Rede

Chinareise - Besuch der Universität Qingdao

Datum der Rede: 28.04.10 Rednerin/Redner: Ministerpräsident Horst Seehofer

Manuskriptfassung: Es gilt das gesprochene Wort.

- Anrede -

Es ist mir eine große Ehre, den Titel eines Professors honoris causa von der Universität Qingdao verliehen zu bekommen. Diese Auszeichnung erfüllt mich mit großer Freude und tiefer Dankbarkeit. Für mich persönlich hat sie einen ganz besonderen Stellenwert, ist sie doch die erste derartige Auszeichnung, die ich entgegennehmen darf.

Gleichzeitig ist sie mir als Bayerischem Ministerpräsidenten Auftrag und Verpflichtung, den freundschaftlichen und partnerschaftlichen Weg weiterzugehen, den Bayern und die Provinz Shandong bereits seit vielen Jahren gemeinsam und vertrauensvoll zurücklegen.

Die Beziehungen zwischen Bayern und Shandong sind seit der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde im Jahr 1987 lebendig und fruchtbar. Sie haben eine lange und gute Tradition. In der Tat ist die Partnerschaft mit Shandong die älteste außereuropäische Partnerschaft Bayerns überhaupt.

In diesen mittlerweile über 20 Jahren hat sich auf vielen Gebieten eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit entwickelt. Weit über 70 deutsche Unternehmen arbeiten heute in Shandong. Zahlreiche Projekte zur beruflichen Bildung und Maßnahmen zur Entwicklung des ländlichen Raums verbinden unsere Länder. Hinzu kommen die individuellen Partnerschaften zwischen Weifang und Freising, zwischen Augsburg und Jinan sowie zwischen dem Bezirk Qingdao und Regensburg. Diese Partnerschaften gehen weit über den rein wirtschaftlichen Kontakt hinaus. Sie bringen die Menschen in Bayern und China zusammen. Erst dadurch entsteht eine Verbindung zwischen den Ländern, die auch in Zukunft trägt.

Bayern und Shandong sind zwei Partner, die hervorragend zusammenpassen. Beide Regionen sind in Geschichte und Kulturtradition ihres Landes fest verwurzelt und beide sind zugleich moderne Wirtschaftsstandorte mit höchster Attraktivität. Diese Verbindung von Geschichtsbewusstsein und moderner Wirtschaftskraft machen beide Regionen stark für die Zukunft.

Das Herzstück der Beziehungen zwischen Bayern und Shandong ist die enge Zusammenarbeit im Bereich der Universitäten und der Wissenschaft. Der Austausch von Wissenschaftlern, Dozenten und Studenten, die Einrichtung spezifischer Studiengänge dient nicht nur dem besseren kulturellen Verständnis und dem gegenseitigen Kennenlernen. Er trägt der Internationalisierung und Globalisierung Rechnung und dient vor allen Dingen dazu, wissenschaftliches Potential zu heben und durch Kooperationen noch zu verstärken.

Anders als andere Nationen ist Deutschland - und auch Bayern - geologisch betrachtet ein rohstoffarmes Land. Wir verdanken unseren Wohlstand dem Ideenreichtum, der Innovationskraft und dem Forschergeist unserer Wissenschaftler, Unternehmer und aller anderen kreativen Köpfe in unserem Land. Unser Rohstoff ist der Rohstoff „Geist". Diesen gilt es zu stärken und zu vermehren.

Wir - und als Bayerischer Ministerpräsident spreche ich in erster Linie für Bayern - setzen daher für unsere Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen auch auf Internationalität. So ist z.B. die herausgehobene Position des Vizepräsidenten der technischen Universität München, einer unserer beiden bayerischen Exzellenzuniversitäten, mit Frau Professor Dr. Liqiu Meng besetzt, die auch Teilnehmerin dieser Delegation ist.

Was das Verhältnis zu Ihrem Land anlangt, so ist unser Wunsch, die bestehende „Kooperation auf Augenhöhe" mit dem Wissenschafts-, Forschungs- und Innovationsstandort China weiter auszubauen und zu verfestigen. Ganz bewusst habe ich daher bei meiner ersten Reise in die Volksrepublik China mit den Besuchen der Peking University, der Tsinghua University und der Universität Qingdao einen starken Akzent auf den Wissenschaftsbereich gesetzt.

