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Rede
Rede des Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Günther Beckstein anlässlich der Eröffnung der bayerischen Landesgartenschau 2008 in Neu-Ulm am 25. April 2008 in Neu-Ulm
Datum der Rede: 25.04.08 Rednerin/Redner: Dr. Günther BecksteinManuskriptfassung: Es gilt das gesprochene Wort.
Ich bin heute sehr gerne nach Neu-Ulm gekommen, um als Schirmherr die 14. bayerische Landesgartenschau zu eröffnen. Der Zeitpunkt für die Eröffnung hätte kaum besser gewählt werden können. In den vergangenen Tagen und Wochen ist die Natur aus ihrem Winterschlaf erwacht. Es grünt und sprießt, wo man hinsieht. Damit hat sich die alte Bauernweisheit bestätigt, in der es heißt: „Frühlingsregen bringt Segen".
Ein segensreiches Vorzeichen ist es gewiss auch, dass die bayerische Landesgartenschau 2008 zu ihren Ursprüngen zurückgekehrt ist. 1980, vor 28 Jahren, fand hier in Neu-Ulm/Ulm die erste Landesgartenschau in Bayern statt. Damals hat eine großartige Erfolgsgeschichte begonnen. Die bayerischen Gartenschauen haben sich zu wahren Publikumsmagneten entwickelt. Rund 17 Millionen Besucher haben seither die Landesgartenschauen und die regionalen Gartenschauen besucht. Auch hier in Neu-Ulm werden knapp eine Million Besucherinnen und Besucher in den kommenden 164 Gartenschautagen erwartet.
Eine Landesgartenschau auszurichten mit Gesamtkosten in Höhe von 11 Millionen Euro ist ein Kraftakt, der nur von vielen starken Partnern gemeinsam gestemmt werden kann. Die Bayerische Staatsregierung hat mit rund 3,7 Millionen Euro rund ein Drittel dieser Kosten übernommen. Neben dem Umwelt- und dem Landwirtschaftsministerium hat gerade auch meine Kabinettskollegin, Frau Staatsministerin Merk, die Neu-Ulm wie kaum eine andere kennt, dieses Projekt kräftig mit angeschoben.
Darüber hinaus war ein hohes finanzielles Eigenengagement der Stadt erforderlich. Herzlichen Dank, Herr Oberbürgermeister, Ihnen und Ihrem Stadtrat für diese großartige und vorausschauende Zukunftsinvestition. Neu-Ulm bietet mit der bayerischen Landesgartenschau 2008 seinen Bürgerinnen und Bürgern und allen Besuchern einen bunten Strauß an Freizeitangeboten. Aber auch die baulichen Maßnahmen und Entwicklungen, die hier angestoßen wurden, machen Neu-Ulm dauerhaft bunter und attraktiver.
Mein Dank gilt auch allen Sponsoren, die dieses bunte Sommerfestival möglich gemacht und die Veranstalter der Landesgartenschau mit großem Engagement unterstützt haben.
Besonderer Dank gebührt aber vor allem den Gartenkünstlern, die hier Monate lang am Werk waren. Rund 160.000 Frühjahrs- und Sommerblumen sowie 23.000 Stauden wurden gepflanzt, damit das Motto der Landesgartenschau „Ganz schön Blume!" Wirklichkeit wurde.
Vincent van Gogh hat einmal gesagt:
„Wenn Blumen, gleichgültig welcher Farben und Formen, zusammenstehen, kann niemals ein Bild der Disharmonie entstehen".
Auch wenn er damit sicher recht hat, weiß ich doch angesichts meiner eigenen, eher bescheidenen Erfahrungen als Hobbygärtner, wie viel Planung, Kreativität und fachliches Können erforderlich sind, um einen Blütentraum wie diesen zu realisieren. Daher herzlichen Dank und meine Hochachtung für dieses wunderschöne, bunte und blühende Gesamtkunstwerk!
Im Vergleich zu anderen Gartenschauen beschreitet die Landesgartenschau 2008 neue Wege. Das 30 Hektar große Ausstellungsgelände ist nicht ein einziges Areal, sondern erstreckt sich über drei große Bereiche, die über „grüne Brücken" miteinander verbunden sind. Gartenschau und Stadt werden eins und tragen damit der Idee Rechnung, dass es hier nicht nur um ein temporäres Fest geht, sondern um eine dauerhafte und nachhaltige Veränderung des Stadtbildes und eine Verbesserung der Lebensqualität.
