Inhalt
Rede
Münchner Schäfflertanz
Datum der Rede: 24.01.12 Rednerin/Redner: Ministerpräsident Horst SeehoferManuskriptfassung: Es gilt das gesprochene Wort.
- Anrede -
Bayerischer Ministerpräsident zu sein – das ist das schönste Amt der Welt. Heute erst recht! Jahrhunderte lang haben die Schäffler für die bayerischen Herzöge und Könige getanzt. Heute tanzen Sie zum ersten Mal für mich!
Für dieses besondere Vergnügen nehme ich gerne die ungewöhnliche Rednerposition in Kauf. Ich muss sagen: Einmal auf einem alten Fass zu stehen statt ein neues aufzumachen - das gefällt mir auch ganz gut!
Sehr geehrter Herr Schmid
[1. Vorsitzender des Fachvereins der Schäffler],
liebe Schäffler,
als Politiker verstehe ich zwar wenig von den Feinheiten Ihrer Tanzkunst. Aber im Kreis herum geht’s bei uns auch des Öfteren. Ich weiß: Der Schäfflertanz verlangt von Ihnen viel Zeit und noch mehr Engagement.
Für das diesjährige Schäfflerjahr opfern Sie Ihren gesamten Jahresurlaub. Monate lang haben Sie geprobt, damit komplizierte Tanzfiguren wie Schlange, Laube, Kreuz und Krone so präzise sitzen. Jeder von Ihnen weiß zu jeder Sekunde, was er zu tun hat. Das ist bei uns in der Politik ja nicht immer so.
Ihnen allen Respekt und Vergelt’s Gott für den kunstvollen Tanz.
Ein herzliches Vergelt’s Gott auch
- dem Reifenschwinger und dem Münchner Kindl für die „schönen Sprüch“ und
- den Ludwig-Thoma-Musikanten für die „zünftige Musi“!
Die Schäffler und ihr Lied sind weltberühmt: Täglich tanzen Ihre mechanischen Kollegen vom Glockenspiel im Münchner Rathaus vor Menschen aus aller Welt. Im Original sind Sie allerdings noch viel eindrucksvoller als die Miniaturausgaben im Rathaus. Die Schäffler – ob lebensecht oder im Glockenspiel - tanzen bei jedem Wetter – ob’s stürmt oder schneit, „ob’s aba heit koid is“ oder ned.
Sie alle haben mir und meinem Kabinett heute eine „echte Gaudi“ bereitet. Vergelt’s Gott für diesen pfundigen Live-Auftritt!
Wie wir gerade vom Münchner Kindl gehört haben, geht der Schäfflertanz vermutlich auf das Pestjahr 1517 zurück. Nach dem Abklingen der Seuche waren die Schäffler die ersten, die sich wieder ins Leben wagten. Mit ihrem Tanz haben sie den Pesthauch aus der Stadt vertrieben und den Überlebenden neue Hoffnung und Zuversicht gegeben.
Damit ist der Schäfflertanz ein weltbekanntes Symbol unserer bayerischen Lebensfreude:
- Wir in Bayern lassen den Kopf nicht hängen, wenn es einmal schwierig wird.
- Wir in Bayern halten zusammen.
- Wir in Bayern packen an - und zwar mit Charme, Schwung und Elan!
Das ist unsere bayerische Lebensart. Diese „unbandige“ Lust am Leben verströmt der Schäfflertanz noch heute.
Liebe Schäffler,
Sie merken, beim Münchner Schäfflertanz geht mir so richtig das Herz auf! Land auf, Land ab halten Menschen wie Sie unsere bayerischen Traditionen, unsere Geschichte und Kultur hoch.
Gustav Mahler hat einmal gesagt:
„Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers.“
Mit Ihrem Tanz halten Sie das Feuer am Brennen, weil Sie alte Traditionen an unsere Kinder und Enkelkinder weitergeben.
Aus unseren Traditionen schöpfen wir in Bayern die Kraft zur Zukunft! Bayern ist zukunftsstark, weil es traditionsstark ist.
Mit dem größten Vergnügen empfehle ich Sie, wie gewünscht, meinen Staatsministerinnen und Staatsministern zur Buchung.
Liebe Kabinettskolleginnen und -kollegen,
greift zu! Wir haben allen Grund zur Freude! Unsere Finanzen sind solide. Bayern steht hervorragend da. Grund genug, um sich Lebensfreude nach Schäffler-Art ins Haus zu holen. Wer zu spät dran ist, muss dann sieben Jahre warten, bis die Schäffler wieder für ihn tanzen.
Liebe Schäffler,
herzlichen Dank für diese beeindruckende Darbietung. Ich wünsche Ihnen ein erfolgreiches „Schäfflerjahr“. Ich für meinen Teil kann sagen: In sieben Jahren sehen wir uns wieder!
Als kleines Dankeschön darf ich Sie alle nun zu einer Brotzeit in die Staatskanzlei einladen.
