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Rede
Hubertusfeier des Jagdschutz- und Jägervereins Ingolstadt
Datum der Rede: 07.11.09 Rednerin/Redner: Staatsminister Siegfried SchneiderManuskriptfassung: Es gilt das gesprochene Wort.
- Anrede -
Es freut mich, bei der Hubertusfeier des Jagdschutz- und Jägervereins Ingolstadt dabei sein zu können. Ihnen allen ein herzliches „Grüß Gott und Waidmannsheil"!
Mit Blick auf den Terminkalender stelle ich fest: Diese Hubertusfeier findet mit vier Tagen Verzug gerade noch rechtzeitig statt. Aber ich denke, auch der Heilige Hubertus hätte Verständnis dafür, dass man eine so feierliche Hubertusmesse und eine so zünftige Hubertusfeier lieber am Wochenende veranstaltet.
Schließlich hat der Schutzheilige der Jagd auch gelernt, dass Gut Ding manchmal Weile haben will: Der einst „wilde" - heute würden wir sagen: „schießwütige" - Hubertus wurde zum christlichen und waidgerechten Jäger bekehrt. Der Hubertuslegende nach ist ihm ein weißer Hirsch mit einem Kruzifix zwischen dem Geweih erschienen. Daraufhin erschrak Hubertus, ließ sich taufen und wurde später sogar Bischof.
Die Hubertussage ist uns Ansporn, die Jagd gemäß des waidmännischen Leitspruchs zu praktizieren und sie fordert uns auf, „...den Schöpfer im Geschöpfe (zu) ehren". Sie gehört ganz wesentlich zum Selbstverständnis der christlichen Jagd. Und die spielt in Bayern eine besondere Rolle.
Die Jagd ist so alt wie unser Land. Das wird mir tagtäglich in Erinnerung gerufen, wenn ich aus meinem Arbeitszimmer in der Staatskanzlei direkt auf den Dianatempel im Münchner Hofgarten blicke.
- Bayern ist reich an jagdlichem Brauchtum.
- Die Jagd ist Thema zahlreicher Geschichten und Volkslieder.
- Von der Hubertussage bis zum Wolpertinger gilt:
Bayern wäre nicht was es ist, ohne seine Jager!
Jägerinnen und Jäger sind Teil unseres bayerischen Selbstverständnisses - bodenständig und mit Blick für die Herausforderungen der Zukunft. Sie sind Träger eines in Jahrhunderten gewachsenen Kulturgutes, das fest mit unserer Heimat verwurzelt ist. In einer Zeit, in der die Mobilität die Menschen zunehmend zu entwurzeln droht, sichern Sie ein Stück Heimat und gewachsene Tradition.
Bayerische Jägerinnen und Jäger übernehmen Verantwortung für Mensch und Natur. Sie stehen für eine Denkweise, die uns die Wurzeln der Jagd wieder bewusst macht. Ihr Wissen, Ihr Können, Ihre Passion und Ihr Respekt vor dem Tier sind Basis der Jagd und der Hege in Bayern.
Wer auf die Jagd geht, der weiß: Die Jagd im Revier ist der schönste und wichtigste Teil. Das Jagen ist aber auch mit viel ehrenamtlicher Arbeit verbunden. Das reicht von der Aufklärungsarbeit in Schulen, Gremien und Medien bis hin zu den Bemühungen um den Erhalt der heimischen Flora und Fauna. Dafür setzt sich Ihre Kreisgruppe um Ihren Vorsitzenden Peter Smischek ja ganz besonders ein.
Und Sicherheitsaufgaben kommen auch dazu: Ich weiß, dass es kein Vergnügen ist, mitten in der Nacht ein überfahrenes Reh zu bergen. Wer macht das, wenn nicht unsere Jägerinnen und Jäger?
Ohne ehrenamtliches Engagement und ohne eine große Portion Verantwortungsbereitschaft kann man nicht Jäger werden und nicht Jäger sein. Das Ehrenamt ist das Rückgrat unserer Gesellschaft.
Denn der Staat kann nicht alles leisten. Er braucht aktive Bürgerinnen und Bürger, die selbst zupacken und aus Eigeninitiative tun, was möglich und nötig ist. Menschen wie Sie! Ohne das ehrenamtliche Engagement der Jägerinnen und Jäger wäre unsere Heimat um vieles ärmer. Dafür sage ich von ganzem Herzen: Vergelt's Gott!
Und ich möchte Sie ermutigen, bringen Sie sich weiterhin ein! Wer, wenn nicht Sie, kann das Wissen um die Natur an die nächste Generation weitergeben? Wir reden alle viel vom Klima-, Umwelt- und Naturschutz. Wir reden viel über Biodiversität. Aber wie viele Kinder können heute noch die Eiche von der Esche unterscheiden? Wie viele Erwachsene kennen noch unsere stolzen Greifvögel oder unsere schönen Wiesenblumen?
