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Das Umfeld der Bayerischen Vertretung in der Behrenstraße

Das Umfeld der Bayerischen Vertretung in der Behrenstraße

Ein historischer Rückblick

Die Behrenstraße ist eine Straße, von der man wenig hört, während andere Straßen und Plätze in der Stadt mit glänzenden Namen und großen Ereignissen zur Berühmtheit gelangten. Doch dieser Schein trügt, auch wenn die Behrenstraße nie direkt im Zentrum der allgemeinen Aufmerksamkeit stand, war sie dennoch stets fest in das Berliner Leben eingebunden. Sie war nämlich das Herzstück des ehemaligen Bankenviertels in Berlin.

Anfänge der Behrenstraße

Die Behrenstraße entstand nach 1674 im Zuge der zweiten Stadterweiterung – der Dorotheenstadt – und bildete den südlichen Abschluss dieser neuen Stadt. Sie war zunächst ein Teil der Verteidigungsanlagen mit einem Wassergraben. Die Grundstücke der Straße Unter den Linden zogen sich bis an diesen Graben. Mit der Anlage der Friedrichstadt (1688) verlor die Verteidigungsanlage ihre Bedeutung und wurde zugeschüttet. Nun folgte die Anlage von Grundstücken auf der Südseite, die kostenlos an Anbauwillige vergeben wurden. Im Jahr 1696 erhielt Johann Heinrich Behr den Auftrag für die Leitung der Baumaßnahmen. Er errichtete sich in dieser Straße auch sein eigenes Haus. Ab dem Jahre 1706 trug die Straße den Namen nach dem Architekten und späteren königlich preußischen Baudirektor Johann Heinrich Behr und erhielt offiziell einen Vermerk im Stadtregister.

Nach und nach erfolgte die Bebauung in einer Mischung von Palais und kleinen Häusern. Die Nordseite der Straße blieb zunächst unbebaut. Das soziale Milieu war durchmischt wie in der gesamten übrigen Stadt, denn es gab damals noch keine fest abgegrenzten Quartiere mit unterschiedlichen sozialen Schichten.

Die Behrenstraße und das christliche Leben

Ansicht von St. Hedwig von der Rückseite mit angrenzender Sakristei. Kupferstich von Jean Rosenberg 1777.vergrößernAm östlichen Ende der Behrenstraße steht der wohl wichtigste und bekannteste Bau dieses Stadtteils: die St.-Hedwig-Kathedrale. Ihr Bau, 1747 begonnen, zog sich über lange Jahre hin; erst 1773 konnte sie geweiht werden.

Nach dem 1. Schlesischen Krieg (1740/41) wurden zahlreiche Menschen katholischen Glaubens preußische Untertanen. Damit wuchs auch ihre religiöse Bedeutung in der Stadt, denn zu diesem Zeitpunkt war die Bevölkerung Berlins und des Preußischen Staates fast ausschließlich evangelischen und reformierten Glaubens. König Friedrich II. überließ 1746 der katholischen Gemeinde, die in Berlin noch über kein eigenes Gotteshaus verfügte, eine freie Fläche am Opernplatz am Ende der Behrenstraße. Die katholische Kirche bekam damit den wohl repräsentativsten Ort in der barocken Residenzstadt das “Forum Fridericianum”. Nach Ideen des Königs fertigte vermutlich Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff die Entwürfe für den Zentralbau in Anlehnung an das Pantheon in Rom. Die Ausführung 1747-73 übernahm Johann Boumann d. Ä. Die Patronin der Kirche war die Heilige Hedwig, die hochverehrte Landesheilige der Schlesier. Im Jahr 1929 wurde die Hedwigskirche zur Kathedrale erhoben, der Bischofskirche des Bistums Berlin.

Seit den achtziger Jahren des 18. Jahrhunderts begann die Teilung der Grundstücke auf der Nordseite der Behrenstraße, so dass auch diese dann bebaut werden konnten.

Die Behrenstraße und die Nähe zum politischen Zentrum in Berlin

In den darauffolgenden Jahren wirkte sich die politische Entwicklung in der Wilhelmstraße zu einem preußischen Regierungszentrum auch auf die Behrenstraße aus. 1799 hatte König Friedrich Wilhelm III nämlich verfügt, dass in dem Palais Wilhelmstraße 73 der Groß-Canzler des Preußischen Staates seinen Dienstsitz zu nehmen hatte. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden hier weitere preußische Ministerien errichtet. Damit entwickelte sich zwischen der Leipziger Straße und der Straße Unter den Linden das Zentrum preußischer Macht.

