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Rede
Festakt zum 125jährigen Jubiläum des Milchwirtschaftlichen Vereins Allgäu-Schwaben (MVAS)
Datum der Rede: 10.08.12 Rednerin/Redner: Staatsminister Thomas KreuzerManuskriptfassung: Es gilt das gesprochene Wort.
I. MVAS – QUALITÄT AUS TRADITION
- Anrede -
Ihnen allen ein herzliches Grüß Gott im Milchzelt auf der Allgäuer Festwoche!
125 Jahre Milchwirtschaftlicher Verein Allgäu-Schwaben, das sind 125 Jahre Qualität und Fortschritt. Die 61 Gründungsmitglieder des Milchwirtschaftlichen Vereins Allgäu haben 1887 Pionierarbeit geleistet [Gründung in Immenstadt]. Mit Lehrveranstaltungen für die Käseherstellung, einer Milchlieferordnung und einer freiwilligen Stallkontrolle hat der Verein in der „Käseküche Deutschlands“ [wie das Allgäu seit den 1820er Jahren auch genannt wird] Ende des 19. Jahrhunderts Maßstäbe gesetzt.
Sehr geehrter Herr Epp, sehr geehrter Herr Heilinger,
der MVAS ist heute mit dem Qualitätszentrum MUVA [Milchwirtschaftliche Untersuchungs- und Versuchsanstalt], dem Spitalhof und der größten Molkereischule Deutschlands [das Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Molkereiwirtschaft, LVFZ] ein Aushängeschild für den Milchstandort Bayern. Sie sind die kraftvolle Stimme der Milchwirtschaft von Lindau bis Dillingen, von Weilheim-Schongau bis Neuburg-Schrobenhausen. Mit dem Milchwirtschaftlichen Zentrum Bayern in Kempten [Neubau 2004 an der Ignaz-Kiechle-Straße] sind Sie sichtbares Markenzeichen im Herzen des Allgäu.
Im Namen der gesamten Bayerischen Staatsregierung danke ich Ihnen für Ihren großen Einsatz für unsere Milchwirtschaft im Allgäu und in Bayern! Ich wünsche dem Verein mindestens weitere 125 Jahre erfolgreiche Arbeit im Dienste unserer Milchbauern!
II. STARKE BAUERN – STARKES BAYERN
Mein besonderer Dank gilt heute Ihnen, liebe Allgäuer Landwirte. Sie haben keine 35-Stunden-Woche, keine 30 Tage Urlaub, keinen Sonntagszuschlag, kein Weihnachtsgeld. Sie sorgen für gesunde Nahrungsmittel und Lebensqualität in Bayern. Sie, liebe Landwirte, erhalten und pflegen unsere vielfältige Kulturlandschaft und prägen unser positives gesellschaftliches Klima – für Unternehmertum, für Eigenverantwortung, für den sozialen Zusammenhalt. Sie stehen für Generationenverantwortung und Nachhaltigkeit im besten Sinn.
Sie, liebe Landwirte, leben die Werte, die uns in Bayern groß gemacht haben. Der innere Antrieb dafür kommt aus unseren Familien, aus der Heimat und aus unserer Liebe zum Land. Das ist bayerisches Lebensgefühl. Nicht aus Pflicht von oben verordnet, sondern Verantwortung für das Land als Herzensanliegen, aus innerem Antrieb mit Leben erfüllt!
Nach einer Umfrage des Bayerischen Rundfunks [09.06.2010] sind weit über 90 Prozent der Menschen in Bayern glücklich, hier zu leben – ich bin sicher, im Allgäu sind es 100 Prozent! Das ist auch Ihr Verdienst! Dafür mein höchster Respekt und Dank!
III. MARKE „BAYERN“ – EXPORTSCHLAGER UND REGIONALE KRAFT
- Anrede -
Lebensqualität hat viel mit gutem Essen zu tun. Lebensmittel aus Bayern stehen für höchste Qualität. Das schätzen die Menschen bei uns und in der ganzen Welt. Gerade für unsere Milchbauern gilt: Mit einer Selbstversorgungsquote von 172 Prozent bei Milch und 331 Prozent bei Käse sind wir auf den Export angewiesen. Wir haben im letzten Jahr für 1,41 Mrd. Euro Käse ausgeführt – das ist Rekord!
Mit der Bayerischen Marketingagentur [seit Juli 2011] haben wir eine zusätzliche Vermarktungsoffensive für Lebensmittel aus Bayern gestartet. Wir machen uns stark für die Marke „Bayern“! Die Allgäuer Festwoche ist eine gewaltige Imagekampagne für unsere Heimat!