Gerade dabei setzen wir auf unsere Jäger! Umweltbildung und Angebote zum „Naturerleben" stellen einen gesellschaftspolitisch hohen Wert dar, der nicht selbstverständlich ist. Auch Beiträge, die sich schwerpunktmäßig der Jagd widmen, tragen zum vielfältigen Gesamtbild der Umweltbildung in Bayern bei.
Der „Lernort Natur" ist eine besonders gelungene Initiative der bayerischen Jäger, bei der junge Menschen die Tier- und Pflanzenwelt mit allen Sinnen begreifen lernen. Er bietet vielen Stadtkindern erste Berührungspunkte mit der Natur und die Chance, ihre kindliche Neugier auszuleben.
Solche lebendigen Erfahrungen haften länger und wirken tiefer als theoretisch eingepauktes Wissen. Und die Jägerinnen und Jäger wissen: Das, was man kennt und nutzt, lernt man schätzen. Und nur das, was man schätzt, das schützt man auch.
Bei ihrem Engagement in der Umweltbildung handeln unsere Jägerinnen und Jäger in Bayern eng vernetzt mit anderen Akteuren, insbesondere Umweltstationen, Umweltbildungseinrichtungen oder Waldkindergärten. Weil die Umweltbildung in Bayern weit oben steht, haben wir das Bildungsprogramm im Umweltfonds nochmals um
130.000 € verstärkt. Es stehen nun pro Jahr 620.000 € zur Verfügung.
Mit den Forstbehörden als Partner lässt sich das Thema „Jagd" zusammen mit dem Lebensraum Wald, seiner Schutz- und Erholungsfunktionen sowie seiner nachhaltigen Bewirtschaftung gut vermitteln. Die Bayerische Forstverwaltung engagiert sich sehr in der Waldpädagogik: Derzeit werden ca. 6.000 Veranstaltungen pro Jahr - v.a. Waldführungen - durchgeführt, an denen jährlich ca. 200.000 Menschen in Bayern teilnehmen, davon 150.000 Kinder und Jugendliche.
Unsere Jägerinnen und Jäger sind von Anfang an unverzichtbare Mitstreiter auf dem bayerischen Weg eines kooperativen Naturschutzes. Neben Flinte und Büchse greifen Sie auch zur Schaufel und Spitzhacke. Sie legen Biotope an, pflegen Hecken oder säen Wildpflanzen an. Das ist praktischer Naturschutz. Viele reden nur vom Schutz der Umwelt - Sie tun etwas! Auch deshalb schätzen wir unsere Jäger als Partner beim kooperativen Naturschutz so sehr! Kooperativer Naturschutz heißt:
Partnerschaftliche Zusammenarbeit des Freistaats mit den Landnutzern, der Wirtschaft, den Naturschutzverbänden, den Jägern und den vielen tausend im Naturschutz ehrenamtlich Engagierten. Naturschutz kann nicht einfach von oben verordnet werden. Vernetzung, Selbstverantwortung und freiwillige Selbstverpflichtungen sind die Schlüssel zum Erfolg. Ohne die Betroffenen, ohne die Fachleute und ohne die Menschen vor Ort können wir nichts bewegen.
Wir leben in einem wunderschönen Land mit einer einzigartigen Natur- und Kulturlandschaft. Dieses Wunderwerk der Schöpfung wollen wir bewahren. Dabei stellt uns der Klimawandel vor große Herausforderungen. Hochwasser und Stürme haben uns in den letzten Jahren schon einen Vorgeschmack darauf gegeben, was passieren kann, wenn wir nicht rechtzeitig gegensteuern.
Um die bayerischen Wälder fit für den Klimawandel zu machen, setzt die Staatsregierung auf einen aktiven und vorausschauenden Aufbau zukunftsfähiger Wälder. Da, wo heute noch reine Fichten- oder Kiefernbestände stehen, sollen künftig klimatolerante und stabilere Mischwälder mit Baumarten wie Buche, Eiche, Tanne oder Ahorn wachsen. Die können Wärme, Stürmen und Trockenheit besser standhalten und sind weniger anfällig für Schädlinge.
Ohne eine Unterstützung durch die Jagd ist dieser Waldumbau aber nicht möglich. Sie als Jägerinnen und Jäger sind gemeinsam mit den Waldbesitzern Garanten für die Zukunft unserer Wälder. Eine ausreichende Bejagung ist Voraussetzung für die nötige Naturverjüngung und das Nachwachsen standorttypischer Baumarten. Und solche gesunden und stabilen Wälder bieten wiederum dem Wild den nötigen Lebensraum.
