Rede

Rede des Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Günther Beckstein bei der Einweihung der Tucher Traditionsbrauerei am 24. September 2008 in Nürnberg / Fürth

Datum der Rede: 24.09.08 Rednerin/Redner: Dr. Günther Beckstein

Manuskriptfassung: Es gilt das gesprochene Wort.

- Anrede -

Wir alle sind zu Gast bei einem urfränkischen Unternehmen mit einer der längsten Brautraditionen in ganz Nordbayern. Es gibt einen schönen Anlass zu feiern: Tucher weiht eine komplett neue Brauerei ein. Hier ist ein stolzes Bauwerk entstanden! Das ist ein weiterer wichtiger Schritt für die Metropolregion Nürnberg in die Zukunft! Ich danke allen Verantwortlichen für Ihre Treue zum jahrhundertealten Traditionsstandort.

Die neue Brauerei steht genau auf der Stadtgrenze zwischen Nürnberg und Fürth. Vielleicht kann dieser symbolträchtige Standort dazu beitragen, die alte Rivalität von Nürnberg und Fürth weiter zu überwinden. Wir müssen in der Metropolregion an einem Strang ziehen!

Tucher-Bier wird künftig durch eine der leistungsfähigsten Anlagen in Europa gebraut:

  • Das Investitionsvolumen beträgt rund 20 Millionen Euro, eine stolze Summe.
  • Tucher hat auf weltweit führende Spezialisten im Anlagenbau vertraut. Das heißt natürlich modernste Brautechnik „Made in Germany".
  • Die Anlage erhöht die Effizienz und die Flexibilität.
  • Sie ist sehr umweltfreundlich, sie benötigt weniger Wasser und weniger Energie.
  • Und sie verbessert den Geschmack des Biers.

Für Tucher ist die Errichtung der neuen Braustätte die größte Investition in der Geschichte des Unternehmens:

  • Sie sichert die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts,
  • sie leistet einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Arbeitsplätze und
  • sie garantiert die hohe Qualität des Biers.

Wer investiert, hat Vertrauen in die Zukunft. In Ihrem Fall ist dieses Vertrauen sicher gerechtfertigt. Denn Vertrauen, die Zukunft bewältigen zu können, schöpft man aus den eigenen Leistungen der Vergangenheit. Tucher Bräu weist zahlreiche Erfolgsfaktoren auf:

  • Sie legen Wert auf Kundenorientierung:
    Unter dem Dach der Tucher Brauerei werden zahlreiche Biere mit eigenständigen Rezep¬turen gebraut. Mit der Vielfalt starker Marken und einem breiten Sortenspektrum erreichen Sie die durstigen Kehlen vieler Biertrinker.
  • Sie legen Wert auf Tradition:
    Die Wurzeln der Brauerei reichen bis ins Jahr 1672 zurück. Das Wissen und Können Ihrer Braumeister stammen aus einer Jahrhunderte alten Tradition. So entsteht erstklassiges Bier!
  • Sie legen Wert auf Innovationen:
    Das gilt vor allem für die Fertigungstechnik, wie der Neubau der Brauerei hier zeigt. Auch künftig werden Tucher-Biere in der bewährten, traditionellen Herstellungsweise, aber mit modernster Technik gebraut. Tucher ist aufgeschlossen für Neues, ohne die traditionelle Braukunst zu vernachlässigen. Das ist typisch für Bayern und seine Unternehmen: die gelungene Verbindung von Tradition und Fortschritt.
  • Sie legen Wert auf Qualität:
    Tucher steht für Biergenuss und beste Qualität aus Franken. Ihre Biere werden den höchsten Ansprüchen gerecht. Sie setzen auf sorgfältig ausgewählte Rohstoffe aus der Region und eine strenge Qualitätskontrolle. Den exzellenten Geschmack belegen zahlreiche Auszeichnungen. So gewann Tucher des Öfteren den "Großen Preis der DLG" sowie viele internationale Anerkennungen.
  • Sie legen Wert auf eine klare Strategie:
    Tucher ist eine eigenständige Tochter der Radeberger-Gruppe. Sie sind in Franken stark verwurzelt. Sie bearbeiten aber auch den überregionalen und internationalen Markt intensiv. Die Zugehörigkeit zu einem starken Verbund, dem Oetker-Konzern, ist dabei sicher ein strategischer Vorteil. Eine enge Zusammenarbeit im Konzern kann den einzelnen Brauereien auf einem schwieriger werdenden Markt bessere Zukunftsaussichten eröffnen.

