Rede

30. jähriges Jubiläum des Klinikums Ingolstadt

Datum der Rede: 07.07.12 Rednerin/Redner: Ministerpräsident Horst Seehofer

Manuskriptfassung: Es gilt das gesprochene Wort.

I. ERFOLGSGESCHICHTE KLINIKUM INGOLSTADT

– Anrede –

Ihnen allen ein herzliches Grüß Gott in unserer gemeinsamen Heimat!

Ich bin heute besonders gerne zu Ihnen gekommen – aus zwei Gründen:

Zum einen hat fast auf den Tag genau vor 30 Jahren [09. Juli 2012] Ministerpräsident Franz-Josef Strauß das Klinikum Ingolstadt eröffnet. Der Bau war erstens pünktlich fertig und – das betone ich ausdrücklich – kostengetreu. Darauf können wir heute noch stolz sein!

Seitdem hat unser Klinikum eine beeindruckende Erfolgsgeschichte geschrieben. Als zentraler Gesundheitsdienstleister in der Region setzt das Krankenhaus Maßstäbe. Ich nenne nur die Zusammenarbeit in der Behandlung extrem Frühgeborener mit Neuburg [Perinatalzentrum Ingolstadt/Neuburg] oder die führende Rolle bei der Telemedizinforschung in Bayern. [Sitz der zukünftigen Telemedizinischen Allianz Bayern wird Ingolstadt sein.]

Unsere Krankenhäuser in Bayern liegen uns sehr am Herzen. Dafür nimmt die Bayerische Staatsregierung jedes Jahr 450 Mio. Euro in die Hand. Allein die anstehende Modernisierung in Ingolstadt fördern wir mit 60 Mio. Euro aus der Krankenhausfinanzierung [Beginn der Arbeiten spätestens 2013]. Das Klinikum Ingolstadt soll auch in Zukunft Aushängeschild für die Stadt und die ganze Region bleiben. Wir haben heute also allen Grund zu feiern! Unser Klinikum ist ein grandioser Erfolg!

Ich habe gesagt, ich bin heute aus zwei Gründen gerne hier. Erstens in der Nachfolge von Franz-Josef Strauß als Bayerischer Ministerpräsident. Zweitens bin ich hier als ehemaliger Patient. Vor zehn Jahren habe ich am eigenen Leib erfahren, was beste medizinische Versorgung und eine hervorragende Betreuung wert sind. Ich habe mich nach meiner Herzmuskelentzündung damals bewusst für die Behandlung in Ingolstadt entschieden. Mir war klar, dass ich hier „in guten Händen“ bin [Das Motto des Klinikums lautet „in guten Händen“].

Ich habe gelernt: Der gesunde Mensch hat viele Wünsche, der kranke nur einen. Gesundheit ist unser höchstes Gut. Sie, liebe Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger, setzen sich täglich ein für das Wohl unserer kranken Mitbürger. Herzlichen Dank für Ihr großes Engagement im Dienste unserer Patienten!

Wir in Bayern sind stolz: Bei uns ist Spitzenmedizin nicht nur an den großen Universitätskliniken zuhause, sondern auch in unseren kleineren Häusern. Gerade das Klinikum Ingolstadt ist ein hervorragendes Beispiel für die Mischung aus hoher fachlicher Kompetenz und menschlicher Nähe.

Menschlich und modern – dafür stehen Sie alle hier. Dafür sage ich Ihnen im Namen der gesamten Bayerischen Staatsregierung Respekt und Dank. Herzlichen Glückwunsch zu 30 Jahren Klinikum Ingolstadt!

II. STARKES INGOLSTADT – STARKES BAYERN

– Anrede –

Ingolstadt ist eine der leistungsstärksten Städte in Deutschland. Ingolstadt ist „Boomtown“. Kaum eine bayerische Stadt ist in den letzten Jahrzehnten so stark gewachsen. Ingolstadt ist heute Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort par excellence. Ob bei unserem Zugpferd Audi, unserem starken Mittelstand oder unserer Hochschule Ingolstadt: Überall haben die Menschen beste Chancen und Perspektiven. Ingolstadt ist ein Synonym für Zukunft! Ingolstadt steht für die Erfolgsgeschichte Bayerns!

In keiner anderen Großstadt in Bayern gibt es so viele Menschen mit einem sicheren Arbeitsplatz wie hier [Arbeitslosigkeit Juni 2012: 3,7 Prozent]. Was für Ingolstadt im Kleinen gilt, das gilt für den Freistaat im Großen: In keinem anderen Bundesland sind mehr Menschen in Lohn und Brot als bei uns in Bayern. Bayern ist Chancenland Nummer 1 in Deutschland! Wir haben mit einer Arbeitslosigkeit von 3,4 Prozent praktisch Vollbeschäftigung [niedrigster Juniwert seit 1992]. In den letzten sechs Jahren haben wir rund 600.000 neue Arbeitsplätze geschaffen – und zwar überall im Land!

