Inhalt
Rede
Tag der Franken in Schwabach
Datum der Rede: 07.07.12 Rednerin/Redner: Ministerpräsident Horst SeehoferManuskriptfassung: Es gilt das gesprochene Wort.
- Anrede -
Ein herzliches „Grüß Gott“ allen Schwabachern, allen Franken und Bayern!
Ich freue mich sehr, Sie heute als Bayerischer Ministerpräsident zum „Tag der Franken“ begrüßen zu dürfen!
Ich begrüße ganz besonders den Bezirkstagspräsidenten Richard Bartsch und den Ersten Bürgermeister Matthias Thürauf, die den „Tag der Franken“ dieses Jahr ausrichten!
Der „Tag der Franken“ ist ein Festtag für ganz Franken und für ganz Bayern! Fränkisches Brauchtum, fränkische Spezialitäten, große Traditionen, Kultur und Kunst, bedeutende Köpfe, eine beeindruckende Vergangenheit und der Blick nach vorne – all das zeigt:
Franken ist ein starkes Stück Bayern!
Der Tag der Franken beruft sich auf eine lange Tradition. Vor mehr als 500 Jahren wurde ein fränkischer Reichskreis geschaffen. Seitdem gibt es ein fränkisches Wir-Gefühl.
Der Tag der Franken feiert dieses Wir-Gefühl. Der „Tag der Franken“ ist aber auch ein einzigartiges Forum für Leistungskraft, Kultur und Tradition aus dem Frankenland. Das Programm zeigt, was Franken so lebenswert und leistungsstark macht. Ich sage Respekt und Dank an alle, die bei der Gestaltung dieses Tages mitwirken. Ganz besonders danke ich den Menschen hier in Schwabach für ihren Einsatz!
Franken ist ein starkes Stück Bayern – das zeigt sich gerade heute. Ich bin beeindruckt:
- vergoldete Dachspitzen auf dem Rathaus,
- eine moderne Frankenfahne,
- ein original-fränkisches Moderatoren-Team als Begrüßung,
- wunderschöne Fränkische Königinnen – mehr als im Märchen erlaubt,
- Fachfrauen aus der Blattgoldschlägerstadt Schwabach,
- starke Frauen aus dem öffentlichen Leben, allen voran unsere Landtagspräsidentin aus Unterfranken. Ich begrüße ganz besonders herzlich die Königin der bayerischen Politik: Barbara Stamm.
Sie alle zeigen: Die Menschen hier in Franken sind stolz auf ihre Tradition und stolz auf ihre gemeinsamen Stärken.
- Anrede -
Franken spielt jetzt mit zwei Klubs in der ersten Bundesliga. Verdient ist verdient! Diese Woche habe ich der SpVgg Greuther Fürth persönlich gratuliert und am nächsten Wochenende werde ich sie mit dem Bayerischen Sportpreis auszeichnen.
Greuther Fürth und der Club – mehr muss ich zur Frankenpower gar nicht sagen. Wir freuen uns alle auf das Heimspiel in Fürth am ersten Spieltag der neuen Bundesliga-Saison. Am 25. August 2012 heißt es Greuther Fürth gegen den FC Bayern München. Ich drücke beiden die Daumen.
Die vier bayerischen Bundesliga-Klubs beweisen: Wir sind in allen Landesteilen stark! Wir sind das „Premium-Land“ in Deutschland!
Die Greuther Fürther und der Club haben uns allen gezeigt, was die Menschen in Franken und ganz Bayern so stark macht:
Optimismus und Einsatzbereitschaft, Gemeinschaft und Zusammenhalt - für diese Tugenden stehen die Menschen in Franken und in allen Teilen Bayerns.
Das erlebe ich immer wieder hier in Franken.
In Nürnberg und Fürth haben die Menschen die Quelle-Pleite weggesteckt. Heute geht es der Region besser als vor der Krise. Und das erfahre ich von den Bürgermeistern, die mir normalerweise kein Loblied singen.
In Bad Neustadt an der Saale in Unterfranken haben sich die Menschen für die Arbeitsplätze von morgen entschieden. Das Siemens-Werk konnte gerettet werden. Heute haben sie dort mehr Arbeitsplätze als vorher.
In Schwarzenbach an der Saale in Oberfranken stand die Textilindustrie vor dem Aus. Heute produzieren Sie dort wieder hochmoderne Industriestoffe.
Gerade Mittelfranken ist ein Musterbeispiel für die Stärken Bayerns. Das ist vor allem Ihre Erfolgsgeschichte, die Erfolgsgeschichte der Menschen vor Ort.
Universitäten in Erlangen und Nürnberg, Hochschulen in Ansbach und Nürnberg –junge Leuten finden hervorragende Bildungschancen und beste Zukunftsperspektiven.
In der Metropolregion Nürnberg expandieren die Sportartikelhersteller Adidas und Puma. Hier hat sich die GfK [Gesellschaft für Konsumforschung] an die Weltspitze ihrer Branche gearbeitet.
Da ist der Kugellagerbauer Schäeffler in Herzogenaurach. Da sind die Brillenexperten von Uvex, die Firma Diehl, Mittelständler und Große für Gesundheit, Medizin und Medizintechnik. Hier strahlen Leuchttürme von Siemens über Leoni bis zu Datev.
