Inhalt
Rede
Landesjagdverband München
Datum der Rede: 03.02.10 Rednerin/Redner: Staatsministerin Emilia MüllerManuskriptfassung: Es gilt das gesprochene Wort
- Anrede -
als Schirmherrin über die heutige Veranstaltung bin ich sehr gerne in den Löwenbräukeller - die „Höhle des Löwen" - gekommen. Für echte Bayern ist das hier ein Heimspiel. Ganz nach dem Motto dieses Hauses: „Wohlfühlen mit Genuss und Tradition!"
Ein herzliches „Grüß Gott" zum Jahresempfang der bayerischen Jägerschaft 2010!
In Sachen Genuss und in Sachen Tradition macht unserer Jägerschaft kaum Einer etwas vor: Die Jagd ist so alt wie unser Land. Sie alle sind Träger eines in Jahrhunderten gewachsenen Kulturgutes, das fest mit unserer Heimat verwurzelt ist. In einer Zeit, in der die Mobilität die Menschen zunehmend zu entwurzeln droht, sichern Sie ein Stück Heimat und gewachsene Tradition.
Auch dank unserer Jägerschaft ist Bayern reich an lebendigem Brauchtum, wie die Jagdhornbläser und Fahnenabordnungen eingangs bewiesen haben.
Bayern wäre nicht was es ist, ohne seine Jager! Und: Bayern ist mit 6,8 Mio. Hektar Jagdfläche das größte Jagdland in Deutschland. Das zeigt: Die Jagd in Bayern - das ist nicht irgendein Hobby. Das ist Passion. Das ist ein starkes Stück Bayern!
Diese Passion und dieses Stück Bayern finden im bayerischen Jagdverband (BJV) eine Heimat.
- Er genießt angesichts von 93% Organisationsgrad das volle Vertrauen seiner 45.000 Mitglieder.
- Er verleiht nicht nur der Jagd in Bayern eine mächtige Stimme
- sondern ist auch völlig zu Recht ein staatlich anerkannter Naturschutzverband!
Dieser Verband kann sich auch in Brüssel sehen lassen! Und es freut mich, dass Sie sich im Advent auch dort haben sehen lassen.
Ich denke noch gerne an unseren oberpfälzer Heimatabend zurück. Der prächtige Christbaum vor der Bayerischen Vertretung war ein weithin sichtbarer Gruß unserer Jägerschaft an Europa!
Dieses Signal zeigt: Die bayerischen Jägerinnen und Jäger haben die Zeichen der Zeit erkannt: Viele die Jagd betreffenden Regelungen stammen schon heute aus der EU. Ziehen wir gemeinsam an einem Strang, damit die Stimme der Jagd und die Stimme Bayerns in Europa gehört werden!
Ich kann Ihnen versichern: Als Bayerische Bundes- und Europaministerin werde ich mein Patronat für die Jagd in Bayern sehr ernst nehmen! Ebenso setze ich auf Ihre Unterstützung bei den großen Herausforderungen, vor denen Europa, Deutschland und Bayern stehen.
Mit Blick auf diese Herausforderungen meine ich: Wir brauchen mehr Europa im Großen und weniger Europa im Kleinen. Gerade im jagdlichen Bereich gilt: Nicht jedes Problem in Europa ist auch ein Problem für Europa! Aber bei den großen Zukunftsthemen müssen wir als Europäer zusammenspielen, wenn wir Erfolg haben wollen.
Das hat erst wieder die Klimakonferenz in Kopenhagen gezeigt. Dort sitzen wir Amerikanern, Chinesen und Indern gegenüber, die als Verhandlungspartner jeden Dissens auf Seiten der Europäer gnadenlos nutzen. In solchen globalen Verhandlungsrunden macht die Einigkeit Europa stark. Hier brauchen wir mehr Europa, wenn wir unsere Vorstellungen von Klima-, Umwelt- und Sozialstandards durchsetzen wollen.
Gerade beim Kampf gegen den Klimawandel ist auch die Jagd stark betroffen. Wir brauchen hier eine Trendwende und eine Begrenzung des Temperaturanstiegs, wie das mit dem Zwei-Grad-Ziel angepeilt wird. Bayern, vor allem der Alpenraum, sind von einem Anstieg der mittleren Jahrestemperatur besonders betroffen. Solche Entwicklungen können wir nicht einfach laufen lassen.
Deshalb hat die Bayerische Staatsregierung frühzeitig ein Klimaschutzprogramm mit einem Volumen von 350 Mio. Euro aufgelegt. Wir investieren in die Forschung, in die Verringerung von Treibhausgasen und in Anpassungsstrategien an die bereits unvermeidlichen Folgen des Klimawandels.
