Rede

600 Jahre Kötztinger Pfingstritt

Datum der Rede: 28.05.12 Rednerin/Redner: Ministerpräsident Horst Seehofer

Manuskriptfassung: Es gilt das gesprochene Wort.

I. 600 JAHRE KÖTZTINGER PFINGSTRITT – GELEBTE HEIMATLIEBE

- Anrede -

Ich bin beeindruckt!

Reiterprozession, Gottesdienst, tausende begeisterte Menschen, da geht mir das Herz auf!

Gebet, herrliche Trachten und über 900 Mann hoch zu Ross – der „Kötztinger Pfingstritt“ ist ein Höhepunkt bayerischer Lebenskultur. Darauf sind wir stolz. Das macht uns keiner nach!

Wer sehen will, was Bayern so besonders und lebenswert macht, der muss zu uns nach Kötzting kommen!

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Ihnen, Herr Bürgermeister Ludwig, für die Einladung zum Kötztinger Gelöbnisritt.

Seine Eminenz Bischof Müller und weitere Geistliche führen das Allerheiligste mit. [Seit 2004 darf der Kötztinger Pfingstritt wieder als Eucharistische Prozession durchgeführt werden.] Das verleiht dem Pfingstritt seine religiöse Kraft.

Organisatoren, Mitwirkende und Helfer – Sie alle zeigen Ihre Liebe zur Region und zu unserer bayerischen Heimat.

Die Kötztinger halten Wort – und das schon 600 Jahre lang! Meinen herzlichen Glückwunsch zu diesem beeindruckenden Jubiläum! Das ist bayerische Verlässlichkeit und Treue. Das ist Bürgersinn, der seinesgleichen sucht.

Der Pfingstritt ist eine Liebeserklärung an unsere Heimat und unsere Traditionen.

Mit dem Pfingstritt legen Sie alle ein öffentliches Bekenntnis ab zum christlichen Glauben und für unsere Lebenskultur.

Wir in Bayern bekennen Farbe. Wir haben ein starkes Wertefundament und wir sind fest verankert in unseren christlichen Traditionen.

Dabei wissen wir: „Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers.“ [Gustav Mahler]

Bad Kötzting ist dafür der beste Beweis: Mit Ihrem Pfingstritt halten Sie alle das Feuer am Brennen. Sie geben die Begeisterung an unsere Kinder weiter.

Ich sage Dank, Respekt und ein herzliches „Vergelt’s Gott“.

II. STARKE WERTE – STARKE ZUKUNFT

- Anrede -

Ich war vor Kurzem in Brasilien. Überall Hochachtung und Respekt für unsere Heimat Bayern. „Ihr seid da, wo wir hinwollen“ – diesen Satz höre ich oft. Eine schönere Bestätigung für unsere Politik kann ich mir nicht wünschen.

Neben der Internationalisierung ist die Pflege von Identität und Geschichte im eigenen Land das Leuchtfeuer für die Zukunft.

Heimatliebe und Weltoffenheit - beides gehört zusammen, beides macht Bayern zukunftsfähig.

Unser bayerisches Erfolgsrezept hat der Publizist Wolfram Weimer so in Worte gefasst:

„Das Erfolgsgeheimnis des Südens ist nicht […] zufälliger, es ist kultureller Natur.“ [Cicero, 11/2006]

Tatsächlich leben laut einer Studie des Bayerischen Rundfunks 95 Prozent aller Bayern gerne hier. Die Menschen schätzen die Vielfalt und den Reichtum Bayerns an Kunst, Geschichte und Kultur [BR-Studie 2010].

Auch wegen unserer kulturellen Attraktivität sind seit 1990 per saldo mehr als 1,3 Millionen Menschen zu uns nach Bayern gezogen. Rund 800.000 aus anderen Teilen Deutschlands und über 500.000 aus dem Ausland. 1,3 Millionen – das sind mehr Menschen, als die Oberpfalz Einwohner hat [ca. 1,08 Mio. Einwohner]. Dieser Zuzug ist eine Abstimmung mit dem Umzugswagen!

Wir in Bayern wissen: Kultur ist kein Luxus, sondern unser Lebenselixier. Wir schöpfen Stärke aus unserer Identität und unserem bayerischen Lebensgefühl.

Zwei Strömungen prägen unser Leben: in räumlicher Hinsicht die Globalisierung, die wachsende Bedeutung der weltweiten Verflechtung. Und zum andern die rasante Veränderung in der zeitlichen Dimension, die globale Beschleunigung.

Gerade im Zeitalter der Globalisierung und der Beschleunigung brauchen wir starke Wurzeln und innere Sicherheit aus Kontinuitäten. Kulturelle Höhepunkte wie der „Kötztinger Pfingstritt“ sind Oasen der Entschleunigung, Quellen unserer Kraft, Grundlage innerer Gelassenheit.

Bayerns Stärke sind seine heimatliebenden und tatkräftigen Menschen. Liebe Kötztinger, Bayerns Stärke sind Menschen wie Sie!

