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Rede
Neujahrsempfang in der Residenz
Datum der Rede: 08.01.10 Rednerin/Redner: Ministerpräsident Horst SeehoferManuskriptfassung: Es gilt das gesprochene Wort.
- Anrede -
Das Jahr 2009, verehrte Gäste, war für den Freistaat Bayern und für mich kein leichtes. Vergnügungssteuer musste ich dafür nicht bezahlen. Aber neben Wirtschafts- und Finanzkrise, neben Quelle und Landesbank gab es auch viele schöne, ja erhebende Momente.
Da war z. B. die Feier zur Verleihung der Rettungsmedaille an Menschen, die spontan und mutig anderen aus lebensbedrohenden Situationen geholfen haben.
Da waren die Verleihungen von Ehrenamtsmedaillen an Menschen, die sich über Jahrzehnte hinweg für andere und für unser Gemeinwesen uneigennützig und freiwillig eingesetzt haben.
Da war die Verleihung des Bayerischen Verdienstordens für herausragende Leistungen auf wirtschaftlichen, wissenschaftlichen, kulturellen und politischen Gebieten.
Und da war nicht zuletzt der vierte Adventssonntag, an dem tausende von Menschen unweit von hier auf dem Odeonsplatz an Dominik Brunner erinnert haben, der sich beherzt und mutig vor Kinder gestellt hat - und dafür mit seinem Leben bezahlen musste.
„Nimm Dein Herz in die Hand" war das Motto dieser Veranstaltung am vierten Adventssonntag.
Das Herz in die Hand genommen haben im vergangenen Jahr hunderttausende von Bürgerinnen und Bürgern in ganz Bayern, spontan, freiwillig, uneigennützig, um anzupacken, zu helfen, Dinge voranzubringen, Ideen zu verwirklichen. Sie haben das getan in vielfältiger Weise bei den Feuerwehren, bei den sozialen Diensten, den Kirchen, Vereinen, Verbänden und Initiativen. In Bayern wird Zusammenhalt groß geschrieben.
Davon, vom Einsatz und von den Ideen der Bürgerinnen und Bürger, lebt Bayern ganz entscheidend. Durch diese vielen Menschen bewegt sich unsere Gesellschaft, wird sie wärmer, solidarischer, in sich gefestigter. Das macht unsere Heimat Bayern stark.
Bayern macht auch stark, dass die Menschen stolz sind auf ihre Heimat. Sie sind stolz auf dieses Land, auf die wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Leistungen und insbesondere auch auf die Geschichte, die Traditionen und das Brauchtum. Dieser Stolz ist gut für unser Selbstbewusstsein und für die Behauptung unserer Eigenstaatlichkeit in Deutschland und Europa. Denn kein Land in Deutschland kämpft so leidenschaftlich für die föderale Eigenständigkeit wie Bayern.
Die Bürgerinnen und Bürger haben auch Grund, stolz zu sein auf ihre Leistungen. Bayern hat die niedrigste Arbeitslosenquote, die geringste Verschuldung und damit auch die niedrigste Zinslastquote und die höchste Investitionsquote. Das Manager-Magazin hat in einer aktuellen Studie festgestellt, dass von den besten 30 EU-Standorten in Deutschland 26 allein in Bayern liegen.
Bayern steht also gut da. Bayern kommt bisher auch gut durch die Finanz- und Wirtschaftskrise. Das zeigen die jüngsten Arbeitsmarkzahlen. Das kommt von den wirtschaftlichen Leistungen der Unternehmer und Arbeitnehmer, von den wissenschaftlichen Leistungen in Unternehmen, im Mittelstand, in unseren Universitäten und Fachhochschulen. An so vielen Orten Bayerns zeigt sich
Verantwortungsbewusstsein für das ganze Land, Vertrauen in die Zukunft.
Dass unser Land gut da steht, hängt auch zusammen mit unserer Verbundenheit mit der Heimat Bayern. „Je schneller sich das Globalisierungskarussell dreht, desto mehr erweist sich der gefestigte kulturelle Unterbau einer Region oder Gesellschaft als Kraftquell und Halt. Eine Gesellschaft, die um ihren kulturellen Boden nicht weiß, kann nirgendwo zum Sprung ansetzen." Dieses Zitat stammt vom derzeitigen Chefredakteur der Zeitschrift Cicero, Wolfram Weimer, der in diesem Jahr beim Focus die Nachfolge von Helmut Markwort antreten wird.
Zum Sprung ansetzen, das erfordert die Globalisierung, der wir uns nicht entziehen können. Um zum Sprung anzusetzen, müssen wir stark sein auf vielen Feldern, insbesondere nach meiner Auffassung aber auf dreien - bei den Familien, bei der Bildung und bei den Innovationen.
Die Familien geben Geborgenheit und Liebe. Es sind die Eltern, nicht der Staat, die unsere Kinder zu starken Persönlichkeiten ausbilden. Deswegen möchte ich Bayern zum familienfreundlichsten Land in Deutschland machen. Dazu braucht es viele Mitstreiter, die Arbeitgeber, die Kommunen, die Verwaltung, ja jede und jeden, die Familien im Alltag unter die Arme greifen.
Beste Bildung ist Voraussetzung für die Teilhabe am wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Leben. Mit guter Bildung können die jungen Menschen zum Sprung ansetzen in eine gesicherte berufliche Zukunft. Bildung ist die beste Mitgift für das Leben.
Innovationen sind die Voraussetzung für neue Produkte und damit für neue Arbeitsplätze. Innovationen entstehen in den Köpfen unserer Tüftler, unserer Unternehmer und Arbeitnehmer, in den Köpfen unserer Wissenschaftler. Und dafür ist wiederum beste Bildung Voraussetzung.
Politik für Familien, Bildung und Innovationen ist nachhaltige generationengerechte Politik. Das ist präventive Politik, die spätere Folgekosten in einem reparierenden Sozialstaat vermeiden hilft. Mit diesen politischen Schwerpunkten gehe ich nicht nur in das neue Jahr, sondern in die nächsten Jahre hinein. Ich sehe darin auch einen Aufbruch Bayerns in die 2. Dekade des 21. Jahrhunderts.
Ich bitte Sie, diesen Weg für Familien, Bildung und Innovationen mitzugehen, anzupacken, unser Land, wie in der Vergangenheit auch, voranzubringen. Ich bitte Sie, auch im Jahre 2010 zum Sprung nach vorne anzusetzen in der Gewissheit, immer wieder auf dem kulturreichen, bayerischen Heimatboden auch sicher zu landen, auf dem so viel Menschlichkeit, Wertebewusstsein, Engagement und Mut zur Zukunft wächst.
Ihnen allen wünsche ich auch im Namen meiner Frau ein gutes, ein gesundes und ein glückliches Jahr 2010. Gottes Segen für Sie und die Menschen in Bayern.