Ich denke, wir sind hier auf einem sehr guten Weg. Im „deutsch-chinesischen Jahr der Wissenschaft und der Bildung 2009/2010" gibt es in Bayern 103 Hochschulpartnerschaften zwischen bayerischen und chinesischen Hochschulen. Mit über 2650 Studentinnen und Studenten stellen chinesische Studierende die größte Gruppe ausländischer Studenten in Bayern. Den Grundstein dafür hat im Jahr 1993 die Universität Qingdao gemeinsam mit dem Bayerischen Wissenschaftsministerium und der Hanns- Seidel-Stiftung mit der Einrichtung des „Gemeinsamen Projektrats Bildung" gelegt. Die Unterzeichnung des 10. Protokolls findet demnächst in feierlichem Rahmen anlässlich des Besuchs von Parteisekretär JIANG Yikang in München statt.

Eine zentrale Rolle in den bayerisch-chinesischen Universitätskooperationen kommt heute dem bayerischen Hochschulzentrum für China (BayCHINA) an der Universität Bayreuth und seinem Pendant, dem Chinesisch-Deutschen Hochschulzentrum an der Universität Qingdao zu. Beide Zentren haben als zentrale Serviceeinrichtungen zum Ziel, die Kooperation zwischen den Hochschul- und Forschungseinrichtungen Bayerns und der Provinz Shandong sowie der Volksrepublik China zu fördern und zu intensivieren.

Sie tun das auf vielfältige Weise - von der finanziellen, ideellen und organisatorischen Förderung des Studenten- und des Dozentenaustauschs bis hin zur Organisation von „Sommeruniversitäten". Sie leisten auch Hilfestellung bei der Entwicklung neuer Studiengänge - wie z.B. des Bachelor-Studienganges „Deutsch als Fremdsprache" an der Universität Qingdao, der mit wissenschaftlicher Unterstützung der Universität Bayreuth eingerichtet wurde. Das Erlernen von Sprachen dient dem besseren Verständnis und ermöglicht das gegenseitige Kennenlernen. Ich bin davon überzeugt: so gewinnen wir die besten Botschafter Bayerns in China!

Seit 2004 wird im darauf aufbauenden Master-Studiengang auch eine wirtschaftswissenschaftliche und juristische Ausbildung angeboten - ein Pilotprojekt, das in Rekordzeit genehmigt wurde. Zahlreiche weitere gemeinsame Projekte existieren - von der Unterstützung beim Aufbau einer germanistischen Universitätsbibliothek in Qingdao bis hin zum Arbeitskreis „interkulturelle Germanistik in China" der 2004 unter besonderer Beteiligung der Hanns-Seidel-Stiftung ins Leben gerufen wurde.

Als Bayerischer Ministerpräsident bin ich stolz auf diese länder- und kontinentenübergreifende Zusammenarbeit. Ich bin davon überzeugt, sie ist der Schlüssel für eine gute Zukunft unserer beiden Länder. Ich weiß auch, dass enge Verbindungen zwischen Ländern und Regionen immer stehen und fallen mit Einsatz und Engagement der handelnden Personen. Ich möchte daher all denjenigen danken, die daran mitarbeiten, stellvertretend für alle Herrn Prof. Dr. Liu Dezhang von der Universität Qingdao, Herrn Philipp Dengel von BayChina und dem Repräsentanten der Hanns-Seidel-Stiftung, Herrn Simon Numberger. Herzlichen Dank und weiterhin viel Erfolg!

Ihre Arbeit fördert den wissenschaftlichen und kulturellen Austausch und Dialog. Auch ich möchte einen weiteren Beitrag zu einer Intensivierung der universitären Beziehungen zwischen Bayern und China leisten. Gleichzeitig möchte ich dies mit dem guten Brauch meiner Heimat verbinden, ein Gastgeschenk zu überreichen. So lobe ich ein dreimonatiges Stipendium aus, das an Professoren des Netzwerkes des Arbeitskreises „Interkulturelle Germanistik in China" für Forschungsarbeiten in Deutschland vergeben werden soll. Ich bin davon überzeugt, das ist eine gute und sinnvolle Investition!

In diesem Sinne danke ich nochmals herzlich für die Verleihung der Ehrenprofessorwürde und freue mich auf eine weiterhin gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit!

 

 

 
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