Dabei weiß ich: Die besondere bayerische Lebensart können wir nicht von „oben“ und „von Staats wegen“ verordnen. Das wollen wir auch gar nicht.

Aber mit meinem Besuch hier in Kötzting möchte ich einen Beitrag leisten: Der Staat darf nicht werteblind und geschichtsvergessen sein. Bayern ist ein Kulturstaat. Und dafür arbeiten wir in der Staatsregierung. Dafür arbeiten alle Beteiligten hier in Kötzting.

III. KULTURKONZEPT DER BAYERISCHEN STAATSREGIERUNG

- Anrede -

Uns geht’s gut in Bayern, sehr gut sogar. Mit einer Arbeitslosigkeit von 3,7 Prozent haben wir praktisch Vollbeschäftigung [niedrigster Aprilwert seit 20 Jahren]. Bayern ist das einzige Bundesland mit einer „3“ vor dem Komma. Kein anderes Land kann da mithalten!

Die Oberpfalz ist Spitze. Im Landkreis Cham waren nur 3,1 Prozent der Menschen ohne Arbeit [Stand April 2012]! Von der „Steinpfalz“ zum Top-Wirtschaftsstandort – das ist die Oberpfälzer Erfolgsgeschichte. Darauf können Sie alle stolz sein!

Bad Kötzting ist heute ein anerkannter Kurort, Mekka für chinesische Medizin und Vorsorgemedizin. Hier wird Zukunft gestaltet.

Wir in Bayern wissen: Unsere Erfolge fallen nicht vom Himmel. Unsere Erfolge haben einen Grund:

Ohne gemeinsame Kultur gibt es keine Kraft zur Zukunft.

Ohne gemeinsame Werte gibt es keine Solidarität.

Ohne Liebe zum Land und seinen Menschen gibt es keine Motivation zur Nachhaltigkeit.

Aus dem Wissen um das „Woher?“ schöpfen wir die Kraft für das „Wohin?“. Bayern ist so zukunftsstark, weil es traditionsstark ist.

Deswegen ist es für mich als Ministerpräsident ein Herzensanliegen, das kulturelle Fundament Bayerns zu stärken und weiter auszubauen.

Wir entwickeln gerade ein umfassendes Kulturkonzept. Wir wollen allen unseren bayerischen Regionen helfen, ihre kulturellen Stärken noch besser zu entfalten – von Museumsbauten und der Kulturpflege bis zur Kaiserburg in Nürnberg. Das ist Teil unserer Verhandlungen zum nächsten Doppelhaushalt für die Jahre 2013 und 2014.

Mit dem Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg schaffen wir eine Liebeserklärung an unsere Heimat. Das wird ein weiterer Besuchermagnet für die Oberpfalz.

Mit dem Sudetendeutschen Museum in München wollen wir die Kultur und die Leistungen der Sudetendeutschen bei uns in Bayern lebendig halten.

Nur wer seine Geschichte kennt, kann auch Zukunft gestalten.

Ohne unsere mehr als 1000-jährige Geschichte wäre Bayern heute nicht das, was es ist – ein Zukunftsland, ein Land der unbegrenzten Chancen, ein Land der Lebensqualität.

Unser Credo heißt: Dynamik aus Stabilität, Zukunft aus Herkunft!

IV. AUFBRUCH BAYERN: DIE SOLIDEN SIND DIE STARKEN

- Anrede -

Wer stehen bleibt, fällt zurück. Deshalb investieren wir jedes Jahr 5 Mrd. Euro in die Zukunft. Unsere Strategie heißt: „Aufbruch Bayern. Für Familie, Bildung, Innovation.“

Bei uns in Bayern gilt: Zukunftschancen überall im Land. Wir stehen für gleichwertige Lebensverhältnisse überall in Bayern.

Dieses Ziel ist uns so wichtig, dass wir es in der Bayerischen Verfassung verankern wollen.

Ich habe die Zukunft der ländlichen Räume zur Chefsache gemacht. Ergebnis ist der „Aufbruch Bayern. Aktionsplan Demografischer Wandel“. Wir investieren bis 2016 zusätzlich 1,3 Mrd. Euro in unsere ländlichen Räume – z.B. für schnelles Internet und Verkehrsinfrastruktur. Das schafft kein anderes Land in Deutschland!

Wir in Bayern können Zukunft gestalten. Und das soll auch morgen noch gelten. Dafür haben wir uns ein großes Ziel gesetzt: Bayern soll 2030 schuldenfrei sein. Die Geschichte Europas zeigt: Die Soliden sind die Starken!

V. AUF WEITERE 600 JAHRE PFINGSTRITT

Liebe Kötztinger,

der Pfingstritt steht für alles, was wir an Bayern lieben. Hier lässt sich gut leben.

Ich kann nur sagen: Großartig, weiter so in den nächsten 600 Jahren!

Ich wünsche Ihnen allen einen schönen Pfingstmontag und Gottes Segen!