Bayern beweist: Die beste Sozialpolitik ist ein sicherer Arbeitsplatz!

Dieser Erfolg ist nicht vom weiß-blauen Himmel gefallen. Der Aufschwung ist das Ergebnis von Arbeit, Fleiß und Pioniergeist der Menschen in Bayern. Und wir müssen alles tun, diesen Standard und diese Lebensqualität jeden Tag auf’s Neue zu erarbeiten.

In Bayern gilt: Vor dem Verteilen kommt das Erwirtschaften.

In Bayern gilt: Der Unternehmer, der Handwerker, der Existenzgründer ist nicht Feindbild, sondern Vorbild.

In Bayern gilt: Selber anpacken statt zu allererst nach Vater Staat rufen.

Franz-Josef-Strauß hat vor 30 Jahren genau an dieser Stelle gesagt: „Der Sozialstaat lebt von der Leistungskraft der Bürger und nicht von der Umverteilungsfantasie der Funktionäre und ihrer Bürokratie.“ [Rede zur Eröffnung des Klinikums Ingolstadt am 09.07.1982]

Wenn ich hier in die Runde schaue, dann spüre ich: Anpacken, der Stolz auf die eigene Leistung, „Mia san mia“ – das macht Bayern stark und sozial! Das ist unser Erfolgsgeheimnis. Und dafür ist Bayern ein Paradebeispiel.

Wir wollen, dass Bayern auch in Zukunft ein starkes Land bleibt. Deshalb übernehmen wir Verantwortung nicht nur für heute, sondern auch für morgen.

Bayern darf sich niemals mit Mittelmaß zufrieden geben. Bayern braucht ehrgeizige Ziele. Deshalb haben wir eine neue Zielmarke gesetzt: Bayern schuldenfrei im Jahr 2030. Das ist ambitioniert. Aber wir packen das an.

Wir in Bayern packen an, wir haben die Kraft zur Zukunft. Wir können Schulden tilgen, Rücklagen bilden [ab 2030 eine Milliarde zusätzlich für Beamtenvorsorge aus Zinsersparnis] und mehr als fünf Milliarden Euro für Investitionen ausgeben.

Bei uns in Bayern gilt:

Stabilität und Dynamik gehören zusammen. Tilgung und Wachstum gehören zusammen.

Ich sage mit Heinrich Heine [deutscher Dichter 1797 - 1856]: „Jede Zeit hat ihre Aufgabe, und durch die Lösung derselben rückt die Menschheit weiter.“

Alfons Goppel hat das Fundament für den Top-Wirtschaftstandort Bayern gelegt mit der Energieversorgung, mit Straße und Schiene, mit der Bildungsinfrastruktur. In seine Amtszeit fallen Planung und Bau des Klinikums Ingolstadt.

Franz Josef Strauß steht für die Luft- und Raumfahrt in Bayern.

Edmund Stoiber steht für sieben neue FHs, Existenzgründerzentren und High-Tech im ganzen Land und für unseren ausgeglichenen Haushalt seit dem Jahr 2006.

Jede Generation hat ihre Aufgabe.

Unsere Aufgabe ist der Schuldenabbau. Unsere Aufgabe ist die Zukunftsgestaltung. Einen anderen Schluss lässt die Schuldenkrise in Europa nicht zu.

Wir dürfen unserer Jugend nicht mit Schuldenbergen die Luft abschnüren. Unsere Jugend braucht Freiräume und Perspektiven; Perspektiven motivieren zu eigener Anstrengung. Leistung muss sich lohnen!

Wir gehen in Bayern mit gutem Beispiel voran. Wir schaffen zum Höhepunkt der Überalterung unserer Gesellschaft Freiräume für unsere Kinder und Enkelkinder.

Die ersten Schritte sind gemacht: Wir tilgen dieses Jahr eine Milliarde Euro Schulden, wir planen jeweils eine weitere halbe Milliarde für 2013 und 2014. Das sind zwei Mrd. Tilgung in drei Jahren. Wir wollen das erste schuldenfreie Land in Deutschland werden. Wir übernehmen Verantwortung für heute und morgen. Das verstehen wir unter Generationengerechtigkeit und Nachhaltigkeit. Bayern ist Chancenland!

Wir in Bayern beweisen: Die finanziell Soliden sind die wirtschaftlich Starken.

– Anrede –

Wir in Bayern können und wollen Vorbild sein für Europa. Unser Signal an die überschuldeten europäischen Partner lautet: Vorsorge statt Schuldenberge! Die Geschichte zeigt: Die Starken zu schwächen ist keine Hilfe für die Schwachen.

