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Rede
Podiumsdiskussion zum Thema „Zukunftskommission Landwirtschaft – Ergebnisse und Perspektiven“
Datum der Rede: 14.05.12 Rednerin/Redner: Ministerpräsident Horst SeehoferManuskriptfassung: Es gilt das gesprochene Wort.
I. WÜRDIGUNG DER BAYWA UND DANK AN GERD SONNLEITNER
- Anrede -
Ihnen allen ein herzliches Grüß Gott!
Die BayWa und Bayern – das gehört im ländlichen Raum untrennbar zusammen. Unsere Bauern schätzen die BayWa seit Jahrzehnten als verlässlichen Partner. Hinter dem unscheinbaren Namen „Bayerische Warenvermittlung“ steckt ein internationaler Dienstleistungs- und Handelskonzern mit rund 3.000 Vertriebsstandorten auf drei Kontinenten [Europa, USA, Neuseeland].
Sehr geehrter Herr Lutz, bei Ihnen stehen über 16.000 Menschen in Lohn und Brot, davon rund 7400 in Bayern. Die BayWa ist ein Aushängeschild für den Wirtschaftsstandort Bayern! Ich schätze jedes Gespräch mit Ihnen sehr. Sie denken nicht nur an den wirtschaftlichen Erfolg, sondern auch an das Gemeinwohl und die Zukunft Bayerns. Dafür sage ich Ihnen Respekt und Dank!
Lieber Gerd Sonnleitner,
„Der Bauernpapst tritt ab“, so schreibt die Presse [SZ, 02.05.2012]! 15 Jahre an der Spitze des Deutschen Bauerverbandes [bis Ende Juni 2012], über zwei Jahrzehnte Bauernpräsident in Bayern [1991 bis 03.05.2012] und noch bis 2013 an der Spitze des europäischen Bauernverbandes [COPA] – das macht Ihnen so schnell keiner nach! Sie haben das Bild vom modernen Landwirt als unternehmerisch denkenden Menschen geprägt. Landwirtschaft war für Sie immer Leistungsträger und nicht Leistungsempfänger. Als überzeugter Europäer haben Sie in Europa genauso kraftvoll für die Interessen Ihrer Bauern gestritten wie in Bund und Land. Ich selbst habe Sie als Kämpfer erlebt: hart in der Sache, aber immer fair und verlässlich.
Lieber Gerd Sonnleitner, ich danke Ihnen für Ihren unermüdlichen Einsatz für unsere bäuerliche Landwirtschaft! Ich danke Ihnen für Ihr großes Engagement für unsere bayerischen Bäuerinnen und Bauern! Sie haben Großes geleistet für Bayern, Deutschland und Europa.
- Anrede -
Die Land- und Forstwirtschaft ist heute eine der innovativsten Säulen unserer Wirtschaft. Hier gilt: Wer stehen bleibt, fällt zurück.
Mit der „Zukunftskommission Landwirtschaft“ haben wir vor drei Jahren [Juli 2009] eine breite gesellschaftliche Diskussion über die zukünftige Rolle unserer bayerischen Landwirtschaft angestoßen. Unser Ziel ist klar: Wir wollen ein vernünftiges Gleichgewicht zwischen Ökonomie, Ökologie und sozialer Verantwortung schaffen. Heute stelle ich fest: Wir sind auf einem guten Weg! Das Landwirtschaftsministerium hat die rund 200 konkreten Vorschläge der Kommission geprüft und wichtige Punkte umgesetzt. Mit dem „Bayernplan 2020“ verankern wir unsere bayerische Land- und Ernährungswirtschaft stärker im Bewusstsein der Menschen.
Ich danke allen Kommissionsmitgliedern, insbesondere Ihnen, Herr Dr. Fischler, für Ihr großes Engagement in den letzten drei Jahren. Mit Ihrer Arbeit geben Sie unserer bäuerlichen Landwirtschaft in Bayern auch im 21. Jahrhundert Perspektiven. Mit Ihren Vorschlägen und mit einer engen Zusammenarbeit von Staatsregierung und Landwirtschaft wollen wir erreichen, dass auch weiterhin gilt: Die Landwirtschaft in Bayern hat Zukunft und sie bietet Zukunft!