Nach 1871 etablierten sich in diesem Straßenraum auch die Zentralen des Deutschen Reichs. So zogen in den westlichen Teil der Behrenstraße Angehörige des preußischen Königshauses, höhere Staatsbeamte und Dienststellen des Staates. Auf den kleineren Grundstücken dazwischen blieb jedoch eine sozial gemischte Struktur. Zu den Grundstücksbesitzern im westlichen Teil der Behrenstraße gehörten in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts beispielsweise Prinz August von Preußen, der Chef der Preußischen Artillerie (Hausnr. 8) und der Prinz von Preußen, der spätere Kaiser Wilhelm I. (Hausnr. 41).

Auch einige zentrale Behörden des preußischen Staates fanden ihren Sitz in der Behrenstraße, so in der Nummer 66. Dort befand sich in einem sehr schönen Palais das “Buerau des großen General-Stabes und topographisches Bureau der Königlichen Plankammer”. Im Zweiten Weltkrieg zerstört, erhebt sich dort heute ein unansehnliches Wohnhaus. Hinter dem komplizierten Namen verbarg sich die Wirkungsstätte des Chefs des preußischen Generalstabes, Helmuth Graf von Moltke. In den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde das Palais Sitz des Katholischen Bischofs von Berlin. Auf dem Grundstück Behrenstraße 50 stand das Büro des Königlichen Eisenbahn-Commissariats, der Zentralbehörde der preußischen Eisenbahnverwaltung.

1837 erwarb Zar Nikolaus I. das Grundstück der heutigen Russischen Botschaft Unter den Linden 63, das sich bis zur Behrenstraße hin erstreckt. Es waren die Russen, die als erstes Land eine diplomatische Vertretung in Berlin errichteten. Im Jahre 1942 wurde das Gebäude der Botschaft in Folge der alliierten Bombardierungen Berlins zerstört. Von 1949 bis 1951 wurde an der Stelle des alten Gebäudes nach Plänen des Architekten A. J. Strishewskij eine neue Botschaft errichtet. Die Rückseite dieses Gebäudes befindet sich auch heute noch in der Behrenstraße.

Die Behrenstraße als zentrale Achse des Bankenviertels

Wirtschaftliche Bedeutung erlangte die Behrenstraße, als sich sehr früh im östlichen Teil der Straße bekannte Bankhäuser etablierten und mit ihnen damals namhafte Bankiers ihren Wohnsitz in der Behrenstraße nahmen.

Zu den Bankiers gehörte auch der Bankier Friedrich Martin Magnus, der ein alteingesessenes Bankhaus leitete. Er wohnte gemeinsam mit seinem Sohn Gustav, später von Magnus, in der Behrenstraße 46. Gustav von Magnus, Professor an der Berliner Universität, richtete im Jahre 1840 in dem heute noch stehenden Palais Am Kupfergraben 7, ein physikalisches Kabinett ein und begann in dem ebenfalls dort eingerichteten Hörsaal erstmalig in Deutschland physikalische Lehrveranstaltungen abzuhalten.

Im Haus Nummer 43 befand sich die Disconto-Gesellschaft, die im Jahr 1851 an diesem Ort gegründet wurde. Die prachtvollen Gebäude der Behrenstraße 32/33, von dem Architekten Alfred Messel 1899 bis 1900 errichtet, gehörten einst zur Berliner Handelsgesellschaft. Sie war eine der bedeutendsten Banken der Kaiserzeit und verbunden z. B. mit dem Bau der Bagdadbahn. Die Berliner Handelsgesellschaft war 1856 in der Französischen Straße 42 gegründet worden und konnte sich, insbesondere nach der Reichseinigung, erfolgreich entwickeln.

Der monumentale Bau auf dem Grundstück Nr. 32, von sechs Kolossalsäulen in der Fassade gegliedert, war einst das Wohnhaus von Carl Fürstenberg, des zu seiner Zeit wohl namhaftesten deutschen Bankiers. Im Stil der Neorenaissance errichtet, zeichnet sich der Bau durch ein besonders qualitätsvolles Dach aus, für das der Architekt Messel hoch gelobt wurde.

Eine Besonderheit ist der Bau an der Charlotten-, Ecke Französische straße. Er ist eine Homage des Architekten Heinrich Schweitzer an seinen Lehrer und Meister Messel. Schweitzer wiederholt hier, in weniger aufwendigen Formen, den wohl berühmtesten Bau Messel’s, das Warenhaus Wertheim. Es stand einst an der Ecke Leipziger Platz und Leipziger Straße und machte den Architekten weltberühmt.