Bayerns Stärke ist seine Vielfalt. Nirgendwo sonst ist der Tisch so reichhaltig gedeckt wie bei uns: Ob Spargel aus Schrobenhausen, Frankenwein oder Milch und Käse aus dem Allgäu, viele unserer bayerischen Produkte prägen eine ganze Region – vom Landschaftsbild bis zur Wirtschaft vor Ort. Unsere Allgäuer Alpwirtschaft ist dafür das sichtbarste Beispiel.
Besonders erfreulich ist: Regionale Produkte sind in Bayern ein Megatrend. Immer mehr Menschen wollen wissen, wo ihre Nahrungsmittel herkommen und wie sie produziert werden. Der Wunsch nach gesundem Essen nimmt zu. Aller Discountermentalität zum Trotz weiß die Mehrheit der Menschen in Bayern: Gutes Essen hat seinen Preis.
Der Trend zum Regionalen ist eine riesige Chance für unsere Landwirte und die Milchwirtschaft im Allgäu. Gerade kleinere Molkereiunternehmen und Sennereien finden mit ihren Qualitätsprodukten hervorragende Absatzmöglichkeiten.
Die Bayerische Staatsregierung unterstützt diesen Trend nach Kräften. Schon 19 regionale Spezialitäten aus Bayern haben den Herkunftsschutz der Europäischen Union [„Geschützte Ursprungsbezeichnung“ (g.U.)]. Unser Allgäuer Emmentaler und unser Allgäuer Bergkäse sind dafür das beste Beispiel.
Im Freistaat werden wir zusätzlich das bereits bekannte Programm „Geprüfte Qualität – Bayern“ als Regionalsiegel weiterentwickeln.
IV. BAYERN STEHT ZU SEINEN MILCHBAUERN
- Anrede -
Bei allen positiven Meldungen gilt auch: Unsere bayerischen Milchbauern stehen vor großen Herausforderungen. Ich nenne den Bevölkerungsrückgang in Europa, neue Wachstumsmärkte in den Schwellenländern, ein zunehmend liberalisierter Weltmarkt mit großen Preisschwankungen oder – ganz aktuell – steigende Betriebskosten durch teurere Futtermittel [aufgrund der stark gestiegenen Getreidepreise durch Dürreperioden in den USA und Russland].
Die Bayerische Staatsregierung wird sich deshalb auch in Zukunft mit aller Kraft für unsere Bergbauern einsetzen:
- Mit dem „Runden Tisch zur Zukunft der Milchproduktion“ hat Landwirtschaftsminister Brunner auf den Wegfall der Milchquote 2015 reagiert. Wir brauchen ein umfangreiches Sicherheitsnetz, um den Milchmarkt in Krisenzeiten zu stabilisieren. Ich nenne nur die Erhöhung des Interventionspreises [auf rd. 25 ct/kg von derzeit 21,5 ct/kg] und die Möglichkeit, auch außerhalb eines starren Zeitraums einzugreifen. [Zur Zeit sind Interventionsmaßnahmen nur von April bis Oktober möglich.]
- Mit dem Bayerischen Bergbauernprogramm [BBP, bis zu 3,5 Mio. Euro pro Jahr], dem Bayerischen Kulturlandschaftsprogramm [KULAP], dem Alm- und Alpwegebau oder dem Vertragsnaturschutzprogramm [VNP] fördern wir massiv die bayerische Berglandwirtschaft.
Gleichzeitig bin ich überzeugt: Die Zukunft der bayerischen Milchwirtschaft liegt in der Bündelung aller Kräfte. Durch Erzeugerzusammenschlüsse können Sie, liebe Milchbauern, Ihr Marktgewicht vergrößern. Dabei gilt: Wir Politiker können die Rahmenbedingungen schaffen, aber die Initiative muss von Ihnen, den Beteiligten selbst ausgehen!
- Anrede -
Der bayerische Unternehmer Claus Hipp erklärt unser bayerisches Selbstbewusstsein und unseren Erfolg so: „Dass Bayern jahrhundertelang ein Agrarstaat war, hat die Volksseele geprägt. Ein Bergvolk kann oft nicht auf Hilfe hoffen. Ein Bergbauer, der eingeschneit ist, muss alles selbst machen [...]. Das ist gelebte Unabhängigkeit, die sich auch im Großen niederschlägt.“ [Welt am Sonntag, 19.02.2012]
Wir im Allgäu und in Bayern wissen um unsere geistig-kulturellen Wurzeln. Aus unserer tiefen Verbundenheit zu unserer Heimat schöpfen wir die Kraft zur Zukunft. Lassen Sie uns weiter gemeinsam arbeiten für eine lebens- und liebenswerte Heimat! Herzlichen Dank!