Und der vielleicht wichtigste Vorteil: Die Brauerei hat eine hochqualifizierte und motivierte Belegschaft. Meine Anerkennung gilt deshalb auch allen Beschäftigten. Denn der Erfolg eines Unternehmens ist immer auch der Erfolg seiner Mitarbeiter. Jeder, der hier arbeitet, leistet einen wichtigen Beitrag zum Gesamterfolg des Unternehmens.

Das Unternehmen genießt also einen hervorragenden Ruf. Solche Betriebe brauchen wir in Bayern: wirtschaftlich erfolgreich, sichere Arbeitsplätze und hohe Verbundenheit mit ihrer Stadt und ihrer Region!

Meine Damen und Herren,

die Tucher-Brauerei stellt ein Produkt her, das für den Freistaat Bayern eine besondere Bedeutung hat. Bier ist für uns nicht irgendein wohlschmeckendes Getränk, sondern ein Kulturgut, ein Teil der bayerischen Lebensart.

  • Unser Bier bedeutet für uns Genuss und Geselligkeit. Unser Bier bedeutet für uns Lebensqualität und Lebensfreude: Bayerische Gemütlichkeit, das sind Stammtische, Biergärten und Festzelte auf Volksfesten - ohne Bier nicht vorstellbar.
  • Unser Bier steht für Brauchtum und Tradition.
  • Und: Unser Bier schafft regionale Identität. Das garantieren mehr als 600 Brauereien überall in Bayern. Bier gehört zu Bayern!

Bayern ist stolz auf seine lange und lebendige Biertradition. Fast die Hälfte aller deutschen Braustätten liegt in Bayern. Bier aus Bayern ist weltweit bekannt und anerkannt. Es steht international mit dem bewährten bayerischen Reinheitsgebot aus dem Jahr 1516 für höchste Qualität. Es ist ein sehr erfolgreicher Exportschlager. Im vergangenen Jahr haben die bayerischen Brauereien über 3,5 Millionen Hektoliter im Ausland verkauft - mehr als jemals zuvor.

Das bayerische Bier ist ein wichtiger Imageträger für den Freistaat. Der Mythos „Bayerisches Bier" lebt von der einzigartigen Vielfalt aus 40 verschiedene Biersorten und rund 4.000 Biermarken. Dieser Mythos muss aufrechterhalten und gepflegt werden.

Wir wollen deshalb die Position der heimischen Brauwirtschaft weiter stärken. Wir unterstützen die Brauer durch zahlreiche Maßnahmen bei der Absatzförderung und der Vermarktung. Wichtig war mir auch die Aufnahme des bayerischen Biers in das EU-Register der geschützten geografischen Angaben.

Ein weiterer, wichtiger Ansatzpunkt ist unsere Cluster-Strategie. Der wesentliche Gedanke ist dabei, Forschungseinrichtungen und Unternehmen enger zu vernetzen. Durch die intensivere Zusammenarbeit und den verstärkten Austausch zwischen Wirtschaft und Wissenschaft fließen Forschungsergebnisse schneller in die Unternehmen hinein. Wir unterstützen den Aufbau und den Betrieb der Cluster mit 150 Millionen Euro. Im Bereich Ernährung hat die Cluster-Strategie schon viele Erfolge vorzuweisen.