Haupteingang des A. Schaaffhausen'schen Bankvereins, der heutigen Bayerischen Vertretung.vergrößernEbenfalls zu den Besonderheiten dieser Straßen gehörte der heute etwas vernachlässigte Komplex der Dresdener Bank auf den Grundstücken Nr. 36 bis 39. Diese Bank, 1872 in Dresden gegründet, richtete 1881 in Berlin eine Filiale ein. 1884 verlegte die Geschäftsleitung ihren Sitz nach Berlin, behielt aber den alten Namen bei. Für die Leitung des Unternehmens errichtete der Architekt Ludwig Heim in den Jahren 1887 bis 1889 im Stil der römischen Hochrenaissance dieses Gebäude. Später verändert, zeigt sich in dem Bau ein Bild von der Stärke dieses Finanzunternehmens.

Zu den Besonderheiten dieser drei Bankkomplexe gehört die Verwendung von Kolossalsäulen, die bisher nur Kirchen und Staatsbauten vorbehalten war. So dokumentierte das im 19. Jahrhundert entstandene Bürgertum seinen gesellschaftlichen Anspruch und zeigte auch in der Architektur seine neugewonnene Bedeutung.

Die Behrenstraße entwickelte sich zur zentralen Achse des Berliner Bankenviertels. Neben den drei oben erwähnten Häusern, fanden u.a. die Pommersche Hypotheken-Aktienbank (Nr. 35), die Disconto-Gesellschaft (Nr. 42-45) und die Berliner Bank (Nr. 46) ihre Geschäftslokale in der Behrenstraße. Diese Gebäude sind heute noch vorhanden. Hinzu kam am westlichen Ende, auf der Höhe der Mauerstraße die Deutsche Bank.

Unter den zahlreichen Banken befand sich auch die “Aktiengesellschaft A. Schaaffhausen’scher Bankverein zu Köln”, die im Jahre 1910 die Gebäude Behrenstraße 21-22 erwarb, 1914 mit der Diskonto-Gesellschaft fusionierte und 1929 nach der Fusion Teil der Deutschen Bank wurde. Dieses Gebäude wird heute von der Bayerischen Vertretung genutzt.

Der Zweite Weltkrieg hat zahlreiche Lücken in die Straßenfronten gerissen, aber die besonders stabilen Gebäude haben den Krieg überlebt und stehen heute zum größten Teil unter Denkmalschutz.

Die Behrenstraße und das Theater

Das Grundstück Behrenstraße 55, auf dem sich seit dem Zweiten Weltkrieg die Komische Oper befindet, gewann in der Geschichte des deutschen Theaterlebens bereits früh eine herausragende Bedeutung.

Franz Schuch, ein Pionier des deutschen Theaters, ließ auf dem Hof ein Theater errichten. In diesem Bau fanden die Erstaufführungen von Lessings “Emilia Galotti” (1772) und Goethes “Götz von Berlichingen” (1774) statt. 1775 übernahm Carl Theophil Doebbelin das Haus. Aus ihm entstand dann im Jahre 1786 das “Deutsche Nationaltheater”, das später im Schauspielhaus auf dem Gendarmenmarkt ansässig war.

Zuschauerraum Komische Opervergrößern1892 wurde an der Behrenstraße 55 bis 57 das nach einem Entwurf der Wiener Architekten Hermann Gottfried Helmer (1849-1919) und Ferdinand Fellner (1847-1916) im Stil des Wiener Barock erbaute Gebäude der heutigen Komischen Oper als “Theater Unter den Linden” eröffnet. Nach dem Konkurs des “Theaters Unter den Linden” im Jahre 1898 wurde das Theater unter dem Namen “Metropol-Theater” wieder eröffnet. Bis 1945 war es das führende Revue- und Operettentheater. Hier feierten u.a. Fritzy Massary und Richard Tauber ihre großen Triumphe.

Besondere Bedeutung errang nach dem Zweiten Weltkrieg die “Komische Oper”. Sie entstand 1947 im ehemaligen Metropol-Theater. Die Wiedereröffnung nach dem Kriege, unter der Leitung von Walter Felsenstein, machte das Haus bald international bekannt. Felsenstein gilt als der Begründer des realistischen Musiktheaters. Er setzte mit seinen text- und partiturgerechten Inszenierungen Maßstäbe, die weit über Deutschland hinaus wirkten. An dieser Tradition hält das Haus fest.

Die Behrenstraße und Persönlichkeiten der Berliner Gesellschaft

Nicht nur preußische Staatsbedienstete oder Bankiers wohnten in der Behrenstraße, sondern auch Wissenschaftler, Künstler und Literaten. So lebte beispielsweise der Mathematiker Leonhard Euler im Gebäude Nr. 21/22, das heute die Bayerische Vertretung beherbergt. Zu verweisen wäre auch auf Heinrich Heine, der im Haus Nr. 71/72 lebte, auf den Zeichner und Kupferstecher Daniel Chodowiecki, der von 1777 bis zu seinem Tode im Haus Nr. 31 wohnte, und Rahel Varnhagen von Ense von 1810 bis 1813 im Haus Nr. 45.