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Wege in die Freiheit
Einigkeit und Recht und Freiheit
Jubelnde Menschen auf der Berliner Mauer vor dem Brandenburger Tor am 9. November 1989
© picture alliance / dpa
Wer ist nicht wieder tief berührt, wenn er sich die Bilder vom Herbst 1989 zurückruft:
- Menschen, die in Botschaften eng gedrängt ausharren und auf Ausreise hoffen,
- Hunderte Menschen, die über Ungarn aus der DDR flüchten mit nichts in Händen außer ihrer Freiheit. Es wird eine Massenflucht.
- Tausende Menschen, die montags auf die Straße gehen. Sie wissen nicht, ob die Soldaten schießen werden, wie das Militär in China ein paar Wochen zuvor beim Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens. Sie wollen mehr Rechte: „Wir sind das Volk!"
- Ein ganzes Volk im Freudentaumel als die ersten Schlagbäume hoch gehen. Der Todesstreifen ist überwunden, der Eiserne Vorhang, die Mauer gefallen.
Eine kurze Chronik
- Wandel im Osten: Ab 1985 leitet Michail Gorbatschow mit „Glasnost und Perestroika" grundlegende Reformen in der UdSSR ein und öffnet den Ostblockstaaten den Weg zur Demokratisierung.
- Die Regierenden in der DDR lehnen Reformen ab, die Unzufriedenheit der Bürger nimmt zu, auch angesichts der Veränderungen in anderen Bruderstaaten wie Ungarn, Polen, CSSR.
- Mit Unterstützung der Kirchen verstärken Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsgruppen ihre Aktivitäten in der DDR.
- Ausreisewelle: Im Mai 1989 beginnt Ungarn seine Westgrenzen zu öffnen. Eine Massenflucht kommt ins Rollen. Die Botschaften der Bundesrepublik in Budapest, Prag und Warschau nehmen von August bis Oktober Tausende von Flüchtlingen auf. Am 11. September öffnet Ungarn seine Grenze zu Österreich ganz: in drei Tagen fliehen 15.000 Menschen. Ab 30. September können die Flüchtlinge aus den Botschaften in Prag und Warschau ausreisen - sie reisen mit Sonderzügen durch die DDR in die Bundesrepublik. Am 3. November dürfen DDR-Bürger über die Grenze zur CSSR in die Bundesrepublik ausreisen: innerhalb von zwei Tagen kommen 15.000 Flüchtlinge.
- Demonstrationen: Am 4. September findet in Leipzig die erste Montagsdemonstration statt; sie gilt als Auftakt zur sog. Herbstrevolution. Die Menschen fordern „Reisefreiheit statt Massenflucht". Die Sicherheitskräfte versuchen die folgenden Montagsdemonstrationen (am 25. September: 8.000 Menschen, am 2. Oktober: 20.000 Menschen) zu behindern und gewaltsam aufzulösen. Am 9. Oktober demonstrieren 70.000 Menschen und fordern Meinungsfreiheit und politische Reformen mit den Rufen „Wir sind das Volk" und „Keine Gewalt", am 16. Oktober demonstrieren 120.000 Menschen. Am 4. November versammeln sich mehr als 500.000 Menschen auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin.
- Mauerfall: Am Abend des 9. November verkündet Politbüromitglied Günter Schabowski überraschend Reiseerleichterungen, die "sofort, unverzüglich" in Kraft treten. Noch in derselben Nacht strömen Tausende an die Grenze nach West-Berlin, wo die Grenzsoldaten keine eindeutigen Befehle haben. Sie öffnen die Schlagbäume.
- Bürgerbewegungen fordern die demokratische Umgestaltung der DDR. Der Zentrale Runde Tisch mit Vertretern der alten Kräfte und Oppositionsgruppen tagt am 7. Dezember. Bei Demonstrationen werden jetzt die Rufe nach rascher Wiedervereinigung lauter: „Wir sind ein Volk".
- Wiedervereinigung: Nach der ersten freien Volkskammerwahl am 18. März 1990 beginnt die neue DDR-Regierung unter der Leitung von Lothar de Maiziere, die Voraussetzungen für eine Wiedervereinigung zu schaffen. Am 18. Mai 1990 wird der Vertrag über die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion unterzeichnet. Damit übernimmt die DDR am 1. Juli 1990 das Wirtschaftssystem der Bundesrepublik. Die vier Siegermächte müssen einer Wiedervereinigung zustimmen; im Vertrag vom 12. September 1990 werden die völkerrechtlichen Aspekte geregelt. Am 3. Oktober 1990 tritt die DDR dem Bundesgebiet bei. Die Teilung der beiden deutschen Staaten ist nach 45 Jahren beendet. Der Weg zu einem geeinten Europa ist frei.
Ausführlich zur Geschichte der Deutschen Einheit 1989/90
Weiterführende Informationen auf den Seiten:
- Zeitzeugen 89/90: Das Zeitzeugenportal zum Thema Friedliche Revolution und Deutsche Einheit
- Momentaufnahmen 89/90: Internetarchiv privater Filme und Fotos der Umbruchzeit 1989/1990
- Chronik der Mauer 1961 - 1989/90
- Beauftragter der Bundesregierung für die Neuen Bundesländer
- 20 Jahre Friedliche Revolution (Bundesregierung)
- Europa geeint und frei: 20. Jahrestag des Falls des Eisernen Vorhangs