Erster Bereich - „Wiley-Gelände" - Gartenpracht und Sportkultur
Man kann sich kaum vorstellen, dass Anfang der 90er Jahre dort noch US-Kasernen standen, wo heute das Tor zur Gartenschau ist. Dieser Bereich ist eine gelungene Kombination aus Gartenschau und Sportkultur geworden und umreißt damit auch die Bedürfnisse, die Menschen mit einem Garten verbinden:
- Muße und Erholung in einem farbenprächtigen Blumenmeer,
- aber auch den Drang nach Bewegung, nach frischer Luft und sportlicher Betätigung in der Natur.
Dass die Gartengestalter auch das Miteinander der Generationen zum Thema gemacht haben, freut mich besonders. Heute sind im Garten spielende Kinder leider immer häufiger Anlässe für Nachbarschaftsklagen. Es ist schon ein Armutszeugnis für eine Gesellschaft, wenn Kinderlachen zum Klagegrund wird. Umso notwendiger ist es, Begegnungsräume für Alt und Jung zu schaffen, damit es auch in Zukunft ein Miteinander der Generationen gibt. Dieses Miteinander, der Zusammenhalt in der Gesellschaft, ist mir ein wichtiges Anliegen, auf das ich bereits in meiner Regierungserklärung besonders hingewiesen habe. Dieses Miteinander müssen wir alle gemeinsam gestalten und fördern.
Zweiter Bereich - „Vorfeld" - Leistungsschau der Gärtner
Im „Vorfeld", dem zweiten Bereich der Landesgartenschau, bekommen die Besucher einen Einblick, was unser heimisches Gärtnerhandwerk an Vielfalt und Innovationen, aber auch an Tipps und Tricks zu bieten hat. Ich bin beeindruckt, welche Farben- und Artenvielfalt hier zu bewundern ist. Hobbygärtner kommen ebenso auf ihre Kosten wie interessierte Fachleute.
Eine Landesgartenschau ist die ideale Leistungsschau der heimischen Gärtnerinnen und Gärtner. Sie zeigt eindrucksvoll, was das Gärtnerhandwerk gemeinsam mit dem Garten- und Landschaftsbau zu bieten hat. Umfangreiche Sortimente, hohe Qualität, marktnahe Erzeugung und umweltschonende Produktion sind die Markenzeichen der bayerischen Gartenbaubetriebe. Der Produktionsgartenbau und der Garten- und Landschaftsbau in Bayern erwirtschaften zusammen rund 2,4 Milliarden Euro. Damit ist der Gartenbau innerhalb der Landwirtschaft ein wichtiger Produktionszweig.
Vorbildfunktion des Gartenbaus bei der Ausbildung junger Menschen
Im Bereich der Ausbildung übernimmt er sogar Vorbildfunktion. Der Gartenbau hat den höchsten Anteil an Auszubildenden innerhalb der landwirtschaftlichen Berufe und eröffnet vor allem Jugendlichen im ländlichen Raum attraktive berufliche Zukunftsperspektiven. Für diese Ausbildungsleistung danke ich herzlich. Wie alle wissen: Eine gute Ausbildung ist das Beste, was wir unseren Kindern und Jugendlichen mitgeben können.
Die Landesgartenschau 2008 wird vom 30. Mai bis 5. Juni eine Ausbildungswoche mit dem Titel „Gärtner und Floristen - der grüne Beruf" durchführen. Alle Fachsparten des Gartenbaus in Bayern präsentieren in dieser Zeit ihr Berufsbild. Das ist eine gute Möglichkeit, noch mehr junge Menschen für grüne Berufe zu interessieren.
Gartenbau ist ein Beruf mit Zukunft. Immer mehr Menschen suchen in ihrer Freizeit den Ausgleich in der Natur, im Park oder im eigenen Garten - Tendenz steigend. Umfragen zufolge verbringt fast die Hälfte aller Bürgerinnen und Bürger ihre freie Zeit gerne „im eigenen Grün". Ruhe, Erholung und Entspannung werden als die wichtigsten Werte angegeben, die Menschen dort finden. Darüber hinaus ist jeder sechste Bayer ein begeisterter „Gartler". Allein im Freistaat gibt es über zwei Millionen Gartenbesitzer, die zusammen rund 130.000 Hektar bewirtschaften.
