Rede

Vollversammlung des Landeskomitees der Katholiken in Bayern

Datum der Rede: 06.03.10 Rednerin/Redner: Staatsminister Siegfried Schneider

Manuskriptfassung: Es gilt das gesprochene Wort.

- Anrede -

Ich freue mich sehr, dass Ihre Vollversammlung Sie in diesem Jahr in meine Heimatdiözese Eichstätt geführt hat. Und es freut mich noch mehr, dass Sie sich für die zweitägige Vollversammlung ein Thema gewählt haben, das auch mir sehr am Herzen liegt: „Werte - christlich geprägt".

Werte sind wichtig. Werte geben uns Wurzeln. Sie sind es, die eine Gemeinschaft festigen, die Zusammenhalt fördern und Halt geben im Wandel. Sie sind es, die das Leben reich machen und tief, die Sinn stiften und Glück. Werte sind Hilfen, keine Hürden!

Es ist wichtig, dass wir uns über die Werte, die unsere Gesellschaft tragen, austauschen, dass wir Unverhandelbares formulieren und uns Gedanken machen, wie Wertebildung und Werteerziehung in einer sich verändernden Welt gelingen kann.

Wie fruchtbar ein solcher Dialog ist, habe ich selbst bei den Vorbereitungen zum Wertebündnis Bayern erfahren. Vergangenen Montag fand der feierliche Auftakt in der Münchner Allerheiligenhofkirche statt. Rund 60 Bayern weit tätige Organisationen haben sich in diesem Bündnis zusammen geschlossen, um die Werte in unserer Gesellschaft zu stärken und sichtbarer zu machen. „Gemeinsam stark für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene" - das ist das Motto, mit dem jetzt gemeinschaftlich ans Werk gegangen wird.

Ein wichtiger Konsens über alle gesellschaftlichen Verbände und Organisationen hinweg war, dass wir jungen Menschen Erfahrungs- und Handlungsräume eröffnen müssen, um Werte erleben und leben zu können. Werte kann man nicht von oben herab vermitteln. Werte müssen vorgelebt und von Kindern und Jugendlichen aktiv erlebt werden.

Eltern haben dabei eine entscheidende Schlüsselrolle. Sie sind die ersten und wichtigsten Bezugspersonen für die Kinder. Sie geben Werte weiter, leben sie vor, lassen sie lebendig werden. Familie ist der erste und wichtigste Ort der Wertebildung.

Aber auch Bezugspersonen wie Erzieher, Lehrkräfte und Ausbilder sowie die zahlreichen aktiven Frauen und Männer, die in Jugendarbeit oder in den Kirchengemeinden ihren Dienst tun und mit jungen Menschen arbeiten, sind als Werteakteure und als Werteerzieher unverzichtbar.

Der Heilige Vater hat zu seiner Amtseinführung, die sich jetzt bald im April zum 5. Mal jährt, gesagt:

„Die Kirche lebt. Und die Kirche ist jung. Sie trägt die Zukunft der Welt in sich und zeigt daher auch jedem einzelnen den Weg in die Zukunft."

Diese Zukunft aktiv mitzugestalten, ist vor allem auch die Aufgabe von uns Christen. Verantwortung für die Gestaltung unserer Gesellschaft zu übernehmen, Veränderungsprozesse aktiv und konstruktiv mitzutragen, diese Fähigkeiten und Tugenden brauchen wir mehr denn je. Die Kraft zur Erneuerung liegt in den Menschen selbst. Die Einsatz- und Verantwortungsbereitschaft der Christen in unserem Land, ihr Engagement und ihre Einsatzbereitschaft sind der Schlüssel für Aufbruch und Erneuerung.

In Bayern wollen wir diesen Aufbruch schaffen. Die Schwerpunkte liegen dabei auf Familie, Bildung und Innovationen. Familie und Bildung sind für junge Menschen die wichtigsten Voraussetzungen für einen guten Start ins Leben. Die Familie gibt Halt und Geborgenheit. Gerade in der Familie erwächst bei jungen Menschen Selbst- und Sozialkompetenz. Und hier wird auch die Grundlage für den Glauben gelegt. Denn der Glaube - das ist meine ganz persönliche Erfahrung - ist eine wirkmächtige, unverzichtbare Kraft für die Gestaltung des eigenen Lebens. Und gerade Christen sollten Werteakteure sein und für ein im wahrsten Sinne des Wortes und auch im Glauben WERTvolles Leben.

Dem Landeskomitee der Katholiken in Bayern kommt bei der Gestaltung von Aufbruch und gemeinsamer Zukunft eine besonders wichtige Rolle zu. Seit mehr als 50 Jahren ist es die kompetente Stimme der Katholiken in Bayern. Die Mitglieder des Landeskomitees leisteten und leisten einen wichtigen Beitrag, christliches Gedankengut präsent und wirksam zu halten.

Ich danke dem Vorsitzenden des Landeskomitees der Katholiken in Bayern stellvertretend für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für dieses große Engagement.

- Anrede -

Sie haben kürzlich selbst gesagt, wie wichtig das gemeinsame Zeugnis der Christen in einer zunehmend säkularen Welt sei und haben dabei auch auf die Bedeutung des 2. Ökumenischen Kirchentages hingewiesen. Ich kann das nur unterstreichen. Mit dem ÖKT geht von Bayern in diesem Jahr ein besonderes Zukunftszeichen aus. Ich selbst freue mich sehr auf dieses Ereignis und werde auch aktiv an den Foren teilnehmen. „Damit ihr Hoffnung habt" - dieses Leitwort des Ökumenischen Kirchentages ist ein wichtiges Signal der Ermutigung für die Menschen in unserem Land.

Ich wünsche Ihnen allen noch eine rege Diskussion und bin gespannt auf Ihre Erklärung zum Thema Wertebildung. Und vielleicht, sehr geehrter Herr Schmid, können wir uns im Anschluss noch darüber unterhalten, ob das Landeskomitee der Katholiken nicht vielleicht sogar Bündnispartner im Wertebündnis Bayern wird.

Viel Erfolg für die Zukunft bei Ihrem wichtigen Engagement!

 

 
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