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Pressemitteilungen

Gerlach: Bayern adelt Filme / 41. Filmpreis verliehen

17. Januar 2020

Bayern hat das Film- und Kinojahr 2019 entscheidend mitgestaltet. Das betonte die für Filmförderung zuständige Digitalministerin Judith Gerlach bei der 41. Verleihung des Bayerischen Filmpreises in München: „Wir starten das Filmjahr 2020 mit einem der bedeutendsten Preise der Filmbranche. Mit dem Bayerischen Filmpreis adeln wir Filme, die gezeigt haben, wie gut der deutsche Film ist. Starke Filme bedienen Emotionen: Sie bringen zum Lachen und zum Weinen, sie regen zum Nachdenken an und unterhalten. Und dafür stellt Bayern die perfekten Rahmenbedingungen – von Weltklassedrehorten, über herausragende Filmschaffen und renommierte Unternehmen bis zu einer starken Filmförderung.“ Der Bayerische Filmpreis ist mit Preisgeldern von insgesamt 300.000 € dotiert. Er wird in insgesamt 13 Kategorien vergeben. Die Preisträger wurden von einer zehn-köpfigen Fachjury ausgewählt. Außerdem verliehen werden der Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten sowie der Publikumspreis.

„Heute zeigt sich wieder, welch grandiose Bandbreite der deutsche Film auf höchstem Niveau abliefert. In den Hauptrollen stehen neben einem Stofftier auch das Handy, die Filme reichen von Drama bis zum spannenden Dokumentarfilm. Aber, sie haben eines gemeinsam: sie begeistern das Publikum. Solche Filme sorgen dafür, dass das Kinojahr 2019 an Schwung gewann“, so Gerlach.

 

Begründung der Jury zum Ehrenpreis des Ministerpräsidenten an Heiner Lauterbach

Heiner Lauterbach hat das Schauspielhandwerk von der Pike auf gelernt. Mit viel Lebenserfahrung und dem auf der Schauspielschule erlernten Handwerkszeug sammelte er in den 1970er Jahren erste Erfahrungen beim Theater. So lernte er auch Bayern von den Bühnen in Würzburg und München aus kennen und lieben. Seine in späteren Rollen oft leichtfüßig zur Schau gestellte Körperlichkeit rührt wahrscheinlich auch aus dem Besuch einer Pariser Zirkusschule her. Nach ersten Rollen in deutschen und internationalen Filmen kam 1985 fast über Nacht sein großer Durchbruch mit Doris Dörries Filmkomödie „Männer“. Die darauf folgende Karriere ist beinahe schon legendär und umfasst Charakterrollen in allen Genres – vom Action- bis zum Familienfilm. Die dabei gezeigte darstellerische Bandbreite und Präsenz von Heiner Lauterbach ist beeindruckend. Ein aus bayerischer Sicht besonderer Höhepunkt seiner Karriere war die Rolle des skrupellosen Filmproduzenten Oskar Reiter in der Satire „Rossini oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief“.

Nur ganz wenigen Schauspielern in Deutschland ist es gelungen, in jüngster Zeit so viele Menschen ins Kino zu locken wie Heiner Lauterbach. Für seine Verdienste um den Deutschen Film wird in diesem Jahr mit dem Ehrenpreis des Ministerpräsidenten beim Bayerischen Filmpreis gewürdigt!

Damit verbunden ist die Hoffnung, dass sich das Publikum nach 22 Jahren und über 200 Filmen auch weiterhin oft an Filmen mit Heiner Lauterbach erfreuen kann.

 

Nachfolgend die Namen der Preisträger und die Begründungen der Jury:

 

Der Produzentenpreis wird geteilt und geht mit jeweils 100.000 Euro an Lena Schömann und Bora Dagtekin (Constantin Film) für die Produktion des Films „Das perfekte Geheimnis“ sowie an Peter Hartwig (Kineo Filmproduktion) und Jonas und Jakob D. Weydemann (Weydemann Bros.) für die Produktion „Systemsprenger“.