Gärten sind aber auch Lehr- und Lernorte in Sachen Natur. Wo sollen Kinder und Jugendliche, die in Städten aufwachsen, etwas über Blumen, Käfer und Vögel lernen, wenn nicht im eigenen Garten oder im städtischen Park? Gärten und Grünanlagen stellen einen hautnahen, greifbaren Bezug zur Umwelt her und eignen sich deshalb gut zur Umweltbildung von Kindesbeinen an.
Die Bedeutung des Gartens als grünes Klassenzimmer wird auf der Landesgartenschau im Rahmen der Aktion „Schule im Grünen" deutlich. Durch spannende Einblicke und Erlebnisse lernen Kinder und Jugendliche die biologische Vielfalt und den Artenreichtum vor der eigenen Haustüre kennen. Damit wird schon früh der Blick geschult für die Schönheit unserer Umwelt. Das ist Natur- und Umweltschutz im besten Sinn. Nur was wir kennen und schätzen, das schützen wir auch.
Dritter Bereich - „Glacis" - Leben und Wohnen im 21. Jahrhundert
Die Landesgartenschauen in Bayern tragen nicht zuletzt auch nachhaltig zur Verschönerung unserer Städte und Gemeinden und zur Verbesserung der Lebensqualität bei. Das wird im dritten Bereich der Landesgartenschau deutlich. Hier wird zum Teil auf recht futuristische Weise der Frage nachgegangen, wie Wohnungen, Häuser und Gärten im 21. Jahrhundert aussehen werden und welche Herausforderungen künftig im Städtebau gemeistert werden müssen. Die Besucherinnen und Besucher werden auf eine Zeitreise in die Zukunft mitgenommen. Anhand vieler Beispiele wird hier gezeigt, wie das Leben und Wohnen einer sich wandelnden Gesellschaft aussehen kann.
Auch der Ausstellungsbeitrag des Umweltministeriums, der „Geothermische Garten" als klimafreundliche Zukunftsperspektive ist hier platziert. Gerade die oberflächennahe Erdwärme ist unter allen erneuerbaren Energiequellen noch zu wenig bekannt. Doch die Technik ist seit einigen Jahren ausgereift und auch für den privaten Hausbesitzer oder die Kommune eine wirtschaftlich interessante Möglichkeit zum Heizen, Kühlen und Klimatisieren. Besonderes Highlight ist eine eigens für die Gartenschau installierte Grundwasser-Wärmepumpenanlage im Echtbetrieb.
Hier in Neu-Ulm wurde etwas geschaffen, was weit über die Landesgartenschau hinaus für die kommenden Jahre und Jahrzehnte Bestand haben wird. Das ist nachhaltige, zukunftsweisende Gestaltung von Heimat. Heimat aktiv zu gestalten und Heimat zu bewahren - das ist seit 28 Jahren ein wichtiges Anliegen unserer Landesgartenschauen. Wir wollen die gesunde, einmalig schöne Natur und die Identität Bayerns auch im Zeitalter globaler Veränderungen erhalten und mit Augenmaß weiterentwickeln. Auch in Zukunft soll gelten: Bayern ist nicht nur ein dynamischer, innovativer Wirtschaftsstandort, sondern lebens- und liebenswerte Heimat. Das ist auch die Botschaft der Landesgartenschau in Neu-Ulm.
Und die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt identifizieren sich damit. Mehr als 9.200 Dauerkarten wurden bereits verkauft. Das zeigt ganz deutlich: Die Menschen, die hier leben, tragen die Idee der Landesgartenschau mit. Sie nutzen das große Freizeitangebot und freuen sich über den Mehrwert an Lebensqualität, den die neuen, grünen Oasen für Neu-Ulm bringen.
In der Presse stand im Vorfeld zu lesen: „Neu-Ulm will künftig sein Mauerblümchen-Image ablegen". Ich bin zwar der Meinung, dass Neu-Ulm noch nie Grund hatte, sich als Mauerblümchen zu fühlen. Aber mit dieser farbenprächtigen Blumenschau kann davon erst Recht keine Rede sein. Neu-Ulm hat allen Grund, stolz darauf zu sein, was hier entstanden ist.
Ich wünsche der großartig angelegten Landesgartenschau gutes Wetter, strahlende Sonne und zahlreiche Besucherinnen und Besucher aus Nah und Fern!
Hiermit erkläre ich die Landesgartenschau 2008 in Neu-Ulm für eröffnet!