagsschulen sollen für höhere Jahrgangsstufen an Gymnasien, Realschulen und Wirtschaftsschulen eingerichtet werden. Der Kultusminister wies darauf hin, dass die Einrichtung von Ganztagsangeboten auf Antrag der Kommunen als Sachaufwandsträger erfolgt. Schneider: „Ein solches flächendeckendes, bedarfsgerechtes und zukunftsorientiertes Ganztagsangebot für alle Schularten muss deswegen in enger Zusammenarbeit mit den Kommunen auf den Weg gebracht werden. Die konkrete Vorbereitung und Umsetzung werden wir in Gesprächen mit den Kommunalen Spitzenverbänden zu Beginn der nächsten Legislaturperiode klären. Unser Ziel ist der weitere Ausbau bei den Grundschulen beginnend mit dem Schuljahr 2009/2010, bei Realschulen und Gymnasien im Laufe der kommenden Legislaturperiode."

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3. Bayern entwickelt Hauptschule zu einer stark berufsorientierenden Schule weiter / Schneider: „Hauptschule hat Zukunft / Anteil der Schüler, die an Hauptschule mittleren Bildungsabschluss erwerben, soll schrittweise erhöht werden"

Bayern entwickelt die Hauptschule zu einer stark berufsorientierenden Schule weiter, die die bayerischen Hauptschülerinnen und Hauptschüler künftig noch besser fit macht für Beruf und Gesellschaft. In seiner heutigen Sitzung beschloss das Kabinett, die in der Hauptschulinitiative gestarteten Maßnahmen zur Reform der Hauptschule gezielt weiterzuentwickeln. Kultusminister Schneider kündigte an, dass künftig noch mehr Schülerinnen und Schüler als bisher an der Hauptschule den Mittleren Bildungsabschluss erwerben sollen. Schneider: „Derzeit sind es rund 20 Prozent. Diesen Anteil wollen wir schrittweise erhöhen. In Bayern gilt: Hauptschule hat Zukunft. Sie ist die Schule für Handwerk, Technik und soziale Berufe." Nach dem jüngsten Bildungsbericht erbringen die bayerischen Hauptschüler hohe Leistungen und rangieren bundesweit an der Spitze. Zu den Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Hauptschule gehören der flächendeckende Ausbau gebundener Ganztagsklassen, mehr individuelle Förderung, vertiefte Berufsvorbereitung, mehr Sozialkompetenzen und intensive Förderung in Deutsch, Mathematik und Englisch. Folgende Schwerpunkte hob der Kultusminister hervor:

- Kein Abschluss ohne Anschluss
In Bayern bietet jeder Abschluss Chancen zum Aufstieg. Schneider: „Es gibt keine Sackgassen im bayerischen Bildungswesen. Die individuelle Förderung der jungen Menschen an den Hauptschulen bauen wir weiter aus, unter anderem mit folgenden Instrumenten: Die Kernkompetenzen in Deutsch, Mathematik und Englisch der Schülerinnen und Schüler werden gezielt gestärkt. Die Lehrkräfte arbeiten ferner mit den jungen Leuten daran, das Arbeits- und Sozialverhalten zu stärken. Dazu wie auch zur Stärkung der Kernkompetenzen dient ab dem Schuljahr 2008/2009 die zusätzliche 30. Stunde in der 5. Klasse.
- Schule nah am Beruf
Bayern kümmert sich um Berufschancen für alle Hauptschüler. Hauptschulabsolventen, die keine Lehrstelle gefunden haben, werden in Kooperation mit der Wirtschaft weiterqualifiziert, damit sie einen Ausbildungsplatz finden, oder einen weiterführenden schulischen Weg einschlagen. Als Instrumente, um die Hauptschule als „Schule nahe am Beruf" zu etablieren, nannte Schneider:
• Die berufsorientierenden Bereiche Technik, Wirtschaft und Soziales werden ab der Jahrgangsstufe 7 gestärkt.
• Die Hauptschulen arbeiten in der vertieften Berufsorientierung künftig verstärkt mit den Agenturen für Arbeit zusammen.
• Der Praxisanteil des Unterrichts wird ausgeweitet. Dies geschieht vor allem, indem die Hauptschulen mit externen Partnern kooperieren, z.B. Meister an die Schulen, Praxistage und -wochen, Betriebserkundungen usw.
• Die arbeitspraktischen Fächer werden stärker mit Deutsch und Mathematik vernetzt.
• Berufsschullehrkräfte werden an Hauptschulen für die Berufsorientierung eingesetzt.
• Hauptschüler nehmen an Berufsschulschnuppertagen teil.
• Die Hauptschüler erhalten künftig einen Nachweis über „eigene Stärken", die über die Leistungen in einzelnen Fächern hinausreichen.

