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Rede
Jahresempfang zum Motto „In der Welt zuhause“ in der Allerheiligenhofkirche
Datum der Rede: 04.05.11 Rednerin/Redner: Staatsministerin Emilia MüllerManuskriptfassung: Es gilt das gesprochene Wort.
- Anrede -
Ich freue mich sehr über die Einladung zu Ihrem Jahresempfang, liebe Frau Breit-Keßler. Es ist ja schon Tradition, dass Sie alljährlich hier in der Allerheiligenhofkirche engagierte Menschen aus Ihrem Kirchenkreis versammeln.
Das diesjährige Motto „In der Welt zuhause“ berührt mich besonders:
- ganz persönlich, weil ich mich als gebürtige Oberpfälzerin mit einem Südtiroler Ehemann in Bayern und in Italien zu Hause fühle;
- natürlich beruflich, denn als Staatsministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten habe ich drei Dienstsitze und darf in vielen Ländern der Erde zu Gast sein. Meine letzten großen Delegationsreisen nach China und in die Golfstaaten sind mir noch gut in Erinnerung.
Mit diesem Motto, liebe Frau Breit-Keßler, sind Sie aber auch politisch nah am Puls der Zeit. Am vergangenen Sonntag war für Europa ein wichtiger Tag. Seit dem 1. Mai haben Arbeitnehmer aus weiteren acht europäischen EU-Ländern im Rahmen der Arbeitnehmerfreizügigkeit die unbeschränkte Möglichkeit, in Deutschland zu arbeiten. Damit hat unser europäischer Arbeitsmarkt rund 220 Millionen Erwerbspersonen und ist erheblich größer als der in den USA (ca. 154 Millionen).
Die Öffnung unseres Arbeitsmarktes schafft Chancen und Risiken für Deutschland. Ich glaube aber, die Chancen überwiegen deutlich. Denn Deutschlands Wirtschaft boomt. Unsere Betriebe suchen Arbeitskräfte, besonders Facharbeiter. Wegen der positiven Impulse für die Arbeitsmärkte rechnet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) unter dem Strich mit einem Mehr an Wohlstand durch Zuwanderung.
Weltweit leben inzwischen über 200 Mio. Menschen außerhalb ihrer Herkunftsländer. Etwa die Hälfte von ihnen in Nordamerika und in Europa. Das Zusammenleben vieler Menschen unterschiedlicher Kulturen positiv zu gestalten- im eigenen Land wie auch grenzüberschreitend - ist eine der größten Herausforderungen im 21. Jahrhundert. Dieser Aufgabe müssen wir uns stellen.
Sie alle, verehrte Gäste, sind hier Vorreiter und Vorbilder. Sie zeigen in Schulen oder Kirchengemeinden, Kommunen oder Unternehmen, wie Miteinander, wie Verständigung bei uns gelingen können: und das freiwillig, ehrenamtlich und mit großer Einsatzbereitschaft. Sie bauen Städtepartnerschaften auf, engagieren sich für den Schüleraustausch oder gewähren Gläubigen aus kirchlichen Auslandsgemeinden eine Unterkunft. Für Ihr vielfältiges Engagement möchte ich Ihnen persönlich und im Namen der Bayerischen Staatsregierung herzlich danken.
Wir brauchen überzeugte Menschen in Bayern, Deutschland und allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union, die ihre Heimat, ihre Region aktiv mitgestalten. Wir brauchen ein Europa der Bürgerinnen und Bürger. Jeder muss auf seinem Platz mit Engagement, Ideenreichtum und Kreativität Verantwortung übernehmen.
Darum freue ich mich, dass die Europäische Kommission 2011 zum „Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit“ erklärt hat. Wir wollen in ganz Europa zeigen, wie unverzichtbar bürgerschaftliches Engagement ist. Es ist das Fundament eines funktionierenden Gemeinwesens. Der Staat kann nicht alles leisten. Nirgends in Europa. Zusammenhalt und Zukunft brauchen engagierte Bürgerinnen und Bürger!
Mein Dank gilt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und damit Ihnen, sehr geehrte Frau Breit-Kessler. Die Evangelische Kirche gibt den einsatzbereiten Gläubigen in den Gemeinden den nötigen Gestaltungsraum für weltumspannendes Engagement. Kontakte werden geknüpft, Projekte initiiert und grenzüberschreitende Zusammenarbeit wird damit effektiv und vor allem nachhaltig gestaltet.
Die Mission EineWelt in Neuendettelsau pflegt Kontakte zu weltweit 22 Partnerkirchen. Außerdem leitet und unterstützt Mission EineWelt Partnerschaften mit Afrika, Asien, Lateinamerika und dem Pazifikraum. Mehr als 70 Dekanatsbezirke bzw. Institutionen und Schulen sind in diesen Partnerschaften engagiert.
Als offizielle Ansprechpartnerin für das Eine-Welt-Netzwerk Bayern e. V. innerhalb der Bayerischen Staatsregierung freue ich mich besonders auf die gute Zusammenarbeit.
Bei unserer langjährigen Partnerschaft Bayern-Westkap/Südafrika ist die Evangelische Kirche und gerade auch die Evangelische Akademie Tutzing ein unverzichtbarer Stützpfeiler für die Staatsregierung. Ich erinnere mich mit Freude an die beiden erfolgreichen Konferenzen in Kapstadt und in Tutzing, an denen ich 2007 teilnehmen durfte.
Verehrte Frau Regionalbischöfin,
Sie haben in Ihrer Einladung an mich folgendes geschrieben:
„Unsere Gesellschaft lebt von der Freude über die Vielfalt und von der Idee einer Weltgemeinschaft, von der Jesus von Nazareth als dem herbeikommenden Reich Gottes gepredigt hat.“
Die christlichen Kirchen haben in der Tat, ausgehend vom christlichen Menschenbild, hier einen originären Auftrag. Ich danke Ihnen, Frau Breit-Keßler, dass Sie mit diesem Empfang öffentlichkeitswirksam den christlichen Auftrag der Völkerverständigung unterstreichen und den ehrenamtlich Engagierten für ihren großen Einsatz danken.
Ich bin überzeugt: Für ein gelingendes Miteinander sind wir alle verantwortlich. Jeder muss bei sich anfangen, damit Gemeinschaft und Gesellschaft gelingen können. Nur dann werden sich Menschen aus allen Kulturen anerkannt, wertgeschätzt und „In der Welt zuhause“ fühlen.
Verehrte Gäste,
herzlichen Dank noch einmal für Ihr Engagement und einen abwechslungsreichen Abend!