 

Begründung der Jury für die Produktion von „Das perfekte Geheimnis“:

Warum erhält das deutsche Remake eines italienischen Films den Bayerischen Filmpreis? Wird damit nicht eine mutlose Produktionsentscheidung belohnt?

Nein, denn der Film fordert gerade in den vielen Details und der strengen Zeitvorgabe, fokussiert auf den Verlauf eines Abends unter Freunden in Handy-Nöten, eine präzise und sorgfältige Vorbereitung und Umsetzung aller Gewerke. Ob „Das perfekte Geheimnis“ in seiner Bearbeitung auch in Deutschland funktionieren würde, war also keinesfalls garantiert. Der Druck auf die Produzenten war entsprechend hoch, nachdem sie der Idee des pointensicheren Ausnahmeautors und Erfolgsregisseurs Bora Dagtekin, nämlich die Remake-Rechte von „Perffetti sconoscuiti“ zu erwerben, folgten. Doch die Constantin Film erwies sich einmal wieder als Erfolgsschmiede und begeistert mit einer „perfekten“ Produktion erneut die deutsche Kinolandschaft!

Ihr Geheimnis: Einen grandiosen und für die Figuren passgenauen Cast deutscher Topdarsteller für eine gemeinsame Drehzeit zu finden und zu finanzieren.

Eine Ausstattung und Requisite zu ermöglichen, die den Studiodreh vergessen macht und ein Abendessen unter Freunden so auszugestalten, dass wir als Zuschauer das Gefühl haben, wir selbst wohnen einem besonderen und turbulenten Abend als Gäste bei.

 

Begründung der Jury für die Produktion von „Systemsprenger“:

Es gibt Filme, da ist die Intensität so groß, dass uns fast hören und sehen vergeht.

Auch der Film „Systemsprenger“, das intensive Kinodebüt von Nora Fingscheidt, lässt uns sprachlos zurück. Erzählt wird die Geschichte der neunjährigen Benny, die immer wieder das System des um Fürsorge bemühten Jugendamts, wechselnder Pflegefamilien, Einrichtungen und das Coaching eines Anti-Gewalt-Trainers sprengt.

Die Intensität dieser Filmreise zwingt die Zuschauer in ambivalente Gefühle hinein, die sich zwischen Ablehnung, Fürsorge, Erschrecken, Ausweglosigkeit und Hoffnung bewegen. Über fünf Jahre wurde das Drehbuch entwickelt und es lässt keine Herausforderung aus, die Produzenten gewöhnlich in die Verzweiflung treibt: Dreh mit Kindern, einem Baby und sogar in Betreuungseinrichtungen, drehen mit Tieren, viele Motivwechsel inklusive Flughafen und ein großes Figurenensemble, das bis in die kleinste Nebenrolle glaubwürdig und stimmig sein muss.

All das schaffen die Produzenten von „Systemsprenger“ mit Bravour! Die spürbare Energie aber auch die erzählerische Sicherheit dieser Ausnahmeproduktion lassen alle Gewerke, das gesamte Team glänzen.

 

Der Preis für die beste Regie (dotiert mit 10.000 Euro) geht an Sherry Hormann für ihren Film „Nur eine Frau“.

Begründung der Jury:

Mit „Nur eine Frau“ ging Sherry Hormann das Wagnis ein, eines der bekanntesten Verbrechen der jüngeren deutschen Vergangenheit zum Sujet ihres Kinofilms zu machen. Die junge Hatan Aynur Sürücü, die in streng sunnitischer Tradition erzogen wird, bekommt von Sherry Hormann im wahrsten Sinne des Wortes eine Stimme verliehen. Ihr Erzählstimme leitet uns durch den Film, wir lernen ihre Brüder keinen, von denen einer ihr Mörder wird. Sherry Horman ist es gelungen, dass wir eine Frau erleben dürfen, die kein Opfer ist, sondern sich für sich selbst einsetzt. Eine Frau, die das Leben liebt und in Deutschland zu Hause ist.