Dieser Mix aus Industrie und Dienstleistung, aus Global Players und Mittelstand macht Bayern so stark.
-Anrede -
Identität und unser Zusammenhalt sind eine große Stärke Bayerns.
Nirgendwo in Deutschland ist die Bindung zur Heimat so fest, so stark wie bei uns in Bayern und die Bereitschaft so groß, sich für die Heimat einzusetzen.
Das ist bayerischer Patriotismus. Wir wissen, woher wir kommen, wir kennen unsere Wurzeln. Und wir sind stolz auf unsere Heimat, die wir alle im Ausland Bayern nennen – nur daheim sind wir genauer!
Bayerns Stärke ist seine Vielfalt!
Bayern ist so stark wie seine vier Stämme – Altbayern, Franken, Schwaben und Sudetendeutsche!
Seit mehr als 200 Jahren trägt Franken zur Erfolgsgeschichte Bayerns bei. Die Blüte von Gewerbe und Handel, Unternehmertum und Kunsthandwerk, das Industriezeitalter, die erste Eisenbahn – Franken war und ist der Motor für Bayerns Weg in die Moderne.
Die fränkische Geschichte zeigt viele wegweisende Weichenstellungen und Innovationen, zeigt große Köpfe mit Kreativität und Ideenreichtum.
- Ich denke an die großen Künstler und Literaten wie Wolfram von Eschenbach und Albrecht Dürer und Lukas Cranach.
- Ich denke an Naturwissenschaftler wie Werner Heisenberg, Carl von Linde, Georg Simon Ohm.
- Ich denke an einen bedeutenden Wirtschaftspionier der Bundesrepublik Deutschland - Max Grundig.
- Und ich denke an Hans Ehard und Hanns Seidel, die als Bayerische Ministerpräsidenten Wegbereiter des modernen Bayern waren.
- Ich denke an Ludwig Erhard. Vor 60 Jahren hatte er die Idee und die Überzeugungskraft für die Soziale Marktwirtschaft. Er schuf damit das Fundament für den großartigen wirtschaftlichen und sozialen Erfolg Bayerns und Deutschlands. Bis heute gilt: Wirtschaftlicher Erfolg und sozialer Zusammenhalt gehören zusammen.
Jeder Teil Frankens hat seine eigenen großartigen kulturellen Feste, wie die vielen regionalen Veranstaltungen oder die international bekannten Nürnberger Opernfestspiele, die Bayreuther Festspiele, das Mozartfest in Würzburg, die Bachtage in Ansbach oder die Theatertage in Miltenberg.
Ohne Franken wäre der Kultursommer in Bayern um vieles ärmer.
All diese Veranstaltungen sind nur möglich, weil die Menschen in unserem Land Tradition und Kultur pflegen. Bayern ist Kulturhochburg, weil Sie alle dazu beitragen. Dafür sage ich allen ein herzliches Dankeschön.
Gestern wie heute gilt: Bayern profitiert von Franken und umgekehrt!
Und die Bayerische Staatsregierung fördert Franken: High-Tech-Initiative, Offensive Zukunft Bayern, Verkehrsanbindungen, Forschungsprojekte und jetzt mit unserer Strategie „Aufbruch Bayern – Familie, Bildung, Innovation“.
Aber ich sage auch klar:
Der Staat und die Politik können nur fördern und unterstützen, die Zukunft tatsächlich gestalten, das machen die Menschen vor Ort, in der Familie, in Schule, Beruf und Ehrenamt.
Die Kraft zur Zukunft kann nicht der Staat von oben verordnen, sie muss aus der Gesellschaft heraus wachsen. Und wir müssen sie gemeinsam fördern, pflegen und verteidigen.
- Ohne gemeinsame Kultur gibt es keine Kraft zur Zukunft.
- Ohne gemeinsame Werte gibt es keine Solidarität.
- Ohne Liebe zum Land und seinen Menschen gibt es keine Motivation zur Nachhaltigkeit.
Aus dem Wissen um das „Woher?“ schöpfen wir die Kraft für das „Wohin?“. Bayern ist so zukunftsstark, weil es traditionsstark ist!
Für mich als Ministerpräsident ist es ein Herzensanliegen, das kulturelle Fundament Bayerns zu stärken und weiter auszubauen.
Deshalb werden wir ein umfassendes Kulturkonzept entwickeln. Wir wollen allen unseren bayerischen Regionen helfen, ihre kulturellen Stärken noch besser zur Entfaltung zu bringen.
Bei uns in Bayern gehen wirtschaftlicher Erfolg und eine lebendige Kultur Hand in Hand. Niemand weiß das so gut wie Sie hier im Herzen von Mittelfranken.
Wir in Bayern haben die Kraft der vier Stämme!
Bayern, Franken, Schwaben und die Vertriebenen beweisen:
Zusammenhalt und eine starke Tradition machen fit für die Zukunft und sturmfest für alle Herausforderungen.
Dieses Kompliment an alle Franken, an alle Bayern ist gleichzeitig ein großer Auftrag an eine starke Gemeinschaft in einem starken Land.
Lassen Sie uns gemeinsam Zukunft gestalten, damit unser Frankenland und ganz Bayern lebens- und liebenswerte Heimat bleiben.
Ich wünsche dem Tag der Franken gutes Gelingen.