Der Klimawandel und die Bejagung des Schalenwilds sind die Chance, einmal die Leistungen der Jäger für die Gesellschaft darzustellen. Auf diese Weise können Sie auch den Vorstellungen fehlgeleiteter Tierschützer am wirkungsvollsten begegnen. Diese selbst ernannten „Naturschützer" fordern immer wieder einen gänzlichen Jagdverzicht. Damit würden wir unserer Umwelt einen Bärendienst erweisen.
Ein Verbot der Jagd kommt für Bayern überhaupt nicht in Betracht! Denn: Vielschichtige Herausforderungen wie der Klimawandel brauchen auch viele mutige Akteure, die von unterschiedlichen Seiten an die Probleme heran gehen.
Bayern weiß, dass es dabei auf seine Jägerschaft zählen kann! Weil wir wissen, was wir an unseren Jägerinnen und Jägern haben, ist und bleibt die Bayerische Staatsregierung auch ein verlässlicher Anwalt jagdlicher Interessen.
Sie wissen ebenso gut wie ich, dass es nicht immer ganz einfach ist, für die Belange der Jagd einzutreten. So manchem fehlt es an Verständnis für die Jagd, manchem fehlt es an Sachverstand und manchem fehlt es wohl auch an Verstand. Selbst als routinierter Politiker bin ich immer wieder erstaunt, welcher Unsinn in Schreibstuben von Ideologen ausgegoren wird.
Die geplante Einführung des Wildursprungsscheins und einer Wildmarke sind das beste Beispiel. Hier meinen einige in Deutschland wieder einmal über die EU-rechtlichen Anforderungen hinaus gehen zu müssen.
Das sieht dann in der Praxis so aus: Wenn also der Jäger seinem Nachbarn ein Stück Wild verkauft, muss er sich zuerst eine amtliche Wildmarke besorgen und schriftlich bescheinigen, dass dieses Stück Wild auch von ihm ist. Denn nur Dank des vollständig ausgefüllten amtlichen Wildursprungsscheins in Verbindung mit der fest mit dem Wildbret verbundenen Wildmarke soll der Nachbar wissen, dass dieses Stück Wild auch wirklich von seinem Jäger stammt!
Verbraucherschutz ist wichtig - keine Frage. Aber dieses Vorhaben ist kabarettreif. Leider sieht es so aus, als ob diese Verordnung im Bundesrat nicht mehr zu stoppen ist. Wie man das unterstützen kann, ist mir ein Rätsel.
Trösten wir uns damit, dass die Abgabe kleiner Mengen Wildfleisch durch den Jäger an Endverbraucher oder den örtlichen Einzelhandel von der Vorschrift nicht erfasst ist. Das heißt: Sie müssen also künftig das Fleisch aus der Decke nehmen und zerlegen. Dann ist alles in Ordnung. Lassen wir den Amtsschimmel also wiehern!
Etwas delikater war die Sache beim neuen Waffenrecht. Bayern hat die von vielen befürchtete Entrechtung legaler Waffenbesitzer verhindert. Wir alle wissen, welche Vorstellungen dazu in so manchen Köpfen herumgegeistert sind. Wir stellen unsere Jägerinnen und Jäger nicht unter Generalverdacht.
Die jetzt verabschiedeten Änderungen des Waffenrechts ziehen die richtigen und angemessenen Konsequenzen aus dem Amoklauf von Winnenden. Es wird die Aufbewahrungssicherheit von Waffen erhöht und jugendlichen Sportschützen wird der Zugang zu großkalibrigen Waffen erschwert. Ich bin überzeugt, dass es auch im wohlverstandenen Interesse unserer Jäger ist, hier keine schwarzen Schafe zu dulden, die Schießsport und Jagd in Misskredit bringen könnten.
Insgesamt ist ein vernünftiger Kompromiss erreicht worden, den beide bayerischen Koalitionspartner mit tragen. Er beseitigt tatsächliche Schwachstellen im Waffengesetz, ohne aber diejenigen zu belasten, die mit ihren Waffen sorgfältig umgehen.
- Anrede -
Bayern schätzt seine Jägerinnen und Jäger als kompetente und verlässliche Partner. Wir haben immer ein „offenes Ohr" für die Anliegen der Jäger. Wir pflegen seit jeher einen partnerschaftlichen Umgang miteinander. Miteinander statt Gegeneinander - das ist unser Erfolgsgeheimnis. Die Bayerische Staatsregierung weiß um die gesellschaftliche, ökonomische und ökologische Bedeutung der Jagd im Freistaat. Sie dürfen auch in Zukunft auf unsere volle Unterstützung zählen!
Mit Bayern als Schutzmacht und dem Heiligen Hubertus als Schutzpatron ist mir um die Zukunft der Jagd in unserer Heimat nicht bange. In diesem Sinne wünsche ich eine schöne Hubertusfeier und stets Erfolg in Wald und Flur!