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Rede
Rede des Leiters der Bayerischen Staatskanzlei, Staatsminister Eberhard Sinner, anlässlich der Jubiläumsveranstaltung „20 Jahre Psychosoziale Beratungsstelle für HIV-Infizierte und AIDS-Kranke; AIDS-Zentrum Unterfranken“ in Würzburg
Datum der Rede: 01.12.07 Rednerin/Redner: Staatsminister Eberhard Sinner
Manuskriptfassung: Es gilt das gesprochene Wort
Ich danke Ihnen für Ihre Einladung zur heutigen Jubiläumsveranstaltung und gratuliere Ihnen zum 20-jährigen Bestehen Ihrer Beratungsstelle. Das AIDS-Zentrum Unterfranken ist neben den AIDS-Beratungsstellen in Ober- und Niederbayern eine von dreien in Trägerschaft der katholischen Kirche in Bayern.
Zur Gründungszeit der AIDS-Beratungsstelle wurden HIV und AIDS in der Öffentlichkeit als Schreckgespenster wahrgenommen, die vor allem Homosexuelle und Drogenabhängige bedrohte. Diese Zeit war geprägt von Unkenntnis, Vorurteilen und Ausgrenzung von Menschen mit einer HIV-Infektion. Die Lebenserwartung HIV-Infizierter war mangels wirksamer Medikamente kurz. Die Diagnose einer HIV-Infektion kam einem Todesurteil gleich.
Ich danke den Trägern der Freien Wohlfahrtspflege dafür, dass sie in dieser schwierigen Situation zusammen mit der Bayerischen Staatsregierung ein Betreuungsnetzwerk geknüpft haben. So konnte das bundesweit einmalige Netz unserer elf psychosozialen AIDS-Beratungsstellen aufgebaut, die Ausbreitung des HIV-Virus eingedämmt und das Ausmaß seiner Bedrohung relativiert werden. Das bayerische Modell hat sich zu einem echten Erfolg in puncto Vernetzung, Zusammenarbeit und Erfahrungsaustausch entwickelt.
Auch den Caritasverbänden danke ich besonders für ihr Engagement. Ihre Aufklärungsarbeit über HIV/AIDS hat von Anfang an maßgeblich dazu beigetragen, die Bevölkerung rasch zu sensibilisieren. Und die Beratung und Betreuung Betroffener und ihrer Angehöriger sind unschätzbare Beweise für gelebte Solidarität und Nächstenliebe. Dafür ein herzliches Vergelt's Gott!
Sehr geehrter Herr Spall, ich bin sehr froh über die gute Zusammenarbeit des AIDS-Zentrums Unterfranken mit der Bayerischen Staatsregierung bei der Bekämpfung von AIDS in Afrika. Im Rahmen unserer bilateralen Kontakte mit Westkap spielt die Bekämpfung von AIDS und die Hilfe für Aidskranke eine zentrale Rolle. Die Bekämpfung von Aids ist zuallererst eine humanitäre Frage, aber auch eine ganz zentrale Frage für die zukünftige Entwicklung des Kontinents. Ich bin sehr froh, dass Sie, Herr Spall, die Aktivitäten der HIV/AIDS-Arbeitsgruppe Bayern-Westkap so engagiert unterstützen. Dafür danke ich Ihnen im Namen der Bayerischen Staatsregierung, aber auch persönlich sehr herzlich!
Der Kampf gegen AIDS gehört zu den großen internationalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Doch auch, wenn es vor allem in den ärmsten Regionen dieser Welt Besorgnis erregende Infektionsraten gibt: HIV und AIDS bedrohen auch uns in Europa stärker, als viele Menschen sich bewusst machen. Sicher: In den letzten Jahren haben sich die Behandlungsmöglichkeiten sehr verbessert. Die Lebenserwartung Betroffener ist deutlich angestiegen - zwischen 1991 und 2005 um acht auf 48 Jahre. Doch hat diese sehr positive Entwicklung leider zu einer gefährlichen Risikounterschätzung in der Bevölkerung beigetragen. Seit 2001 steigt die Rate der Neuinfektionen in Deutschland und Bayern an.
Das zeigt: Eine nachhaltige Präventionsarbeit ist und bleibt unverzichtbar! Prävention gehört deshalb zum Kern der bayerischen AIDS-Politik, die auf drei Säulen ruht:
- Die Gesundheitsämter sind die zentralen und ersten Anlaufstellen. Sie klären auf über riskantes Verhalten und Schutzmaßnahmen und bieten anonyme und kostenfreie HIV-Antikörperteste an.
- Die elf psychosozialen Beratungsstellen in sämtlichen Regierungsbezirken dienen als überregionale Fachstellen für die HIV-Prävention und sie beraten und begleiten Betroffene.
- Die dritte wesentliche Säule ist die staatliche Förderung von Selbsthilfegruppen, wie zum Beispiel den AIDS-Hilfen.
Erst gestern hat die Bayerische Staatsregierung ihre aktualisierte Aufklärungskampagne "Hand in Hand. Gegen AIDS." vorgestellt. Wir hoffen, damit an den Erfolg des Vorgängerprojekts anknüpfen zu können.
Die Präventionsarbeit richtet sich vorrangig an besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen. Vor allem bei homo- und bisexuellen Männern ist die Zahl der HIV-Infektionen im vergangenen Jahr auch in Bayern überproportional angestiegen. Auch den Jugendlichen gilt unsere Aufmerksamkeit ganz besonders. Der Informationsstand der 16- bis 20-Jährigen ist zwar gut. Die Wahrnehmung von AIDS als gefährlicher Krankheit ist jedoch drastisch zurückgegangen. Nur noch 43% der Jugendlichen halten AIDS für besonders gefährlich. Vor zwanzig Jahren waren es noch doppelt so viele!
Ich bin deshalb der unterfränkischen Beratungsstelle hier in Würzburg sehr dankbar für Ihr bayernweit einmaliges Aufklärungs-Projekt an unseren Schulen! Ihre kompetenten Beraterinnen und Berater leisten einen wertvollen Beitrag zur Gesundheit der nächsten Generation!
Der Freistaat Bayern leistet für sein umfassendes Aufklärungskonzept deutschlandweit mit den höchsten Beitrag. Für dieses Jahr stehen Haushaltsmittel in Höhe von ca. 4,4 Millionen Euro zur Verfügung.
Neben der Präventionsarbeit ist es ein weiteres, entscheidendes Ziel der Bayerischen AIDS-Politik, HIV-Infizierte und AIDS-Kranke nicht im Stich zu lassen. Die betroffenen Mitbürgerinnen und Mitbürger sollen sich in unserer Gesellschaft sicher fühlen können und keine Ausgrenzung und Stigmatisierung befürchten müssen. Ein vorurteilsfreies soziales Klima selbst ist bereits eine ganz entscheidende Voraussetzung für eine erfolgreiche Prävention.
Das Problem HIV/AIDS braucht auch künftig unsere Aufmerksamkeit. Daran soll uns nicht zuletzt der heutige Welt-Aids-Tag erinnern. Ich bin davon überzeugt, dass wir mit unserer gemeinsamen Erfahrung auch in Zukunft weiterhin eine so erfolgreiche AIDS-Arbeit Hand in Hand im Interesse unserer bayerischen Mitbürgerinnen und -bürger leisten werden.
Der heutigen Jubiläumsveranstaltung wünsche ich einen guten Verlauf.