Rede

Eröffnung der Landesgartenschau in Bamberg

Datum der Rede: 26.04.12 Rednerin/Redner: Ministerpräsident Horst Seehofer

Manuskriptfassung: Es gilt das gesprochene Wort.

I. STADT BAMBERG: UM NOCH EINE ATTRAKTION REICHER

- Anrede -

Ich nehme an, dass Sie mit mir vollkommen einer Meinung sind, wenn ich sage: Es war an der Zeit, dass die Landesgartenschau zu Ihnen, zu den ausgewiesenen Naturliebhabern, Gärtnern und Häckern, den „Zwiebeltretern“ gekommen ist.

Bamberg

  • unser fränkisches Rom,
  • UNESCO-Welterbe,
  • Kaiserstadt,
  • Bischofssitz,
  • Biermekka,
  • Kulturmetropole,
  • Deutscher Meister und Pokalsieger

ist jetzt um noch eine Attraktion reicher.

Ich war letztes Jahr beim fünften Finalspiel der Brose Baskets gegen Alba Berlin um die deutsche Basketballmeisterschaft dabei [am 18. Juni 2011 in Bamberg]. Ein großes Spiel und ein großer Erfolg für ganz Bayern! Ich habe damals gesagt: „Die Bamberger bleiben das Maß aller Dinge in der Basketball-Bundesliga.“ So wie es gerade ausschaut, soll ich Recht behalten. [Die Brose Baskets führen die Bundesliga-Tabelle an und können auch 2012, zum dritten Mail in Folge, noch das Double aus Meisterschaft und Pokalsieg holen.]

Sie, die Bamberger, sind das Maß aller Dinge – unter dem Korb und im Garten sowieso. Mit Ihrer Landesgartenschau 2012 haben Sie aus einer Industriebrache eine bunte Vielfalt erschaffen [Erba-Insel ist das Gelände der ehemaligen Baumwollspinnerei Erlangen-Bamberg ERBA, Brache seit 1992], eine Oase der Erholung für Sie selbst und eine Heimat für viele Pflanzen und Tiere. Die Idee der Landesgartenschauen ist vitaler und attraktiver denn je. Deshalb sage ich ohne Übertreibung: Heute ist ein Festtag für Bamberg, für Oberfranken und für ganz Nordbayern!

Herzlichen Glückwunsch zu dieser Landesgartenschau – einem Glanzstück für unser umweltbewusstes und unser lebenswertes Bayern!

Zu diesem Erfolg haben viele Menschen beigetragen. Sie alle können stolz darauf sein! Mein Respekt und mein Dank gilt Ihnen allen!

II. STADT UND NATUR GEHÖREN ZUSAMMEN

Ich war vor wenigen Wochen in Brasilien, in São Paulo, dem größten industriellen Ballungsraum in Lateinamerika. São Paulo ist Heimat von rund 20 Millionen Menschen und damit eine der größten Städte der Erde. In São Paulo leben beinahe doppelt so viele Menschen wie bei uns in Bayern. Parks und Grünanlagen habe ich dort kaum gesehen.

Das ist ein ganz anderes Leben, das die Menschen dort führen. Der Bezug zur Natur spielt eine untergeordnete Rolle.

Für uns in Bayern ist die Natur eine Kraftquelle – gerade im Zeitalter von Globalisierung und immer rascherer Beschleunigung im Alltag. Deshalb pilgern so viele Menschen zu unseren Landesgartenschauen.

Nur wer Natur erlebt, im Alltag erlebt, weiß sie auch im täglichen Leben zu schätzen und zu schützen. Davon bin ich überzeugt.

Natur- und Umweltschutz gelingen nur, wenn wir eine emotionale Bindung zu unserer Umwelt haben. Deshalb bringen wir mit den Landesgartenschauen noch mehr Natur in unsere Städte und damit noch stärker in den städtischen Alltag. Jeder Einzelne soll nicht nur wissen, sondern fühlen, riechen und schmecken, wie wertvoll der Erhalt von Natur und Umwelt für ihn selbst und seine Kinder ist!

Wer die Natur liebt, für den ist Umweltschutz keine lästige Pflicht, sondern ein Bedürfnis aus eigenem Antrieb.

Und wer diese Liebe zur Natur sehen will, der muss hierher, der muss nach Bamberg kommen!

III. UMWELTSCHUTZ IN BAYERN KOMMT VON HERZEN

Wir haben in Bayern schon 1970 ein Umweltministerium gegründet. Das war eine Pionierleistung in Europa. Wir haben unsere Verantwortung gegenüber Natur und Umwelt in unserer Bayerischen Verfassung verankert. Zugleich ist der Staatsregierung bewusst: Staatliches Handeln leistet einen wichtigen, aber nur einen begrenzten Beitrag für den Umweltschutz. Entscheidend ist das aktive Engagement jedes Einzelnen.