Es ist eine tragische Liebesgeschichte, die da erzählt wird, nicht zwischen Mann und Frau, sondern zwischen einer Tochter und ihrer Familie. Die Tochter, die nur geliebt werden will, auch wenn sie anders lebt und die Familie, die am Ende ihren Mord gutheißt, weil die Tochter entschieden hat, anders zu leben, als die Tradition es will.

An „Nur eine Frau“ zeigt uns Sherry Hormann wie unterhaltsam und klug Kino in Zeiten von unzähligen Streaming-Angeboten sein kann und muss.

 

Der Nachwuchsregiepreis (dotiert mit 10.000 Euro) geht an Alireza Golafshan für den Film „Die Goldfische“.

Begründung der Jury:

Eine erfolgreiche Komödie, die erfrischend unkorrekt das Thema Inklusion verhandelt, eine großartige Schauspielerriege punktgenau und pointensicher agieren lässt und mit Selbstironie und Augenzwinkern den Klischeefallen trotzt – all das ist Alireza Golafshan gleich mit seinem Langfilmdebut „Die Goldfische“ gelungen.

Eine querschnittsgelähmter Portfolio-Manager, großartig gespielt von Tom Schilling, will darin mit Hilfe einer Wohngruppe behinderter Menschen sein Schwarzgeld von der Schweiz nach Deutschland schmuggeln.

Regisseur Alireza Golafshan betrachtet in seiner von ihm selbst geschriebenen Komödie Figuren mit und ohne Behinderung mit demselben frechen und anarchischen Blick und erreicht gerade dadurch, dass sich letztere schnell von ihrer vermeintlichen Opferrolle emanzipieren. Das Drehbuch begeistert zudem mit Dialogwitz und die Regie mit Tempo, Timing und Spielfreude. Alireza Golafshan ist mit diesem Debut ein Versprechen für die Zukunft der Komödie im deutschen Kino!

 

Den Preis als bester Darsteller (dotiert mit 10.000 Euro) teilen sich Bjarne Mädel und Lars Eidinger für ihre Rollen in „25 km/h“.

Begründung der Jury:

Sie düsen auf ihren Mofas mit 25 km/h durch Deutschland; streiten, feiern, lachen, lieben, lassen so richtig die Sau raus.

Zwei ungleiche Brüder spielen Bjarne Mädel und Lars Eidinger in Markus Gollers wunderbar nuanciertem Roadmovie „25 km/h“. Zwei, die einander retten, weil sie das Kind im Manne wieder finden.

Mit einer unglaublichen Energie prallt dabei die hohe Kunst dieser beiden Ausnahmetalente aufeinander. Sie zeigen alles was sie können. Es ist ein furioses Zusammenspiel auf der ganzen Klaviatur der Emotionen, das uns als Jury von Anfang bis Ende dieses Filmes begeistert hat für dieses Duo.

Man möchte sie sich eigentlich nicht mehr getrennt vorstellen und deshalb gibt es diesen einen Darstellerpreis beim Bayerischen Filmpreis für diese Beiden: Bjarne Mädel und Lars Eidinger.

 

Der Preis als beste Darstellerin (dotiert mit 10.000 Euro) wird verliehen an Anne Ratte-Polle für ihre Rolle in „Es gilt das gesprochene Wort“.

Begründung der Jury:

In „Es gilt das gesprochenen Wort“ erleben wir Zuschauer Anne Ratte-Polle zunächst als toughe Karrierefrau, die als Pilotin in einer Männerwelt besteht und offenbar mit beiden Beinen auf dem Boden steht – doch nach einer Krebsdiagnose bröckelt dieses Bild und hinter der starken Fassade kommt eine Frau zum Vorschein, die mit sich selbst ringt, auf der Suche nach Sinn und Inhalt in ihrem Leben.