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4. Bayern will Begabtenförderung an Schulen systematisch ausbauen / Kultusminister Schneider: „Wir wollen begabte Schüler früher erkennen und noch besser fördern"

Bayern will die Begabtenförderung an den Schulen des Freistaates beginnend mit dem Schuljahr 2009/2010 systematisch ausbauen. „Bildungsgerechtigkeit heißt alle Talente zu fördern. Ein Bildungssystem ist nur dann gerecht, wenn es hochbegabte Kinder und Jugendliche genauso intensiv und zielgerichtet fördert wie leistungsschwache", unterstrich Kultusminister Siegfried Schneider im Kabinett. Handlungsfelder einer systematischen Begabtenförderung sind nach den Angaben Schneiders:
• Verbesserung der Diagnosefähigkeit von besonderen Begabungen und Hochbegabung bei den Lehrern
Frühzeitig zu erkennen, ob Buben oder Mädchen besonders begabt sind, ist Schneider zufolge besonders wichtig. „Ziel unserer Fortbildungsinitiative ‚Besondere Begabungen an bayerischen Grundschulen finden und fördern' ist es, dass in der unmittelbaren Umgebung jeder bayerischen Grundschule eine Lehrkraft Kinder mit besonderen Begabungen findet und fördert", so der Kultusminister. Diese Lehrkräfte fungieren darüber hinaus als Ansprechpartner für Eltern, Lehrkräfte und Schulleitung.
• Ausbau des Beratungsangebots für Eltern, Schüler und Lehrkräfte
Neben der Beratungslehrkraft oder dem Klassleiter stehen den Eltern hochbegabter Kinder auch Schulpsychologen zur Seite. Spezialisiert darauf sind außerdem die begabungspsychologischen Beratungsstellen an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und an der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg. „Es ist wichtig, dass wir genügend Personal an den begabungspsychologischen Beratungsstellen haben. Umso früher ein Kinder entsprechend seiner Begabung gefördert werden kann, umso besser", betonte Schneider.
• Ausweitung und Verbesserung der schulischen und außerschulischen Fördermaßnahmen für besonders begabte Schülerinnen und Schüler
Für die spezielle Förderung besonders begabter Schülerinnen und Schüler können Buben und Mädchen eine Jahrgangstufe überspringen, ein Frühstudium an sechs Universitäten in Bayern beginnen oder über den Unterricht hinausgehende Bildungsangebote besuchen. Derzeit gibt es an vier Gymnasien in Bayern Förderklassen für Hochbegabte, nämlich am Maria-Theresia-Gymnasium in München, am Deutschhaus-Gymnasium in Würzburg, am Otto-von-Taube-Gymnasium in Gauting sowie am Dürer-Gymnasium in Nürnberg.
„Hier müssen wir noch besser werden. Für die Zukunft ist es wichtig, dass Schülerinnen und Schüler aus allen Bezirken, also auch in Oberfranken, in der Oberpfalz, in Niederbayern und in Schwaben die Möglichkeit haben, eine Förderklasse zu besuchen" forderte Kultusminister Siegfried Schneider.
Im Bereich der Realschulen wurde im Schuljahr 2007/2008 an der Städtischen Realschule Rosenheim das Modellprojekt „Talentklasse" gestartet. Die Schülerinnen und Schüler überspringen nach der 6. Jahrgangsstufe die Jahrgangsstufe 7 und bilden eine eigene Talentklasse mit einer eigenen Stundentafel. Eine weitere Talentklasse soll in Nürnberg eingerichtet werden.
• Wissenschaftliche Begleitung und Evaluierung der Maßnahmen der Begabtenförderung
Zur Bewertung der bestehenden Maßnahmen wird eine Evaluierung der vier bayerischen Hochbegabtenklassen gemeinsam mit vier baden-württembergischen Hochbegabtenklassen von der Universität Würzburg vorgenommen.