Ich kann Bundeskanzlerin Angela Merkel nur zustimmen: „Deutschlands Stärke ist nicht unendlich.“ [Z.B. zitiert in Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur etc., Freitag 15.06.2012] Der Rettungssanitäter darf nicht selbst zum Patienten werden. Eine Grundregel im Katastrophenschutz ist der Selbstschutz des Helfers.

Wenn wir eine Lehre aus der Schuldenkrise Europas ziehen sollten, dann diese: Nachhaltiges Wachstum auf Pump gibt es nicht. Deswegen gilt: Wachstum ja, unbedingt, aber Wachstum aus Strukturreformen. Wachstum aus neuen Ideen und Produkten, Wachstum aus umweltfreundlichen und ressourcenschonenden Technologien. Aber nicht Wachstum auf Basis von Konsum und neuen Schulden!

Mit dem Fiskalpakt sind wir auf einem guten Weg zu einer Stabilitätsunion. Der letzte Gipfel in Brüssel hat aber gezeigt: Am Ziel sind wir nicht.

Ich sage nochmals in aller Deutlichkeit: Wir lehnen Eurobonds oder Ähnliches strikt ab. Eurobonds belohnen die Sünder und bestrafen die Soliden!

Wir brauchen eine neue Stabilitätskultur in Europa. Wir in Bayern machen vor wie’s geht. Der innere Antrieb dafür kommt aus unseren Familien, aus der Heimat und aus unserer Liebe zum Land. Europa hat nur eine Zukunft als Wertegemeinschaft.

Ich sage auch: Europa hat nur eine Zukunft mit seinen Bürgern. Wer über bestimmte Kontrollrechte hinaus Souveränität an Brüssel abgeben will, dem sage ich: Lasst uns dazu das deutsche Volk fragen! Ich bin Anwalt der bayerischen Bürger. Das ist mein Amtseid. Dafür stehe ich. Und deshalb sage ich: Wir sind Europäer aus Überzeugung. Wir sind solidarisch. Aber wir zahlen nicht in ein Fass ohne Boden!

Europa braucht ein starkes Deutschland. Wir in Bayern werden weiter für ein starkes Deutschland in Europa kämpfen!

III. ZUKUNFT GEWINNEN – AUFBRUCH BAYERN

– Anrede –

Wir in Bayern können Zukunft gestalten, heute und morgen. Wir haben über Jahre solide gewirtschaftet. Weil das so ist, stehen wir in Bayern so gut da. Wir wollen unsere Spitzenposition weiter ausbauen für Arbeit und soziale Sicherheit. Wer aufhört, besser zu sein, fällt zurück.

Die Zukunftsstrategie der Bayerischen Staatsregierung heißt: „Aufbruch Bayern“. Wir investieren mit „Aufbruch Bayern“ wie kein anderes Land in unsere Familien, in Bildung, Innovationen, in die erneuerbaren Energien und in den Breitbandausbau für schnelles Internet im ganzen Land.

1. Familien sind das Fundament der Zukunft

Familien sind das Herz unserer Gesellschaft. In den Familien wachsen die Werte, die Bayern zu dem gemacht haben, was es heute ist. Deshalb fördern wir die Familien – allein in diesem Jahr mit 2,4 Mrd. Euro, das sind 50 Prozent mehr seit meinem Amtsantritt 2008 [+ 800 Mio. Euro].

  • Wir treiben den Ausbau der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren entschlossen voran. Seit 2006 haben wir die Betreuungsquote von sieben auf 30 Prozent gesteigert [Ziel Ende 2013: 36 Prozent]. Auf die 340 Mio. Euro vom Bund legen wir allein bis 2013 über 600 Mio. Euro drauf. Kein anderes Land investiert so viel in den Ausbau der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren wie Bayern!
  • Wir schaffen den Einstieg in das beitragsfreie dritte Kindergartenjahr. Wir senken die Beiträge der Eltern um 50 Euro pro Monat ab diesem September und um 100 Euro pro Monat ab nächstem Jahr.
  • Und wir führen das Betreuungsgeld ein. Wir sind überzeugt: Die jungen Familien sollen selbst über ihr Leben und die Erziehung ihrer Kinder entscheiden. Das Betreuungsgeld steht für echte Wahlfreiheit, denn es ist hundertprozentig mit Erwerbstätigkeit vereinbar!

Allen Kritikern sage ich: Das Vorurteil ist pauschal. Die Wahrheit ist konkret. Für ein- bis zweijährige Kinder ist Bindung wichtiger als Bildung. Wer hier mit ideologischen Scheuklappen von „Herd“- oder „Fernhalteprämie“ spricht, beleidigt unsere Familien!

