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Bei der heutigen 47. Verleihung des Bayerischen Filmpreises in München wurde bombero international GmbH & Co KG für „Amrum“ in der Kategorie Bester Film ausgezeichnet (dotiert mit 100.000 Euro). Der Film war nominiert zusammen mit den beiden Filmen „Heldin“ (MMC Zodiac) und „22 Bahnen“ (BerghausWöbke Filmproduktion GmbH), die jeweils 50.000 Euro erhalten. Til Schindler und Heike Hanold-Lynch wurden in der Kategorie Entdeckung für „Scham“ ausgezeichnet (dotiert mit jeweils 5.000 Euro).
Begründung der Jury in der Kategorie Bester Film:
Es fallen Bomben, es geht um menschliche Würde, es geht auch um Leib und Leben – und dennoch ist „Amrum“ ein stiller, leiser Film, der die Zeit um die Kapitulation Nazi-Deutschlands durch die Augen eines 12jährigen Jungen in der nur scheinbar abgelegenen Welt einer nordfriesischen Insel verfolgt.
Der junge Nanning, tatsächlich die filmische Widerspiegelung eines jugendlichen Hark Bohm, jüngst verstorbener Drehbuchautor und Filmemacher, muss sich neu zurechtfinden in einer Zeit des radikalen Umbruchs. Eine Coming-of-Age-Geschichte im Spannungsfeld zwischen dem verzweifelten Verlangen nach Pflichterfüllung, verkörpert durch seine geliebte Mutter, einer glühenden Nationalsozialistin, und der unter der Inselbevölkerung aufkeimenden Hoffnung auf Frieden.
Regisseur Fatih Akin ist ein ästhetisch, atmosphärisch und inhaltlich sehr reicher und dichter Film gelungen, der trotz seiner historisch klaren und ziel- wie zeitgenauen Anbindung den Bogen in die jüngere Gegenwart schlägt. Einer Gegenwart, in der Flucht und Vertreibung wieder ihren Schrecken verbreiten, und in der die Auseinandersetzung mit alter wie neuer menschenfeindlicher Ideologie zwingend geworden ist.
Die diesem Film eigene Magie entfaltet sich durch das unmittelbare Erleben dessen, was auf der Leinwand geschieht, und zusätzlich durch das Wissen um die ganz besondere Geschichte dieses Films: dass Fatih Akin die Geschichte seines Mentors und Freundes Hark Bohm an dessen Stelle und mit seiner Unterstützung verfilmt hat – mit großem Erfolg bei der Kritik und ganz besonders auch beim Publikum, einem Erfolg, den Hark Bohm noch erleben durfte, bevor er nunmehr für immer von uns gegangen ist.
Wir verneigen uns im Gedenken an einen großen Künstler, dessen filmisches Erbe von Fatih Akin mit „Amrum“ weitergetragen wurde.
Begründung der Jury in der Kategorie Entdeckung:
„Scham“ ist eine intensive Auseinandersetzung zwischen Mutter und Sohn über die gemeinsame Vergangenheit. Ein Film voller wechselseitiger Verletzungen und immer getragen von dem Wunsch, gesehen und geliebt zu werden.
Der Regisseur und Autor Lukas Röder kommt mit wenigen Drehorten aus, arbeitet minimalistisch mit Handykameras und Splitscreen. Das ist an sich schon ein spannender Ansatz, der umso faszinierender ist, da das niemals wie ein ästhetischer Gimmick wirkt, sondern mit einer großen Konsequenz durchgehalten wird.
Trotz dieses vermeintlich kleinen Formats ist „Scham“, produziert von Philip Gröning, eine seltene Perle, die einen fasziniert zuschauen lassen lässt. Das Zusammenspiel zwischen Heike Hanold-Lynch und Till Schindler schafft eine unglaublich dichte und authentische Atmosphäre, der man sich als Zuschauer nicht entziehen kann. Die beiden schaffen es, dass wir als Zuschauende glauben, der Auseinandersetzung zwischen Mutter und Sohn wirklich beizuwohnen. Das Zusammenspiel ist von einer Einfachheit, einer lustmachenden Uneitelkeit und trotzdem emotionalen Tiefe, die einen mitnimmt und bewegt.
Und so bekommt der Filmtitel „Scham“ eine zweite Bedeutung. Fast schämt man sich ein wenig für den voyeuristischen Blick und die Neugier, diese zutiefst persönliche Auseinandersetzung zwischen Mutter und Sohn heimlich beobachten zu wollen.
Heike Hanold-Lynch und Till Schindler werden daher für ihr ungewöhnlich intensives Zusammenspiel mit dem bayerischen Filmpreis ausgezeichnet.
Der Bayerische Filmpreis wird seit 1979 vergeben. Er zählt zu den renommiertesten und bestdotierten Auszeichnungen in der deutschen Filmbranche. Der Bayerische Filmpreis ist mit Preisgeldern von insgesamt 300.000 Euro dotiert und wird in elf Kategorien auf Vorschlag einer zehnköpfigen Fachjury vergeben.
Mitglieder der Jury 2025 sind: Mychael Berg, Daniel Curio (Vorsitz), Dr. Ulrike Frick, Michael Hilscher, Narges Kalhor, Prof. Michaela Kezele, Christian Pfeil, Prof. Bettina Reitz, Bettina Ricklefs, Prof. Jochen Schölch.
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