Und darauf können wir in Bayern stolz sein:

  • Bis 1990 ist das Abfallaufkommen in unserem Land noch gestiegen. Seitdem ist es auf gleichem Niveau geblieben – und das trotz 35 Prozent Wirtschaftswachstum.
    [2010 fielen im Durchschnitt in Bayern pro Einwohner rund 511 Kilogramm Abfall an.]
    Und mehr als 70 Prozent unserer Abfälle werden wiederverwertet.
    Wir können sagen: Wir nutzen heute die Ressourcen um über 70 Prozent wirksamer als noch zu Beginn der 90er Jahre.
    Das ist ein riesiger Fortschritt für unsere Umwelt! Und das zeigt: Umweltschutz, neue Technik und Wachstum sind keine Gegensätze, sondern gehören zusammen.
  • Der bayerische Stromverbrauch ist stabil und unser CO2-Ausstoß rückläufig.
    [Stromverbrauch 2007: 80 Mrd. kWh; 2008: 81 Mrd. kWh; 2009: 78 Mrd. kWh; 2010: 83 Mrd. kWh; CO2: Rückgang von 84,5 Mio. Tonnen 1990 auf 80,4 Mio. Tonnen 2008]
    Der bayerische energiebedingte CO2-Ausstoß beträgt pro Kopf und Jahr rund sechs Tonnen. Damit liegen wir in Bayern ein Drittel unter dem Bundesdurchschnitt von rund neun Tonnen.
    Auch hier haben wir Wachstum und Umweltbelastung erfolgreich entkoppelt.

Um unseren Wohlstand zu erwirtschaften, brauchen wir heute in Bayern viel weniger Ressourcen als vor 20 Jahren.

Mehr Wirtschaftswachstum und weniger Ressourcenverbrauch gehen in Bayern in weiten Teilen Hand in Hand.

Das ist ein beispielhafter, ein großartiger Erfolg, auf den wir zu Recht stolz sein können!

Das ist meine Überzeugung: Den Einsatz für Natur und Umwelt kann man nicht verordnen. Unser Einsatz für Natur und Umwelt muss von Herzen kommen!

Wir in Bayern verbinden wirtschaftlichen Erfolg mit Lebensqualität und Bewahrung der Schöpfung. Wir sind in Bamberg und in ganz Bayern Vorreiter in Sachen Umweltschutz, weil wir unsere Natur und weil wir unsere Heimat lieben. Der Niederbayer genauso wie der Oberbayer und der Unterfranke genauso wie der Oberfranke.

Dafür danke ich Ihnen, liebe Bamberger, hier und heute stellvertretend für alle Bürgerinnen und Bürger in unserem Land!

Wir in Bayern setzen beim Umweltschutz auf Kooperation statt Konfrontation. Dafür steht der Umweltpakt Bayern. Seit 1995 ist der Umweltpakt Vorbild für die freiwillige Zusammenarbeit der Wirtschaft mit dem Staat zum Schutz der Umwelt. 34 Bamberger Unternehmen haben ihn unterzeichnet.

Anfang des Jahres haben die Stadtwerke Bamberg und die Joseph-Stiftung eine Allianz zugunsten der Umwelt geschlossen.

Ihr Engagement in Bamberg ist beispielhaft!

Wir pflegen unsere Umwelt, weil wir um ihren Wert für uns und für unsere Kinder und Enkelkinder wissen. Ohne Natur kein Leben. Wir wissen: Unsere Erde ist ein Geschenk.

Jede zukunftsfähige Gesellschaft braucht Werte, die über das Hier und Heute hinausweisen. Diese Werte werden von den Menschen in Bayern gelebt, aus christlicher Tradition, aus Liebe zur Familie und aus Liebe zum Land. Deshalb wollen die Menschen in Bayern auch eine Politik, die über den Tellerrand und den Egoismus der Gegenwart hinausweist.

Der Staat kann diese gelebten Werte nicht schaffen. Aber er muss sie fördern, pflegen und verteidigen. Und dafür stehen auch unsere Landesgartenschauen!

Unser Bayern ist Modell für die Symbiose von Ökologie und Ökonomie. Bayern steht für wirtschaftlichen Erfolg und für eine gesunde Umwelt. Wir setzen auf die Verbindung von Erfolg und Lebensqualität. Das zeichnet Bayern aus!

IV. BAYERN: VORZEIGELAND FÜR DIE ENERGIE DER ZUKUNFT

Diesen Weg gehen wir weiter: Wir machen Bayern zum Vorzeigeland für die Energieversorgung der Zukunft – sicher, sauber, wettbewerbsfähig und für jeden bezahlbar.

Wir werden in Bayern die Chancen des neuen Energiezeitalters offensiv und mit großem Einsatz nutzen.

Bayern ist schon heute das Land der dezentralen Energieversorgung und der Bürgerenergie. In zehn Jahren wollen wir 50 Prozent unseres Stroms aus erneuerbaren Energien gewinnen. Das ist sehr ehrgeizig, aber mit einer großen Gemeinschaftsleistung können wir das schaffen.