II. STARKE LANDWIRTSCHAFT – STARKES BAYERN
- Anrede -
Bayern steht hervorragend da. Mit einer Arbeitslosigkeit von 3,7 Prozent haben wir praktisch Vollbeschäftigung [niedrigster Aprilwert seit 20 Jahren]. Bayern ist das einzige Bundesland mit einer „3“ vor dem Komma. Der Abstand zwischen den besten und dem „schlechtesten“ Regierungsbezirk [Mittelfranken] hat massiv abgenommen [nur noch 1,3 Prozent]. Besonders freue ich mich, dass unsere vier besten Bezirke aus Altbayern, Schwaben und Franken kommen [Niederbayern, Oberpfalz, Schwaben und Unterfranken]. Das beweist: Bayern bietet beste Chancen überall im Land! Nur 2,8 Prozent unserer Jugendlichen haben keine Arbeit. Davon können andere Länder in Europa nur träumen. [Jugendarbeitslosigkeit in Spanien laut Eurostat bei 50,5 Prozent; „Deutsche MittelstandsNachrichten“, 28.04.2012]
Mit Blick auf Nordrhein-Westfalen [8,3 Prozent] und Rheinland-Pfalz [5,4 Prozent], wo die Arbeitslosenquote stagniert, sage ich: Der bayerische Spitzenplatz ist nicht selbstverständlich! Er ist vor allem das Ergebnis unserer tatkräftigen Menschen überall im Land. In Bayern gilt: Anpacken statt Wehklagen!
Für diese Erfolgsbilanz stehen auch unsere 114.000 landwirtschaftlichen Betriebe im Freistaat. Sie sind das Rückgrat des ländlichen Raums in Bayern. Mein besonderer Dank gilt heute unseren Landwirten. Sie haben keine 35-Stunden-Woche, keine 30 Tage Urlaub, keinen Sonntagszuschlag, kein Weihnachtsgeld. Sie sorgen für gesunde Nahrungsmittel und Lebensqualität in Bayern. Sie erhalten und pflegen unsere vielfältige Kulturlandschaft. Sie geben unseren Landschaften ihr unverwechselbares Gesicht. Und sie prägen ein positives gesellschaftliches Klima: für Unternehmertum, für Eigenverantwortung, für den sozialen Zusammenhalt.
Die Menschen fühlen sich wohl in unserer Heimat. Nach einer Umfrage des Bayerischen Rundfunks [09.06.2010] sind weit über 90 Prozent der Menschen in Bayern glücklich, hier zu leben. Das ist auch Ihr Verdienst! Dafür mein höchster Respekt und Dank!
- Anrede -
Mit unserer Zukunftsstrategie „Aufbruch Bayern“ investieren wir wie kein anderes Land in unsere Familien, in Bildung, Innovationen, in die erneuerbaren Energien und in den ländlichen Raum.
Bei der Infrastruktur haben wir erst vor wenigen Wochen nochmals nachgelegt: Wir haben im Nachtragshaushalt 2012 100 Mio. Euro für das schnelle Internet beschlossen [für das laufende Jahr]. Wir machen unseren ländlichen Raum fit für die Zukunft.
Das Internetzeitalter ist eine Riesenchance auch für unsere Landwirte. Ich denke an die Direktvermarktung regionaler Produkte und „Urlaub auf dem Bauernhof“. Im letzten Jahr hatten wir rund 12,3 Mio. Übernachtungen in 5.500 Betrieben. Der Tourismus in Bayern boomt [2011 insgesamt 90,3 Mio. Gästeübernachtungen]!
Mit dem schnellen Internet können unsere Landwirte noch besser für sich und Ihre Produkte werben – und das weltweit. Traditionsbewusst und modern – das gehört in Bayern zusammen. Dafür sind unsere Bauern das beste Beispiel!
III. MIT ENERGIE IN DIE ZUKUNFT
- Anrede -
Wir setzen auf innovative Unternehmen, die zusammen mit den Menschen vor Ort die Energiewende umsetzen. Auf meiner Zukunftsreise in Ansbach [26.04.2012] habe ich die Firma AgriKomp besucht: Das Unternehmen baut und wartet Biogasanlagen für ganz Europa. Bei AgriKomp entsteht die Energie der Zukunft! [70 Prozent aller erneuerbaren Energien in Bayern werden derzeit aus Biomasse erzeugt.]
Bayerische Landwirte sind offen für Neues. Der Aufbruch in ein neues Energiezeitalter ist eine riesige Chance für alle Landwirte und Waldbesitzer.
Ich sage ganz deutlich: Die Energiewende kann nur zusammen mit den Landwirten und Waldbesitzern gelingen. Wir brauchen ihre Flächen. Die Energiewende findet im ländlichen Raum statt, nicht in den Ballungsräumen. Der Druck auf land- und forstwirtschaftliche Produktionsflächen wird zunehmen. Ein sorgsamer Umgang mit Grund und Boden ist deshalb wichtig.
Eines ist klar: Der Umbau der Energieversorgung wirkt wie ein gewaltiges Konjunkturprogramm für den ländlichen Raum, mit Investitionen in Milliardenhöhe. Allein im Nachtragshaushalt 2012 sind 126,5 Millionen Euro für Energie und Klimaschutz vorgesehen, bis 2016 eine Milliarde Euro zusätzlich! Das schafft kein anderes Land!
Wir in Bayern wollen bis zum Jahr 2020 die Hälfte unseres Strombedarfs mit erneuerbaren Energien decken – zuverlässig und bezahlbar. Die dezentrale Energieversorgung spielt dabei eine herausragende Rolle. Wir machen Bayern zum Land der Bürgerenergie. Wir wollen, dass Projekte gemeinsam mit den Bürgern entstehen. Wir machen Betroffene zu Beteiligten.