Mit großer schauspielerischer Sensibilität und stiller Intensität zeichnet Anne Ratte-Polle als Marion hier eine sehr moderne, selbstbestimmte Frau, die durch ihre Krankheit beginnt Entscheidungen zu treffen, offen und weich zu werden. Stück für Stück lässt sie sich auf ihren Scheinehemann Baran ein, einen hilfsbedürftigen Migranten, und kommt dadurch an ihre emotionalen Grenzen. In jedem ihrer Blicke, der Körperhaltungen, der leisen Töne ist ihr innerer Konflikt spürbar, aber auch die Kraft mit der sie dem eigenen Leben begegnet.

 

Der Preis für den besten Nachwuchsdarsteller (dotiert mit 5.000 Euro) wird verliehen an Jan Bülow für seine Rolle in „Lindenberg! Mach dein Ding“.

Begründung der Jury:

Ein Unikum wie Udo Lindenberg zu verkörpern und sich dabei nicht auf Schnute und Hut zu verlassen, ist schauspielerisch keine leichte Aufgabe und eine echte Herausforderung für einen jungen Schauspieler, der seine Schauspielausbildung gerade erst absolviert hat. Jan Bülow gelingt es frei von Klischees, denen man hier leicht verfallen könnte, sich sensibel und stark zugleich dem jungen Udo Lindenberg anzunähern. Ob liebend, leidend, singend, betrunken oder rebellisch: Jan Bülow macht sein Ding! Er überzeugt mit seinem Können und seiner schauspielerischen Präsenz jede Sekunde auf der großen Kinoleinwand.

Da kann man nur den Hut ziehen und gratulieren!

 

Der Preis für die beste Nachwuchsdarstellerin (dotiert mit 5.000 Euro) wird verliehen an Luna Wedler für ihre Rollen in „Dem Horizont so nah“ und „Auerhaus“.

Begründung der Jury:

Ein bisschen viel, würde man sagen, wenn ein junges Mädchen entdecken muss, dass die erste große Liebe ein HIV-infiziertes, kickboxendes Unterwäschemodel ist, das auch noch so gut aussieht wie Jannik Schümann. Luna Wedler nimmt uns in „Dem Horizont so nah“, mit großer Selbstverständlichkeit in diese Erfahrung mit, mit einem Erstaunen, aber auch einer Zuversicht und einer Stärke, die niemals behauptet wirkt.

Es ist eine unbedingte Identifikation mit der Rolle bei dieser jungen Schauspielerin spürbar, die ganz auf Eitelkeiten verzichtet.

In „Auerhaus“ bringt sich Luna Wedler mit Hingabe in ein Team von sechs Freunden ein. Als Vera reift sie hier zur Persönlichkeit, in einer ungewöhnlichen Wohn-, Liebes- und Lebensgemeinschaft. Es ist ein Balanceakt zwischen Komik und Tragik, in dem Luna Wedler große, ja erstaunliche Sicherheit zeigt.

Der besondere Charme ihrer reibeisenen Stimme, ihre Anmut und Präsenz machen sie zu einer der großen Entdeckungen des deutschsprachigen Kinos.

 

Den Drehbuchpreis (dotiert mit 10.000 Euro) erhalten Fabian Hebestreit und Martin Busker für den Film „Zoros Solo“.

Begründung der Jury:

Das ist frech. Unfassbar frech: Gleich in der ersten Szene machen sich drei Jungs, die erkennbar Migrationshintergrund besitzen, am Kruzifix der Dorfkirche zu schaffen, um es später zu verhökern. Übertroffen wird das nur von dem, was wenige Augenblicke später passiert: Die Leiterin des Knabenchors gibt mit ihrem Kleinwagen hemmungslos Gas, als sie einen von ihnen vor sich auf der Straße sieht. Wer durch deutschen Film und Fernsehen sozialisiert worden ist, der traut seinen Augen kaum und seinen Ohren kein bisschen mehr. Das Drehbuch zu dem Jugendfilm „Zoros Solo“ riskiert eine derart dicke Lippe und verstößt so erkennbar gegen alles, was die Schere im Kopf eigentlich verbietet, dass dem Zuschauer zuweilen der Atem stockt. Wie sich die Geschichte immer wieder wendet, wie die Dialoge wie ein Ping-Pong-Spiel und voll Witz funktionieren, wie radikal der Mut ist, wirklich ambivalenten Charaktere zu zeichnen und wie menschlich die Botschaft in der Summe dieses Film – das ist eine Freude; für die Jury genauso wie für die Zuschauer im Kino!

