Rede

Festakt zur Erneuerung des Passionsgelübdes am 18. April 2009 in Oberammergau

Datum der Rede: 18.04.09 Rednerin/Redner: Ministerpräsident Horst Seehofer

Manuskriptfassung: Es gilt das gesprochene Wort

- Anrede -

Im nächsten Jahr werden zum 41. Mal die Passionsspiele - der „Passion", wie Sie hier in Oberammergau sagen - stattfinden. Den Auftakt zur „heißen Phase" der Vorbereitungen haben wir soeben mit der Erneuerung des Passionsgelübdes erlebt.

1633 haben die Menschen hier dieses Gelübde zum ersten Mal abgelegt. Die Pest wütete in Oberammergau und die hier Lebenden legten den Schwur ab, in jedem zehnten Jahr das Spiel vom Leiden und Sterben Christi aufzuführen, wenn die Seuche ihr Ende finden würde. Von diesem Tag an ist niemand mehr an der Pest gestorben, so die Überlieferung.

Das erste Passionsspiel fand dann im Jahr 1634 statt. Bis auf zwei Ausnahmen - 1770 und 1940 - haben die Oberammergauer ihr Versprechen über die Jahrhunderte treu gehalten. Und auch die Zuschauer halten den Passionsspielen die Treue. Rund eine halbe Million Besucherinnen und Besucher können pro Spieljahr begrüßt werden und tragen den Ruf Oberammergaus und der „Passionsspiele" hinaus in die Welt.

Was ist es, was die Faszination des „Passionsspiels" bis zum heutigen Tag ausmacht?

Die Erklärung dafür ist vielschichtig. Die „Passion" ist nicht nur ein herausragendes Bekenntnis zu unseren christlich-abendländischen Wurzeln, nicht nur ein Sinnbild für die Kernbotschaften christlichen Glaubens.

Was mich an den Oberammergauer Passionsspielen fasziniert, das sind die Schauspielerinnen und Schauspieler aus Oberammergau, ihre Gemeinschaftsleistung und die Leidenschaft, mit der sie sich ihren Rollen widmen.

Auch im Jahr 2010 werden unter der Leitung des Spielleiters Christian Stückl wieder rund 2000 Erwachsene und 650 Kinder aus Oberammergau an „ihrer Passion" mitwirken. Im Anschluss an diesen Festakt werden - heuer zum ersten Mal - die Darstellerinnen und Darsteller der Hauptrollen verkündet. Menschen mit den unterschiedlichsten Interessen, junge und alte, „Theaterfreaks" und solche, die sonst nur der Computer lockt. Sie alle tragen - jeder für sich und alle gemeinsam - zum Erfolg des Spiels bei. Durch sorgfältige Vorbereitung der Spiele, das Verinnerlichen der zugedachten Rollen, das Leben mit der historischen Figur im Alltag.

Schon jetzt wünsche ich Ihnen Mut, sich auf Ihre Rolle einzulassen, und Ausdauer und Kraft für die Phase der Proben und die Aufführungen!

Und noch etwas unterscheidet die „Passion" von vielen anderen „nur" historischen Spielen: die Beteiligung der Kommune. Hier trägt das Dorf die „Passion" und nicht ein Förderverein. Wichtige Angelegenheiten werden durch den Gemeinderat entschieden - oder durch Bürgerbegehren und Bürgerentscheide. An der „Passion" sind alle beteiligt. Die „Passion" ist Oberammergau und Oberammergau ist die „Passion".

Das ist das Geheimnis der Passionsspiele von Oberammergau. Der Freistaat Bayern hat diese Besonderheit immer anerkannt. So wurden in den vergangenen Jahren erhebliche Zuwendungen aus dem Kulturfonds für dieses Theater gewährt, zuletzt für die Überdachung der Bühne. Erst im vergangenen Jahr hat das Kabinett eine Bürgschaft für die Vorfinanzierung der Passionsspiele 2010 beschlossen. Der Freistaat trägt damit seinen Teil zum Gelingen der Passionsspiele bei. Denn: Veranstaltungen wie diese sind Teil bayerischer Kultur und Teil bayerischer Identität. Und genau diese will die Staatsregierung, will auch ich ganz persönlich, pflegen und stärken. Denn gerade Kultur und Tradition machen den spezifischen Charakter unserer Heimat aus.

Ich wünsche den Passionsspielen 2010 gutes Gelingen und viel Erfolg. Schon jetzt möchte ich allen Beteiligten Dank sagen. „Vergelt`s Gott" für Ihren Einsatz, Ihr Engagement und Ihre Bereitschaft, sich der „Passion" zu verschreiben. Ich bin sicher, Sie alle werden aus diesem Ereignis wieder ein großartiges Erlebnis für sehr viele Menschen aus allen Teilen Bayerns und der Welt machen!

Viel Glück und ich freue mich auf ein Wiedersehen im Jahre 2010!