Unsere Landwirte haben bei der Biomasse [Gülle, freiwerdendes Grünland, Restprodukte aus Land- und Ernährungswirtschaft] schon große Vorleistungen erbracht. Wenn wir die Potenziale optimal ausschöpfen, ist eine Verdoppelung der bisherigen Leistung realistisch. Auch bei der möglichen Wärmenutzung gibt es noch Potenzial. Das wollen wir konsequent nutzen. Mein Ziel: Energieproduktion und Wertschöpfung bleiben bei uns im Land.
Für mich steht aber fest: Die Lebensmittelerzeugung bleibt die vorrangige Aufgabe unserer Landwirte. Auch in Zukunft gilt: Teller vor Tank!
IV. MARKE „BAYERN“ – EXPORTSCHLAGER UND REGIONALE KRAFT
- Anrede -
Lebensmittel aus Bayern stehen für höchste Qualität. Das schätzen die Menschen bei uns und in der ganzen Welt.
Im letzten Jahr haben bayerische Landwirte Agrarprodukte im Wert von 7,75 Mrd. Euro exportiert – rund 12,4 Prozent mehr als 2010 und soviel wie nie zuvor. [Die gesamtwirtschaftlichen Ausfuhren haben von 2010 bis 2011 nur um ca. zehn Prozent zugelegt]. Das Agrarbusiness ist der viertgrößte Wirtschaftszweig im Freistaat. Mit der Bayerischen Marketingagentur [seit Juli 2011] haben wir eine zusätzliche Vermarktungsoffensive für Lebensmittel aus Bayern gestartet. Wir machen uns stark für die Marke „Bayern“!
Jeder in der Welt kennt den FC Bayern und BMW. Das wollen wir auch für unseren Frankenwein und unseren Allgäuer Käse erreichen! Mit unseren regionalen Spezialitäten exportieren wir nicht nur hochwertige Lebensmittel. Wir exportieren auch unser einmaliges bayerisches Lebensgefühl. Das beste Beispiel ist unser Exportschlager Oktoberfest: Ob in China, Brasilien, Russland oder Amerika – überall feiern die Menschen ihr Oktoberfest. Überall schätzen die Menschen bayerische Schmankerl und bayerische Gemütlichkeit. Das ist eine gewaltige Imagekampagne für unsere Heimat!
Regionale Produkte sind auch bei uns in Bayern ein Megatrend. Immer mehr Menschen wollen wissen, wo ihre Nahrungsmittel herkommen und wie sie produziert werden. Der Wunsch nach gesundem Essen nimmt zu.
Der Trend zum Regionalen ist eine riesige Chance für unsere Landwirte und für ganz Bayern. Nirgends ist der Tisch so reich gedeckt wie bei uns! Bayerns Stärke ist seine Vielfalt.
Die Bayerische Staatsregierung unterstützt diesen Trend nach Kräften:
- Mit der Gründung des Kompetenzzentrums für Ernährung wollen wir Bayern zum Vorzeigeland für gesunde Ernährung machen. [Das KErn ist ein „Aufbruch Bayern“-Projekt an den Standorten Freising-Weihenstephan und Kulmbach.]
- 19 regionale Spezialitäten aus Bayern haben heute den Herkunftsschutz der Europäischen Union. Wir wollen ein neues Bayerisches Regionalsiegel einführen – für noch bessere Vermarktungschancen unserer heimischen Produkte.
- Landwirtschaftsminister Brunner wird für die neue EU-Förderperiode ein Landesprogramm „Ökolandbau“ auflegen. Wir wollen die Zahl der Ökoprodukte aus Bayern bis 2020 verdoppeln.
Ob traditionell oder Ökolandbau – unsere Landwirte beweisen: Unsere bayerische Qualität hat Zukunft – daheim und in der Welt!
- Anrede -
Warum ist Bayern, warum sind seine Produkte so attraktiv?
Der bayerische Unternehmer Claus Hipp erklärt unser Selbstbewusstsein und unseren Erfolg so: „Dass Bayern jahrhundertelang ein Agrarstaat war, hat die Volksseele geprägt. Ein Bergvolk kann oft nicht auf Hilfe hoffen. Ein Bergbauer, der eingeschneit ist, muss alles selbst machen [...]. Das ist gelebte Unabhängigkeit, die sich auch im Großen niederschlägt.“ [Welt am Sonntag, 19.02.2012]
Wir in Bayern wissen um unsere geistig-kulturellen Wurzeln. Aus unserer tiefen Verbundenheit zu unserer Heimat schöpfen wir die Kraft zur Zukunft. Lassen Sie uns weiter gemeinsam arbeiten für eine lebens- und liebenswerte Heimat!
Ich freue mich auf eine anregende Podiumsdiskussion!