Zur Anpassung gehört der Hochwasserschutz ebenso wie die Vorsorge gegen Stürme, Dürre und Trockenheit. Bayern hat ein massives Waldumbauprogramm beschlossen: Bis zum Jahr 2020 wollen wir von den 260.000 Hektar akut gefährdeten Fichtenbeständen 100.000 Hektar in stabile klimatolerante Mischwälder umbauen. Zudem werden die Schutzmaßnahmen im Bergwald erhöht.
All das kann aber nur gelingen, wenn alle Akteure dabei mitwirken. Dabei setze ich vor allem auf Ihre tatkräftige Unterstützung! Unsere Heimat in ihrer ganzen landschaftlichen Vielseitigkeit - mit ihren Auen, Fluren, Wäldern und Hochgebirgen - können wir nur mit unseren Jägern retten! Bayern konnte immer auf seine Jägerschaft zählen. Bayern zählt auch hier auf sie!
Völlig zu Recht hat die Bundeskanzlerin in ihrer Rede zum Auftakt des Internationalen Jahres der biologischen Vielfalt der Erhaltung des Artenreichtums dieselbe Bedeutung wie dem Klimawandel beigemessen. Jägerinnen und Jäger wissen: Artenvielfalt ist natürliche Lebensgrundlage.
Bayern hat frühzeitig ein eigenes Programm zur Stabilisierung der biologischen Vielfalt und von Ökosystemen gestartet. Dazu gehört z.B. auch die Renaturierung von 50 Mooren im Freistaat. Nach und nach erst wird uns bewusst, welche ökologischen Schätze sich direkt vor unserer Haustüre befinden.
Viele waren zu lange der Meinung, es spiele keine Rolle, ob unsere Kinder noch unsere stolzen Greifvögel oder unsere Waldbäume bestimmen können oder nicht. Aber wer Tier- und Pflanzenarten nicht kennt, wird ihr Verschwinden kaum bemerken. Sie wussten immer: Nur das, was man kennt, das schätzt und schützt man auch.
Deshalb bieten unsere Jägerinnen und Jäger Kindern immer wieder die Möglichkeit, in Wald und Flur erste Berührungspunkte mit der Natur zu finden. Vorbildliche Initiativen der Jägerschaft, wie der Lernort Natur, bringen jungen Menschen unsere Tier- und Pflanzenweld näher. Wer, wenn nicht Sie, kann das Wissen um die Natur an die nächste Generation weitergeben?
Ich bitte Sie: Führen Sie dieses Engagement auch heuer - im Jahr der Biodiversität - fort. Auch bei diesem Thema zählt Bayern auf seine Jägerschaft!
Denn wir alle wissen: Das Jagdwesen ist in erster Linie mit viel ehrenamtlicher Arbeit verbunden. Das reicht von der Aufklärungsarbeit in Schulen, Gremien und Medien bis hin zu den Bemühungen um den Erhalt der heimischen Flora und Fauna. Und Sicherheitsaufgaben kommen auch dazu: Ich weiß, dass es kein Vergnügen ist, mitten in der Nacht ein überfahrenes Reh zu bergen. Wer macht das, wenn nicht unsere Jägerinnen und Jäger?
Ohne ehrenamtliches Engagement und ohne eine große Portion Verantwortungsbereitschaft kann man nicht Jäger werden und nicht Jäger sein. Das Ehrenamt ist das Rückgrat unserer Gesellschaft.
Denn der Staat kann und soll nicht alles leisten. Er braucht aktive Bürgerinnen und Bürger, die selbst zupacken und aus Eigeninitiative tun, was möglich und nötig ist. Menschen wie Sie!
Ohne das ehrenamtliche Engagement der Jägerinnen und Jäger wäre unsere Heimat um vieles ärmer. Dafür sage ich von ganzem Herzen: Vergelt's Gott!
Bayern schätzt seine Jägerinnen und Jäger als kompetente und verlässliche Partner. Die Staatsregierung hat immer ein „offenes Ohr" für die Anliegen der Jäger. Wir pflegen seit jeher einen partnerschaftlichen Umgang miteinander. Miteinander statt Gegeneinander - das ist unser Erfolgsgeheimnis. Die Bayerische Staatsregierung weiß um die gesellschaftliche, ökonomische und ökologische Bedeutung der Jagd im Freistaat. Sie dürfen auch in Zukunft auf unsere volle Unterstützung zählen!
Und ich kann für meine Person hinzufügen: Da ich von meinem Büro in der Staatskanzlei direkt auf den Dianatempel im Hofgarten schaue, habe ich die Interessen der Jagd in München, Brüssel und Berlin stets im Blick. Die Göttin der Jagd und ich - wir haben uns ja immer im Auge!
Daher freut es mich umso mehr, nun auch mit der Jagdkönigin Bekanntschaft zu machen. So eingerahmt zwischen Jagdgöttin und Jagdkönigin verspreche ich, Ihnen eine gute Patronin zu sein!