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5. Unterrichtsversorgung an bayerischen Schulen hat sich verbessert / Kultusminister Schneider: „Mehr Lehrer, mehr Unterricht - unsere Maßnahmen zur Sicherung des Unterrichts greifen" / Unterrichtsausfall an Volksschulen gegenüber Schuljahr 1999/2000 halbiert

Eine positive Bilanz zur Unterrichtsversorgung an Bayerns Schulen zog Kultusminister Siegfried Schneider in der heutigen Sitzung des Kabinetts. Schneider: „Es fallen deutlich weniger Stunden aus als in den vergangenen Jahren. Unsere vielfältigen Maßnahmen zur Sicherung des Unterrichts an den Schulen greifen. Dies ist auch ein Erfolg unserer Strategie „Mehr Lehrer, mehr Unterricht". Grundlage sind die Ergebnisse einer Erhebung, die das Kultusministerium über einen Zeitraum von zwei Wochen im Frühjahr 2008 an 490 staatlichen Schulen durchgeführt hat. „Gegenüber dem Schuljahr 1999/2000 ist es uns gelungen, den Unterrichtsausfall an den Volksschulen zu halbieren, nämlich von 2,3 Prozent auf nun 1 Prozent", betonte Minister Schneider. An den Realschulen gestaltet sich die Entwicklung Schneider zufolge sogar noch positiver: Entfielen dort im Schuljahr 1999/2000 noch 3,6 Prozent des Unterrichts ersatzlos, so beläuft sich dieser Anteil im laufenden Schuljahr auf nur noch gut ein Drittel, nämlich auf 1,3 Prozent. An den Volksschulen zur sonderpädagogischen Förderung konnte der Anteil der ersatzlos entfallenen Stunden um rund ein Drittel gesenkt werden. Auch an den Gymnasien sei eine leichte Reduzierung gelungen.

Mit Hilfe folgender Maßnahmen konnte laut Schneider eine Verbesserung bei der Unterrichtsversorgung gemeinsam mit den Schulen erreicht werden:
• Das Vierstufenmodell der mobilen Reserven an den Volksschulen ermöglicht den Einsatz von insgesamt 2.180 ausgebildeten Lehrkräften passgenau zu den Zeitpunkten, in denen die Krankheitsrate aufgrund der Jahreszeit erfahrungsgemäß besonders hoch ist. Mit Schuljahresbeginn 2008/2009 stehen 1.900 von diesen mobilen Reserven das ganze Jahr über zur Verfügung, 150 folgen ab November 2008, weitere 80 im Januar 2009 und weitere 50 bis Mitte Februar 2009.
• Die Schulen haben Pools mit Vertretungskräften aufgebaut, die die Schulleiter dann einsetzen, wenn aufgrund von Erkrankungen dazu Bedarf ist. Der Freistaat hat den Schulen entsprechende Mittel - pro Gymnasium im Durchschnitt etwa 10.000 Euro - zur Verfügung gestellt.
• Ein Pilotprojekt im Regierungsbezirk Unterfranken ermöglichte es, dass Schulleiter von Realschulen, Gymnasien und beruflichen Schulen auf Personaldienstleister zugehen konnten, um Vertretungskräfte zu gewinnen. Eine erste Evaluation im Mai 2008 ergab, dass die Schulleiter, die von dem Angebot Gebrauch gemacht hatten, mit der Arbeit der so gewonnenen Mitarbeiter durchweg zufrieden waren. Im kommenden Schuljahr werde das Projekt fortgesetzt und auch auf Mittelfranken ausgedehnt, betonte Minister Schneider.

Minister Schneider: „Mit Hilfe der 2.245 zusätzlichen Stellen, die der Freistaat im kommenden Schuljahr an allen Schularten bereit stellt, werden wir die Unterrichtsversorgung weiter verbessern und die Höchstzahl von Schülerinnen und Schülern pro Klasse absenken können." Ziel der Staatsregierung ist es, die Klassenhöchstgrenze an Grundschulen schrittweise bis 2013 auf 25, an weiterführenden Schulen auf 30 abzusenken.

Zahlen zur Erhebung im Frühjahr 2008:
An den Volksschulen fiel 1 Prozent der Unterrichtsstunden ersatzlos aus, an den Realschulen 1,3 Prozent, an den Volksschulen zur sonderpädagogischen Förderung 1,6 Prozent, an den Gymnasien (bis zur 10. Klasse) 3 Prozent, an der FOS 2,1 Prozent, an der BOS 2,7 Prozent, an Wirtschaftsschulen und Berufsschulen je 2,1 Prozent und an Berufsfachschulen 2,4 Prozent. In die Erhebung zur Unterrichtssituation im Frühjahr 2008 waren einbezogen: 204 Volksschulen, 23 Volksschulen zur sonderpädagogischen Förderung, 65 Realschulen, 74 Gymnasien, 23 Fachoberschulen, 22 Berufsoberschulen, 6 Wirtschaftsschulen, 28 Berufsschulen und 45 Berufsfachschulen.

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