 

Den Preis für die beste Bildgestaltung (dotiert mit 10.000 Euro) bekommt Frank Lamm für den Film „Deutschstunde“.

Begründung der Jury:

Frank Lamm gelingt es in „Deutschstunde“, in so eleganten wie eindringlichen Einstellungen, vom Kampf um die Freiheit der Kunst zu erzählen, von Schuld und Scham. Er schafft in seinen wohl kadrierten Bildern Spielräume für Christian Schwochows Schauspiel-Ensemble, bei dem die dichte Atmosphäre der literarischen Vorlage unsere Herzen erreicht. Er taucht dabei die Natur, Luft und Meer, die Flur und die Weite der norddeutschen Landschaft in ein besonderes Licht. Sie kontrastiert mit der Enge des Dorflebens und der Herzen in dunkler Zeit.

Siegfried Lenz wollte mit seinem Roman zeigen „wie geschehen konnte, was geschehen ist in diesem Land“.

Frank Lamm hat hierfür Bilder gefunden.

 

Den Preis für die beste Filmmusik (dotiert mit 10.000 Euro) erhält Arash Safaian für den Film „Lara“.

Begründung der Jury:

Lara Jenkin (Corinna Harfouch) hat nie verwunden, ihre Karriere als Pianistin zu früh aufgegeben zu haben. Da gibt ihr Sohn Viktor (Tom Schilling) ausgerechnet am Abend ihres 60. Geburtstags das wichtigste Konzert seiner Karriere. Da er Lara nicht eingeladen hat, kauft sie alle noch verfügbaren Konzertkarten und verschenkt diese an jeden, dem sie an diesem Tag begegnet.

Ein Film, der sich in den Biografien beider Hauptfiguren mit dem Ringen um musikalische Meisterschaft auseinandersetzt, muss für einen Filmkomponisten eine besondere Herausforderung sein. Regisseur Jan Ole Gerster hat in seinem beeindruckenden Drama „Lara“ die Musik einem Komponisten anvertraut, der bislang vor allem auf dem Gebiet der klassischen Musik für Aufsehen gesorgt hat.

Arash Safaian gelingt es mit seinen Kompositionen, die komplexe Beziehung Laras und Viktors in eine ebenso komplexe Klangsphäre zu überführen. Eine Filmmusik, die nie Illustration oder Überhöhung ist, sondern stets Charakterisierung. Kongenial eingespielt von ECHO-Preisträgerin Alice Sara Ott, erreicht die Musik das, wonach die Figuren im Film so selbstzerstörerisch streben: künstlerische Perfektion.

 

Den Preis für den besten Kinder- und Jugendfilm (dotiert mit 10.000 Euro) erhalten die Produzenten Fabian Maubach und Jochen Laube (Sommerhaus Filmproduktion) für „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“.

Begründung der Jury:

Wie kann man Kindern die Zeit des beginnenden Nationalsozialismus und den Holocaust erklären? Judith Kerrs autobiographischer Roman „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“, erzählt aus der Perspektive der neunjährigen Anna Kemper, wie es sich anfühlt, von heute auf morgen seine Heimat zu verlieren. Wir sehen durch die Augen eines Kindes, welches die Welt der Erwachsenen nicht erklären kann. Und so verstehen wir als Zuschauer mehr und mehr was es bedeutet, wenn Populisten und Rassisten ein totalitäres Unrechtsregime errichten. Wir verstehen, wie es für Schriftsteller und Kritiker wie Annas Vater war, Berufsverbot zu bekommen, weil die Meinungsfreiheit abgeschafft wurde.