Ich weiß, dass die Brauereien mit den steigenden Preisen bei Energie und Rohstoffen zu kämpfen haben. Erfreulicherweise hat sich die Preissituation zumindest bei Gerste beziehungsweise Malz und Hopfen in jüngster Zeit aufgrund der guten Ernte 2008 wieder entspannt.

Ich weiß auch, dass der Bierkonsum im Inland stagniert oder sogar rückläufig ist. Als Hauptgrund für die verhaltene Entwicklung am heimischen Biermarkt wird vor allem das sich ändernde Konsum- und Freizeitverhalten genannt. Bayern ist von dieser Entwicklung stärker betroffen als andere Bundesländer, weil bei uns der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von Bier mit 160 Litern etwa 40% über dem Bundesdurchschnitt liegt. Erfreulicherweise können die bayerischen Brauereien dem rückläufigen Absatz im Inland kräftige Steigerungen beim Export entgegensetzen. Auch Tucher Bräu exportiert in zahlreiche Länder in Europa, Amerika und Asien.

Ich weiß auch, dass das nationale Aktionsprogramm zur Alkoholprävention den Bierbrauern Sorgen bereitet. Sie wehren sich gegen eine aus ihrer Sicht überzogene Stigmatisierung von Getränken mit niedrigem Alkoholgehalt.

Für mich steht fest:

Wir brauchen einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol. Mit Verstand und Maß genossen, ist gegen den Konsum von Bier nichts einzuwenden. Viele Inhaltsstoffe von Bier wie Hopfen, B-Vitamine oder Zink haben sogar gesundheits¬fördernde Wirkungen. Und es ist klar, dass das Auto dann stehen bleibt.

Wir müssen sehr genau unterscheiden, ob jemand eine Kampagne macht gegen Alkohol oder gegen den Missbrauch von Alkohol. Dem Missbrauch müssen wir entschlossen entgegentreten, gerade im Jugendbereich und beim sogenannten „Komasaufen".

Unser Kernanliegen ist der Schutz der Kinder und Jugendlichen. Es ist die Linie Bayerns, die Jugendschutzvorschriften konsequent durchzusetzen. Von Handel und Gastronomie erwarte ich Verantwortungsbewusstsein. Das heißt konsequente Alterskontrollen.

Ich appelliere an Ihre Verantwortung als Kommunalpolitiker, als Geschäftsleute, als Eltern, als Vorbilder: Wir dürfen Alkoholkonsum von Jugendlichen wie das berüchtigte „Komasaufen" nicht dulden! Wegschauen gilt nicht! Ich begrüße sehr, dass die Brauwirtschaft Maßnahmen zur Bekämpfung des Alkoholmissbrauchs, insbesondere von Kindern und Jugendlichen unterstützt. Die Tucher Brauerei hat sich als eine der ersten Brauereien in Deutschland aktiv an der Initiative der Deutschen Brauer „Bier bewusst genießen" beteiligt. Das hat Vorbildcharakter!

Meine Damen und Herren,

ich habe eingangs darüber gesprochen, dass Vertrauen Voraussetzung für Investitionen ist. Vertrauen für die Unternehmen schafft auch eine zukunftsorientierte Wirtschaftspolitik. Ein kräftiges Wirtschaftswachstum, wenig Arbeitslosigkeit, hohe Kaufkraft der Bürger, gute Schulen und Hochschulen, innere Sicherheit, solide Staatsfinanzen, ein enger Dialog von Wirtschaft und Politik, verlässliche Rahmenbedingungen - all das gehört zu Bayern und all das nutzt den Unternehmen in unserem Land.

Ich bin deshalb überzeugt, dass die großen Investitionen der Tucher Brauerei hier ihre Früchte tragen werden. Der starke Standort Metropolregion Nürnberg und eine starke Brauerei - das passt gut zusammen. Die Tucher Brauerei wird ihren Weg weiter gehen. Ich wünsche ihr auch in Zukunft den verdienten Erfolg.