Wir wollen in den nächsten fünf Jahren 1 Milliarde Euro zusätzlich für das neue Energiezeitalter und den Klimaschutz investieren.

Bei der Umwelt- und Energietechnik hat Bayern beste Karten für Technologieführerschaft, Export von High-Tech und neue Arbeitsplätze. Das schafft wirtschaftliche Perspektiven gerade für den ländlichen Raum und für unsere Land- und Forstwirtschaft in Oberfranken und überall im Land.

Ich freue mich, dass Bamberg mit dem Fischpass auf seiner Landesgartenschau ein Zeichen für umweltverträgliche Energie aus Wasser setzt. Der Fischpass zeigt, Wasserkraft und die Anliegen von Naturschutz und Fischerei gehen zusammen.

[Der Fischpass überwindet einen Höhenunterschied von vier Metern auf nur 1,2 km Länge und ermöglicht es den Regnitz-Fischen wieder am Erba-Kraftwerk vorbei flussaufwärts zu ziehen; bislang war der Weg den Fischen versperrt.]

Erst vergangene Woche haben wir im Kabinett die Vorteile der Wasserkraft beraten. 60 Prozent unseres Stroms aus erneuerbarer Energie kommt aus der Wasserkraft. Wir werden die Wasserkraft in Bayern weiter ökologisch verträglich ausbauen, vor allem durch die Modernisierung bestehender Anlagen. Die Wasserkraft hat gegenüber der Sonne und dem Wind einen ganz entscheidenden Vorteil: Sie ist jederzeit verfügbar und damit grundlastfähig.

Wir brauchen für die Energie der Zukunft in Bayern mehr grundlastfähige Wasserkraft, aber auch mehr Gaskraftwerke. Da hapert es noch gewaltig. Und wir brauchen mehr Stromtrassen von Nord- nach Süddeutschland und mehr Stromleitungen in unserem Land selbst. Da müssen wir in Bund und Land Fortschritte machen.

Wir wollen Bayern zum Vorzeigeland für die Energie der Zukunft machen!

Unsere europäischen Nachbarn, die weiter an der Kernkraft festhalten, beäugen unser Tun argwöhnisch, genauso die USA oder Japan. Sie haben Angst, dass wir ihnen davon laufen; zu Recht. Mit Wachstum und Kraft zu Neuem, mit Ideen und Innovationen schaffen wir den Fortschritt zum Schutz der Umwelt und der Ressourcen, aber auch zum dauerhaften Erhalt von Wohlstand und Arbeitsplätzen.

Mit einem Welthandelsanteil von 15,4 Prozent hat Deutschland schon jetzt einen Spitzenplatz beim Export von Umweltschutzgütern. Wir haben derzeit bundesweit knapp zwei Millionen Beschäftigte in der Umweltwirtschaft – ein neuer Höchststand; Tendenz steigend.

Für die erneuerbaren Energien wie Photovoltaik, Solarthermie, Biogasanlagen und Windenergie werden jährlich weltweite Wachstumsraten des Umsatzes von 15 bis über 30 Prozent erwartet – eine große Chance für unsere bayerischen Unternehmen. Wir sind ganz vorne mit dabei!

Wir haben in Deutschland und in Bayern ein neues Kapitel in der Energiegeschichte aufgeschlagen. Unser Ziel ist die nachhaltige Ökonomie des 21. Jahrhunderts. Wir bereiten den Weg, viele andere werden folgen.

Dafür steht Bayern:
Zukunft statt Blockade!
Anpacken statt Jammern!
Und dafür stehen auch die Bamberger!

V. „AUFBRUCH BAYERN“: MIT KRAFT IN DIE ZUKUNFT

- Anrede -

Wir in Bayern gehen mit Kraft in die Zukunft. Die Strategie der Bayerischen Staatsregierung heißt „Aufbruch Bayern“. Aufbrechen zu neuen Ufern mit neuen Ideen. Wir halten Bayern auf Kurs Zukunft!

„Aufbruch Bayern“, das heißt auch: Im Mittelpunkt steht der Mensch. Wir stärken Heimatliebe und Identität. Wir wollen, dass Bayern auch in Zukunft Geborgenheit und Halt bietet in einer globalen Welt. Wir arbeiten für ein menschliches und modernes Bayern. Das sind die Leitlinien unserer Strategie „Aufbruch Bayern“ und das ist auch ein Anliegen unserer Landesgartenschauen.

Mit dieser Politik der Verantwortung und vor allem mit seinen großartigen Menschen steht Bayern die Zukunft offen.

Auch in Zukunft wird gelten: Bayern ist nicht nur dynamischer Standort, sondern lebens- und liebenswerte Heimat. Das ist die Botschaft auch der Landesgartenschau in Bamberg.

Ich wünsche der bestens angelegten Landesgartenschau einen reibungslosen Verlauf, strahlende Sonne und viele viele Millionen Besucher!

Ich rufe allen Naturfreunden aus nah und fern zu: Kommt nach Bamberg, es lohnt sich!