Caroline Link erzählt in ihrer Romanverfilmung detailgenau, mit Humor und Scharfsinn wie sich so eine Flucht anfühlt, die nicht enden will. Um einem historischen Film so viele Feinheiten zu erlauben, braucht es Produzenten, die Geschichten wertschätzen, die nicht an der Oberfläche bleiben, sondern in die Tiefe blicken wollen. Und genau solche Produzenten sind Fabian Maubach und Jochen Laube von der Sommerhaus Filmproduktion.

 

Der Dokumentarfilmpreis (dotiert mit 10.000 Euro) geht an Janna Ji Wonders für den Film „Walchensee Forever“.

Begründung der Jury:

In „Walchensee Forever“ entführt uns die Filmemacherin Janna Ji Wonders auf eine faszinierende Reise in die Geheimnisse einer oberbayerischen Familie. Vier Generationen von Frauen, 100 Jahre deutsche Geschichte ­– eine explosive Mischung aus Tradition, bürgerlichen Werten, Rebellion und der Liebe zur Kunst. Frauenbilder, die sich radikal wandeln. Dabei meistert sie bravourös die Herausforderung, dass es sich dabei um ihre eigene Familiengeschichte handelt.

 

Lange, aufwühlende Gespräche hat die Filmemacherin mit großem Respekt aber auch beharrlicher Intensität mit ihrer Großmutter und Mutter geführt. Dazu kommt der gehobene Schatz an privatem Archivmaterial, das ihre Urgroßmutter lebendig und die anderen wieder jung werden lässt. Durch die hervorragende Montage entwickelt der Film einen unwiderstehlichen Sog. Und das alles vor der urbayerischen Kulisse des Walchensees – genauso schön, tief und geheimnisvoll.

 

Den Sonderpreis erhält Philipp Stölzl für den Film „Ich war noch niemals in New York“.

Begründung der Jury:

Grell und quietschbunt, die Übertreibung nicht scheuend, ist Philpp Stözls „Ich war noch niemals in New York“ in jeder Hinsicht ein ungewöhnlicher deutscher Kinofilm. Getrieben vom Sound und den Songs eines Udo Jürgens, ihrer besonderen Energie und eigenem Zauber verpflichtet, hat der Filmemacher sich an ein „Musical made in Germany“ gewagt.

Er orientiert sich dabei in Sachen Ausstattung, Tempo, Wortwitz, Tanz und Musikalität an den Klassikern des Genres und großen Vorbildern aus der Welt der Musik- und Revuefilme.

Dabei gelingt es ihm, der Produktion einen eignen „German-Austrian Atem“ einzuhauchen, der sein Kreuzschiff sicher bis nach New York und zum großen Finale trägt.

Die Jury würdigt den künstlerischen Leiter dieser tolldreisten Unternehmung stellvertretend für die in allen Kategorien außerordentliche Leistung des Teams und Ensembles von „Ich war noch niemals in New York“.

 

Die Preisträger erhalten bei erstmaliger Auszeichnung als Preissymbol den „Pierrot“, bei weiteren Prämierungen eine andere Figur aus der „Italienischen Komödie“ nach Entwürfen von Franz-Anton Bustelli der Porzellanmanufaktur Nymphenburg sowie einen Geldbetrag. Mit einer Preissumme von insgesamt 300.000 Euro gehört der Bayerische Filmpreis zu den bedeutendsten Medienpreisen in Deutschland.

 

Die Mitglieder der Jury 2019 sind: Dagmar Biller, Dorothee Erpenstein, Daniel Curio (Vorsitzender), Susanne Hermanski, Rudolf Huber, Maggie Peren, Prof. Bettina Reitz, Carlos Gerstenhauer, Gernot Roll, Jule Ronstedt und Sebastian Stern.

 

Die Verleihung wird am 17.01.2019 ab 20.15 Uhr im BR Fernsehen übertragen und von 3sat am Samstag, 18.01.2019, 23.15 Uhr, in einer Zusammenfassung wiederholt.

 

Pressemitteilung auf der Seite des Herausgebers



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