Wir brauchen nicht wirtschaftsgerechte Familien. Wir brauchen eine familiengerechte Wirtschaft!

Und allen, die meinen, der Staat könne besser für Kleinkinder von zwei Jahren sorgen, sage ich: Liebe zum Kind ist nicht altmodisch!

2. Bildung ist Zukunft

Bildung ist Grundlage für Arbeit, Wohlstand und soziale Gerechtigkeit. Bildung ist die Sozialpolitik des 21. Jahrhunderts.

Wir in Bayern investieren massiv in Bildung und Wissenschaft – allein in diesem Jahr 15,8 Mrd. Euro. Das ist ein Drittel unseres Gesamthaushalts und ein Plus von 2,4 Mrd. Euro seit 2008. Das schafft kein anderes Land!

Wir setzen uns ein für hochqualifizierten Nachwuchs. Heute studieren mehr junge Menschen in Bayern als je zuvor. Allein seit dem Jahr 2000 haben unsere Studentenzahlen von rund 200.000 um mehr als 50 Prozent auf 320.000 zugenommen. Dafür schaffen wir allein in Ingolstadt 1.500 zusätzliche Studienplätze. Die Hochschule erhält bis 2013 insgesamt ca. 21,2 Mio. Euro für diese neuen Studienplätze.

Berufliche Bildung und Studium sind für uns gleich wichtig. 43 Prozent aller Hochschulzugangsberechtigten in Bayern haben nicht das Gymnasium besucht, sondern eine berufliche Schule. Bei uns kann jeder Meister studieren!

Ich sage sehr deutlich: Jedem seine Chance. Bei uns gilt: Nicht nur die Akademiker sind Elite, sondern genauso unsere tüchtigen Handwerker, Freiberufler und Mittelständler! Wir brauchen nicht nur starke Forscher und Entwickler, die das Elektroauto von morgen entwerfen. Wir brauchen auch Praktiker, die das Auto bauen.

Hier in der Audi-Stadt sage ich mit Stolz: Deutschlands Stärke ist nicht Spekulation, sondern Produktion, ehrliche Arbeit, beste Qualifikation.

3. Innovation sichert Arbeitsplätze

Wir müssen heute investieren, wenn wir die Megatrends der Zukunft nutzen wollen. Wir haben in den vergangenen 20 Jahren rund 4,5 Mrd. Euro nur für Forschung und Entwicklung aufgewendet – und das nicht nur in München und Nürnberg, sondern überall im Land.

Bayern ist stark, wenn wir alle Stärken bündeln.

4. Mit Energie in die Zukunft

Der Aufbruch in ein neues Energiezeitalter ist eine riesige Chance vor allem für die Menschen im ländlichen Raum. Denn eines ist klar: Die Energiewende findet im ländlichen Raum statt, nicht in den Ballungszentren.

Der Freistaat stellt enorme Summen für den Aufbruch in das neue Energiezeitalter bereit: Allein für 2012 haben wir im Staatshaushalt 126,5 Mio. Euro für Energie und Klimaschutz vorgesehen, bis 2016 eine Milliarde Euro zusätzlich! Auch das schafft kein anderes Land!

Wir in Bayern wollen bis zum Jahr 2020 die Hälfte unseres Strombedarfs mit erneuerbaren Energien decken – zuverlässig und bezahlbar. Energie aus der Heimat für die Heimat. Wir machen Bayern zum Land der Bürgerenergie. Wir machen Betroffene zu Beteiligten. Wir machen Bayern zum Modell für die Energie der Zukunft!

Unser Ziel: Bayern bleibt Produktionsstandort und wir halten die Wertschöpfung im Land. Bayern muss seinen Strombedarf auch in Zukunft weitgehend selbst decken. Das Spiel „Wir haben die Leitungen, die anderen die Kraftwerke“ wird mit mir nicht stattfinden!

Wir müssen die Herausforderungen auf dem Weg jetzt kraftvoll anpacken. Das habe ich beim letzten Energiegipfel [23.05.2012] in Berlin sehr deutlich gemacht.

– Anrede –

Bayerns Stärke sind seine Menschen. In Bayern hat der Fortschritt ein menschliches Gesicht.

Sie alle hier am Klinikum Ingolstadt leisten Ihren Beitrag. Sie arbeiten mit Ihrem Wissen und Können, mit menschlicher Zuwendung und Nächstenliebe dafür, dass der eine Wunsch unserer kranken Mitbürger in Erfüllung geht. Dafür nochmals meine größte Anerkennung und mein tief empfundener Dank!

Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute und Gottes Segen. Mein herzlicher Glückwunsch zu 30 Jahren Klinikum Ingolstadt!